Ich verneige mich auch.

Letzten Freitag wurde von Ina Hartwig (Kulturdezernentin Stadt Frankfurt, SPD) diese Wandtafel an dem letzten Wohnhaus Fritz Bauers enthüllt. Heute nach einer Matinee der SPD Frankfurt-Westend im Cinema Frankfurt, fuhr ich zur Bauers Wohnhaus in der Feldbergstrasse 48. Gezeigt wurde der grandiose Film Der Staat gegen Fritz Bauer.

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Rezension: Sigmar Gabriel – Patron und Provokateur

Gerhard Steidl, Verleger- und Druckpapst aus Göttingen, fertigt seine Bücher so, dass sie an die 500 Jahren halten sollen. Und findet bereits 2010, im Geburtsjahr des iPads, dass vieles nicht mehr gedruckt werden sollte. Gebrauchsliteratur wäre hier das Wort sicherlich. Bei Büchern über Politikern frage ich mich schon seit der Schulzeit, ob diese einen Haltbarkeitsstatus haben? Andererseits betört das Phänomen, dass ein Buch bis zu einer Wahl spannend ist, und danach als Türkeil dienen kann. Wer kann sich an Bücher von Roland Koch noch erinnern, wie dieses, dass 2005 auf dem Schreibtisch von Stefan Aust lag? Politisch bin ich eher in langen Bögen interessiert, das Waschweibergetratsche im Regierungsviertel ob eigenen Erlebens zu effektheischend und stolz vor überbordender Wichtigkeit der Eigenwahrnehmung. Die Einsteigerstory mit dem Autogramm von Putin für die Zahnarzthelferin Oksana: Provinzposse, die allen ihren Voyeurismus stillt, doch nicht mehr als lockender Honig ist. Die „coolen“ Jungs in der Szene sehen dadurch den Tölpel bewiesen. Aber ganz im Gegenteil: Es macht ihn herzlich sympathisch. 

Das Journalistenduo Hickmann (SZ) und Storz (WELT) haben sich mit über 100 Gesprächspartnern getroffen und auch zweimal mit ihrem ausgelobten Patron: Sigmar Gabriel. Auf 306 Seiten beleuchten sie Gabriels Werdegang aus niedersächsischer Provinz in die Bundeshauptstadt und ins Willy-Brandt-Haus, gespickt mit Lebensbildern, die eines erkennen lassen: in der Optik ist Gabriel ein Kontinuum. 

Das Buch kommt kurz bevor die K-Frage ansteht. Richtig um es gut zu verkaufen, doch was sagt dieses biographische Psychogramm aus, ob jemand „Kanzler kann“? Das Buch liest sich an einigen Stellen gut, gibt Gabriel eine menschliche Note, die ihm dann doch wieder negativ ausgelegt wird. Gabriel ist ein Mensch, authentisch, teils schnoddrig, mit einem Nazi-Vater und einem angefutterten Panzer an Körperfett. Die ZEIT hat hier ein wunderbares Dossier (Vater, s.u.) und vor gar nichr allzu langer Zeit im Magazin eine Story geliefert: Seine Tochter vermisst ihn und fasst an den Fernseher, wenn sie ihn sieht. Alles das wissen wir von Angela Merkel nicht. Und wahrscheinlich ist genau dieses Unwissen, welches sie so erfolgreich sein lässt: Sie bietet keine grobe Fläche. 

Ich schrieb genau hierzu Gabriel einen aufmunternden Brief, denn Offenheit zieht immer Verletzlichkeit nach sich; er antwortete sehr nett und ausführlich und persönlich.

Wer sich dem Menschen und Profi Gabriel näher möchte/will/muss, sei dieses Buch empfohlen. Wer die K-Frage wirklich als Aufhänger nimmt: Es ist sehr zu bezweifeln, gar abwegig, dass Gabriel Kanzler können muss, und wenn doch, braucht er keine Legitimation von Journalisten. Aber es bleibt eine Biographieansatz über einen Politiker, der defintiv eines ist: ein Mensch. 

Sigmar Gabriel – Patron und Provokateur, erschienen bei dtv.

