Rezension: Nichts fehlt, außer dir

Dieses Hörbuch hat mich gereizt, da ich Briefwechsel mag. Hier handelt es sich um die (Liebes-)Briefe und Tagebuchaufzeichnungen von Claire und Yvan Goll. Das Dichterpaar war exaltiert und konnte nicht mit und nicht ohne sich.

Aber: Die Texte sind mir zu schwülstig, die Wirkung zu gewollt und zu, hm, dann doch zu inhaltsleer und nur um die Zweisamkeit kreisend.

Die Verarbeitung des Materials ist wunderschön, das Schwarz mit der goldenen und weißen Schrift in der Comedian-Harmonists-Optik passt wunderbar, die Sprecher Sandra Quadflieg und Ulrich Tukur in ihrer Optik sind ebenfalls eine Bereicherung.

Ich breche die Lanze für das Produkt, da es sicher seine Hörer/innen findet, und in der Verarbeitung keine Wünsche offen lässt. Aber es ist eben nicht meines. Vielleicht aber ist genau das sein Distinktionsmerkmal?

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Nichts fehlt – außer dir ist erschienen als Hörbuch bei Random House Audio

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

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Rezension: Die schönsten Weihnachtskrimis (Audio)

Der Hörbuchverlag (Random House) ist etwas spät dran! Denn im Gegensatz zu ALDI & Co. kam diese Einstimmung mit mehr als einem Monat später als der Lebkuchen im Regal. Nun, eigentlich kann man dazu nur beglückwünschen, da meine Assistentin sich schon gleich im September an selbigen überfuttert hatte. Das sechseinhalbstündige Programm aus sieben Krimis zur Weihnachtszeit sind dabei ohne Vorsicht zu genießen. Agatha Christie darf genau so wenig fehlen wie Georges Simenon.

Fraglich ist meiner Meinung ja, warum wir selbst an Weihnachten so gerne Krimis lesen und hören. Oder Tod auf dem Nil so gern schauen; vielleicht als heimliches Sinnbild, was wir mit den Verwandten gerne täten, mit denen wir gemeinsam auf der Couch sitzen. Sitzen müssen wollen?

Ich finde die Geschichten in Ordnung, die Sprecher sind nicht ganz mein Geschmack. Als Freund von Charles Brauer in seinen Grisham-Vertonungen bin ich gewohnt, dass ein Sprecher mehrere Charaktere deutlich trennen kann und das ganze in eine Lesung mit Kribbeln verwandelt. Dieses konnte hier nicht so -für mich- erreicht werden.

Für mehr Informationen klicken Sie bitte hier bei Random House.

Ich danke Random House für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars; ich erhalte kein Honorar.

Rezension: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (Live-Audio)

Peter Handke beschimpfte die Gruppe 47 um Hans-Werner Richter, Walter Jens und Marcel Reich-Ranicki 1966 in Princeton mit seiner historisch gewordenen Aussage, die deutsche Prosa leide unter einer Art Beschreibungsimpotenz. Der Zugang zur damalig im Zenit stehenden Gruppe 47 sei schwieriger als in den Himmel zu kommen, befanden Journalisten. Handke war das schon damals egal, und da war er erst Mitte 20. Seinem Erfolg mit seinem ersten Roman Die Hornissen (Suhrkamp) und seinem Provokationsstück
Publikumsbeschimpfung (Erstaufführung siehe Youtube, 1966; Regie: Claus Peymann) konnte diese Schärfe gegen das Establishment nichts anhaben.

Nun, was hat das mit Joachim Meyerhoffs nun vorgelegter Lesung seines Buches Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke zu tun?

Random House Audio legt hier eine Opus Magnum einer Lesung vor, 12 Stunden und das ganze live vom Autor vorgetragen. — Und er hat mich gekriegt, im Auto, mit der ersten von insgesamt zehn (sic!) CDs. Ich musste so herzlich lachen und im nächsten Moment (Textanschluß!) verstummte ich synchron mit seinem Publikum. Denn Meyerhoff ist wider Handkes Feststellung eine Potenz zu eigen, die einen in einen Bahn außerordentlicher Natur zieht. So parliert er mit tiefen, raueisigem Timbre locker durch seine Zeilen und beschreibt in einer solchen Detailliebe und Sprachgewaltigkeit das Leben seiner Großeltern, bei denen er Wochenenden seiner Kindheit verbringt. Die Skurrilitäten und Eigenheiten dieses von ihm hochverehrten Paares zeigen eine hohe Aufmerksamkeit und Sensibilität gegenüber dem Ist und Sein seiner Umwelt. Und so könnte man meinen, wieder ein vor Details triefender, zur Übermüdung neigender Beschreibungstext, aber nein: Meyerhoff schafft es, sein Publikum durch Text und Lesung abzuholen. Denn an die autobiographische Beschreibung seiner Großeltern schließt er seinen Übergang zu Zivildienst und die Atomisierung seines bisherigen glatten Lebens durch den Unfalltod seines mittleren Bruders an. So findet Meyerhoff immer eine Taktung zwischen den Jovialitäten des Lebens, um dann direkt die Verbindung zu den Abgründen zu skizzieren; in Abhängigkeit, in Folgebegründung.

Meyerhoff ist heute Ensemblemitglied „der Burg“ und neuerdings auch (wieder) des Deutschen Schauspielhauses, Hamburg. Und so beschreibt Meyerhoff seinen Weg in die Schauspielschule. Otto Folckwang in München. Und landet wieder bei seinen Großeltern. Statt im ersehnten Schwesternwohnheim und Zivildienststelle.

Meyerhoff sagt in Interviews, er wolle die Abgründe und die wahnwitzigen Momente des Lebens zeigen; und sein junges Leben scheint dafür viel Stoff geboten zu haben. 

Die Umschreibung des Verlages leidenschaftlich live gelesen vom Autor ist kein Marketing, es ist eine herzerweichende, mitreißende Tatsache.
Meyerhoff nimmt einen mit in sein Leben – und wir sollten dankbar dafür sein.

Joachim Meyerhoff: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke – mehr Informationen hierzu beim Random House.

Ich danke Random House für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars; ich erhalte kein Honorar.

PS: Der Titel ist übrigens ein Werther-Zitat. Und wie trefflich ists fürs Meyerhoffs Leben.

Rezension: More Letters of Note

Warum muss eine Rezension immer gleich sein? Da es sich bei den Büchern und den dazugehörigen Audios auch um besondere Werke handelt, musste eine besondere Rezensionsform her. Die des Briefes.

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Hinweise:

Der Brief wurde am 24.10.2016 per Deutsche Post verschickt.

Die Namen wurden bewusst gekürzt und sind dem Verfasser bekannt.

Es handelt sich um keine Original-Unterschrift. Nutzungen dieser Abbildung werden strafrechtlich verfolgt!

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