Erste journalistische Versuche 1999 – Schüleraustausch

Amerikaaustausch 1999 nach Olympia, WA – was eine Zeit, wie prägend und aufregend, zu Zeiten als es noch die D-Mark gab. Aber weder Internet noch ein eigener Blog waren damals denkbar, ein Handy waren existent in meinem Umfeld.

Olympia ist eine Kleinstadt mit ca. 30.000 Einwohnern (damals), die eine Fläche bewohnen, die meiner damaligen Heimat Hannover mit über 500.000 Einwohnern entspricht. Sie sehen, diese Dimensionen musste man erstmal fassen können. 

Das Internet wirkt heute so normal, so selbstverständlich, fast nervend. Wissen Sie aber, wie schwierig es war, anderen Leuten zu erklären wo und was Olympia bei Seattle wiederum in Achse mit San Francisco war? Nichts mit fix Wiki oder so. Man musste erzählen, selbst vorher vage, weil es auch nur erzählt war. Das Internet denokratisiert Informationen, es verhindert sie weniger. Meistens. 

Ich war 14 – und damit der absolut jüngste dieses Austauschsprogramms; es hat es wahrlich nicht erleichtert, aber diese dort mit geformte Lebenshaltung ist unbezahlbar.

1999 – die Zeit vor 9/11, das goldene Jahrzehnt zwischen Irakkrieg und dem Angriff auf die USA – offene Cockpittüren, vergleichsweise lockere Sicherheitsstandards. Alles vorbei. Ein geschlossenes Kapitel.

Viel Freude beim Lesen, und ja, der junge Mann auf dem Foto, das bin ich. Und ein Schulbriefkopf, auf dem das Internetzeitalter noch nicht arriviert war.

Advertisements

Rezension: eine letzte Liebschaft

Schade. Es ist immer traurig wenn Künstlern die Anerkennung ihres Werkes zu Lebzeiten nicht gegönnt ist. Richard Yates erging es leider so. Er verstarb einsam, dem Alkohol zugewandt, krank, einsam in seinem Appartment im heartland der USA.

Späte Gerechtigkeit erfährt er aber nun über die Maßen und das zurecht. In seinen gesammelten Kurzgeschichten „Eine letzte Liebschaft“ weht viel klassisches USA mit, man denkt an braune Armeehemden, GIs mit Muskeln und brutzelndes Barbecue. Auch wenn es nicht immer vorkommt, so umschwebt doch viel Klischee und damit zugespitze Wahrheit die kurzen Geschichten. Ich bin meistens kein Freund von Kurzgeschichten, da ich immer denke ohne zu denken, woher der Drive kommen soll.

Natürlich, wider Erwarten, hat mich Yates schon mit der ersten Story, die ich frei auswähle im Buch. Schon fast bestätgend enttäuscht denke ich mir, naja, doch kein spannendes Ende und er schafft es im letzten Satz a) konstruktiven Sinn und b) einen Hackenschlag einer Pointe zu bauen.

Die Geschichten sind angenehm lesbar, bieten viel Ab- und Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft und ihrer Probleme in den Sechziger- und Siebzigerjahren und dennoch kann mich nicht alles vollends begeistern.

An der handwerklichen Schaffenskraft hat das aber mitnichten gelegen. Regel also: Lesen Sie es an und wenn Ihnen der Duktus Freude bereitet: Lesen Sie es ganz.

Richard Yates: Eine letzte Liebschaft ist erschienen bei DAV/Random House

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