Lesetipp: ZEIT-Dossier von Bernd Ulrich über Sigmar Gabriels Vater, der ein „unbelehrbarer Nazi“ war.

Ich danke dtv für das Rezensionsexemplar; ich erhalte kein Honorar.


Lese-Tipp: Sigmar Gabriels Vater

Bei Gabriel wird das Übergewicht gerne als „Panzer“ analysiert. Was seinen Vater angeht, ist das auch verständlich. Bernd Ulrich (Politik-Chef ZEIT) hat 2013 ein lesenswertes Dossier dazu geschrieben.

Lesen Sie es hier.

Lesen Sie auch meine Rezension über das aktuelle Buch über Sigmar Gabriel (siehe Rezensionen).

Farbe bekennen!

Ich denke links der Mitte, ich fühle links der Mitte dennoch mein Herz anatomisch korrekt hinter meinem Sternum schlägt, ich wähle links der Mitte, ich stehe zu sozialem Bewusstsein, Umverteilung und bin unverhohlener Befürworter der Solidargemeinschaft, des Bildungsaufstiegs, der Gleichberechtigung, der Inklusion, der Integration, des Feminismus‘, der Friedlichkeit und Friedfertigkeit.

Ich wähle SPD, ich bin Mitglied und ich stehe dazu. Denn aktuelle Parteipolitik muss nicht immer passen, aber die Überzeugung zur Demokratie, zur Sozialdemokratie, zu unserem Sozialstaat.

Farbe bekennen auf dem Weg in dieses schwierige Wahljahr.

Jan C. Behmann am 22. Dezember 2016.

Seh-Tipp: Sigmar Gabriel im Gespräch mit Klaas Heufer-Umlauf

Eine angenehme Situation mehr von Sigmar Gabriel auf der Bühne im Willy-Brandt-Haus zu erfahren. Heufer-Umlauf macht auch eine gute Figur. Ein schönes Gespräch.

Aktuell ist bei dtv ein Buch von zwei Journalisten über Sigmar Gabriel erschienen. Ich bin gespannt, finde ich doch Bücher mit diesem Charakter „hat er das Zeug zum Kanzler“ durchaus sehr kritisch gegenüberstehe. Ich werde es hier besprechen.

Screenshot: Youtube/SPD

Brief von Sigmar Gabriel

Am Freitag kam dieser Brief von Sigmar Gabriel als Antwort auf einen Brief von mir. So sehr ich mir bewusst bin, dass er diesen Brief sicher nicht selber geschrieben hat, war der Inhalt dennoch nett und die Papierausstattung sehr schön.

Briefpapier: ca. 120g, beide Seiten gleiche Qualität, SPD-Quadrat oben rechts geprägt, Name und Funktion Offset, Qualität ok

Briefumschlag: Sehr wertig, sehr dicke Qualität; Rückseite: Name/Funktion; vorne zweifarbiger Streifendruck mit rotem SPD-Quadrat

Danke, Sigmar!

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Wiederempfehlung: Das Leben nach der Kanzlerschaft

Schon letztes Jahr publiziert, möchte ich Ihnen die Beschreibungen von Hajo Schumacher in der SZ ans Herz legen. 

2006, Schröder ist seit einem Jahr nicht mehr im Amt, zeichnet Schumacher die ernüchternde Situation des Lebens plötzlich ohne Macht Unter den Linden. Ein Tag kann weniger als 16 Stunden haben, und die Nachfolgerin regiert auch ohne Rat des Bundeskanzlers a.D.

Schumacher schreibt tendenziös. Schnoddrig, an der Grenze zur Distanzlosigkeit und trifft doch den Ton der Stimmung auf den Fluren der Ehemaligen. Auch sie knapp an der Kante des Vergessens. Und die Wandel der Allüre ohne Amt und damit auch knapp an der Würdendemission. Fischer soll erst nach dem Amt wieder „bitte“ und „danke“ benützt haben.

Bei manchen Anekdoten hofft man doch insgeheim, der langhaarige Reporter der SZ würde nur Geschichten machen wie sein optisches alter altes ego: Franz Josef Wagner.

Lesen Sie gerne hier.

Screenshot: SZ

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