Seh-Tipp: Gerhard Steidl

Eine knappe halbe Stunde mit Gerhard Steidl in Göttingen. Es gibt ergänzende Einblicke im ersten Drittel in seine Verlagsküche und im letzten Drittel zu sich nachhause; auch erfährt man im Nebensatz, dass er eine Lebensgefährtin hat.

Die Gänge in seine alten Wirkungsstätten im mittleren Drittel sind eher langweilig, aber insgesamt gibt es additive Einblicke zum Kinofilm aus 2010 und die gemeinsame Zeit mit Bryan Adams sind auch es wert angeschaut zu werden.

Ein Leben für Bücher. Gerhard Steidl; NDR 2016

Screenshot: NDR.de

Lesetipp: Steidl im Interview mit dem Musée Magazine

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Steidl – I had no time to move

Gerhard Steidl ist in seinem Universum die Sonne. Und zwar eine ganz, ganz helle. Steidl, in Göttingen geboren und geblieben („I had no time to leave“), betreibt einen Verlag mit Weltrenommée. In der Düsteren Straße 4 findet man sein „Laboratorium“, in dem er alles in einem „integrierten Prozess“ produziert.

Das was er produziert, wählt Steidl sorgsam aus. Wertige Fotobücher und Lyrik sind seine Spezialität. Er geht die Symbiose ein aus perfektem Inhalt und perfekter handwerklicher Aufbereitung. Er selbst sieht sich nicht als Künstler, sondern als Techniker, der „Multiples“ produziert. Durch einen Handwerker veredelte Produkte. Und damit stapelt er tief. Er dürfte mit die weltbesten hergestellten Bücher herstellen.

Die Marke ist, ungewollt und nebenbei, zu einem Synonym für Buchdruckkunst in einer Linie mit Gutenberg avanciert. So reist Steidl, introvertiert, schrullig, und dennoch straight und extrem zielorientiert, durch die Welt („to get things done in a certain way“) ohne das Reisen zu mögen. So schafft er eine Brasilienreise in knapp 48 Stunden, in LA war er 20 mal in einem Jahr für ein Buch beim Künstler. Er reist unaufhaltsam, inzwischen im 65. Lebensjahr angelangt und wie man so schön sagt, kein bisschen müde. Er hat nie etwas anderes gemacht, aus ärmlichen Verhältnissen stammend, lebt er seit seinem Abitur für die „Drogen“ Druckerfarbe und Papier.

Aufmerksam wurde ich vor ein paar Jahren durch Karl Lagerfeld. Selbige Weltikone kam übrigens auf Steidl zu und dieser wollte erst gar nicht mit dem Papst der Mode zusammenarbeiten. Wer Lagerfeld besser kennt, weiß um seine Buchliebe, seine Privatbibliothek von 300.000 Exemplaren. Und so fanden beide zusammen, 7L entstand und dann 2010 auch der L.S.D.-Verlag. Beides Imprints von Steidl.

13 Monate begleiteten die Dokumentarfilmer Gereon Wetzel und Jörg Adolph den Meister des Buchdrucks in Göttingen und in der ganzen Welt. Sie hasten von New York, nach Katar, nach Kanada, nach Göttingen. Sie treffen u.a. Martin Parr, Joel Sternfeld, Khalid Al-Tani, Günter Grass. Von letzterem hat er die Weltrechte für dessen Werke 1993 vom Luchterhand Verlag (inzw. zu Random House gehörig) gekauft.

Der große rote Faden, neben den einzelnen Besuchen der Künstler zu Zwischenbesprechungen, ist die Kreation von „iDubai“ des New Yorker Photographen Joel Sternfeld. Vom ersten groben Meeting in seiner New Yorker Wohnung zu den Meetings im Verlag, genannt Steidlville. Dort kann er, so Steidl, mit den Künstlern in Ruhe arbeiten; fernab von ihren hippen Wohnorten.

Der Film ist ruhig und hat ein gleichmäßiges Tempo, er kommt ohne Off-Sprecher aus. Steidl und die die mit ihm sprechen, geben genug Auskunft und einen authentischen Blick in das berufliche Leben dieses Vielleisters. Der Film ist absolut sehenswert, auch wenn Steidl inzwischen auch (nur in der Lyrik) eBooks anbietet und sich damit von seiner rigiden No-Digitale-Politik trennte.

Kaufen Sie den Film mit schönen Boni direkt bei den Filmemachern. Bitte unterstützen Sie diese engagierten Filmemacher! Die 20 Euro sind ein lohnenswertes Investment.

Gerhard Steidls Verlag besuchen Sie bitte hier.

Das Buch iDubai finden Sie direkt bei Steidl hier. Nota bene: Es gibt beim Versand von Steidl weltweit (!) keine Versandkosten. Das ist think big at its best!

Bilder: Screenshots „How to Make a Book with Steidl“ von Gereon Wetzel und Jörg Adolph, DocCollection 2010 (Kaufen Sie die DVD, die Filmemacher, die DVD und Sie haben es sich verdient!)

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