Rezension: Fritz Bauer [AUDIO] sein Leben, sein Denken, sein Wirken

Alles endet im Streit. Auch an diesem sonnigen und fast frühlingshaften Sonntagmorgen in Frankfurt am Main. Im Programmkino ist Sondervorstellung eines Filmes, der 2015 den Beginn einer Trilogie und unerwarteten Hommage eines Mannes darstellte, der nicht mehr und nicht sträflicher in Vergessenheit geraten hätte können.

Fritz Bauer war hessischer Generalstaatsanwalt und hochbemüht, die Verbrecher des Dritten Reiches unter Anklage zu stellen. Doch das war schwerer als gedacht, da es nicht gewünscht war. Man wollte Ruhe in Zeiten des Friedens, wollte lieber Einfamilienhäuser und VW Käfer, als die Vergangenheit aufzurollen oder zu verarbeiten. Die Restauration hat die Revolution besiegt – wieder einmal!, lässt Lars Kraume Burghart Klaußner in seiner wie auf den Leib geschneiderten Rolle des Fritz Bauer erregt und gleichzeitig ausrufen. In der Wiesbadener Staatskanzlei führt sein alter Kumpel Georg-August Zinn die Geschäfte als hessischer Ministerpräsident . Er unterstützt Bauers Pläne, doch sieht er auch, wie Bauer sich als Idealist, als von den Nazis erniedrigter Mensch, an den schier aussichtslosen Fällen und dem allgemeinen Schweigen aufreibt. Man bedenke, dass Kanzleramtsminister und damit Adenauers rechte Hand (haha, welch´ groteske Formulierung) Globke so tief in das NS-Regime verwickelt war und auch sonst alle Behörden durchsetzt war mit Nazis, dass das System sich selbst hätte fressen müssen und das die Alliierten nun nicht präferierten. Er betrete Feindesland, wenn er sein Büro verließe, verlautbarte Bauer zornig im Film wie im echten Leben – und wie wir heute wissen, hatte er allzu sehr recht. Leider.

Bauer stellt eine außergewöhnliche Figur der Nachkriegsgeschichte dar, die erst jetzt und durch gleich drei Spielfilme Auftrieb erfährt. Das Fritz-Bauer-Institut im Frankfurter IG-Farben-Haus freut es und tut unermüdlich arbeiten gegen das Vergessen.

Vergessen hingegen möchte man die Sondervorstellung des ersten und einzig grandiosen Films „Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume. Der Film lief im Oktober 2015 an und wurde am 11.03.2017 auf Initiierung der SPD Frankfurt-Westend im anerkannten Programmkino „Cinema“ erneut aufgeführt; mit anschließend geplanter Diskussion eines SPD-Vertreters mit dem kommissarischen Leiters des Fritz-Bauer-Instituts, Prof. Konitzer.

Doch soweit kam es nicht, denn das Publikum zerfleischte sich in selbstgerechtem Streit, wer denn Bauer und sein Wirken für sich gepachtet hat. Dass junge Menschen von solchen Runden nichts halten, weil sie diesem nichts abgewinnen können, verstehe ich so ganz. Es ist grässlich! Ich will nicht en detail darauf eingehen, aber es war weder der Veranstaltung als auch Fritz Bauer würdig, wie diese geschichtlichen Trittbrettfahrer dort ihre Bühne brüllend und rechthaberisch verteidigen wollten.

Kommen wir zum Guten: Sowohl an der Frankfurter Staatsanwaltschaft als auch an Bauers Wohnhaus in der Feldbergstraße 48 (2. Stock rechts auf den Hauseingang schauend) finden sich nun Gedenktafeln für Bauer. Diese wurde übrigens am Freitag vor der sonntäglichen Debatte am Wohnhaus enthüllt.

Doch wie kommt man Bauer näher als per Papier und trockenem Text. Demjenigen der selber nicht trocken war, sondern zukunftsgewandt und offen für junge Menschen und frische Ansichten? Der Audio Verlag hat nun eine Audioproduktion von originalen Mitschnitten aus Interviews mit Fritz Bauer herausgegeben. In diesem – von seinem einzig wahren Darsteller Burghart Klaussner eingeleiteten Hörbuch – kann man Bauer und seinen Ansichten lauschen, die alle in seinem letzten Lebensdrittel entstanden sind und dem optisch auffälligen Mann eine Stimme geben und das Gefühl für einen Menschen, der die Sache über die Eitelkeiten, die Wahrheit über den eigenen Fortschritt stellte.

Fritz Bauer. Sein Leben, sein Denken, sein wirken ist bei Der Audio Verlag erschienen.

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

 

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Ich verneige mich auch.

Letzten Freitag wurde von Ina Hartwig (Kulturdezernentin Stadt Frankfurt, SPD) diese Wandtafel an dem letzten Wohnhaus Fritz Bauers enthüllt. Heute nach einer Matinee der SPD Frankfurt-Westend im Cinema Frankfurt, fuhr ich zur Bauers Wohnhaus in der Feldbergstrasse 48. Gezeigt wurde der grandiose Film Der Staat gegen Fritz Bauer.

Seh-Tipp: Fritz Bauer

Zur Erinnerung ein Film über den Hessischen Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer. 

Sehenswert! 

Termin finden Sie im Beitragsbild. Ggf. in der Mediathek schauen, sofern Film dort verfügbar im Livestream/Mediathek. Kein Gewähr.

Besuchen Sie auch das Fritz-Bauer-Institut, Frankfurt am Main

Beitragsbild: Screenshot tagesschau24.de

Dank an Werner Renz

…über Fritz Bauer.

Am Mittwoch war ich eingeladen von Werner Renz, Buchautor und langjähriges Teammitglied des Fritz-Bauer-Instituts, und am Ende unseres über zweistündigen Austausches signierte er mir mein Exemplar so liebevoll, dass ich mich sehr freue!

Einweihung Denkmal Fritz Bauer

…über endlich Geschehenes.

Am Gebäude des OLG Frankfurt am Main, Zeil 42, wurde heute eine Gedenktafel nebst einem Stein (vier Tonnen) bei einer kleinen Feierstunde eingeweiht. Dieser soll Bauers viel zitierten Eisberg darstellen, den er als Sinnbild für die geringe juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen benannte. Es sprachen, unter anderem, Frankfurts OB Peter Feldmann, der amtierende GStA und der ehem. Leiter des Fritz-Bauer-Instituts.

Passend war es, dass gleich zu Beginn der Veranstaltung ein Sturzregen mit Donner und Blitz einherging. Wenn das kein höheres Zeichen war…

Artikel in der WELT


Fritz Bauer-Portrait

…über Erinnerung.

Mir wurde die digitale Datei freundlicherweise vom Fritz-Bauer-Institut überreicht. Siegfried Träger überließ es dem Institut zur Verfügung. Ich habe es mir sowohl für mein Büro als auch für meine Wohnung auf Alu-Dibond ziehen lassen.

Möge ich unter den Augen Fritz Bauers nie unkritisch und genügsam werden!

  

Kinotipp: Der Staat gegen Fritz Bauer

…mein Geschmack in einem Film gegossen.

Dieser Film ist, besonders jetzt, da soviel widerliche braune Sauce bei vielen Menschen hochkocht, wieder ein Mahnmal für das Durchhalten gegen Ungerechtigkeit!

Also, schauen. Schauspieler, Schnitt, Bild und Ton sind top – und auch die Requisiten überzeugen allemal.

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