Volker Weidermanns Schriftsteller-Bibel

Volker Weidermann ist der Schriftstellerflüsterer – um in populären Kinotiteln zu beginnen. Weiter entfernt davon kann es allerdings nicht sein, wen er da portraitiert: Das fucking Who is Who der Schriftstellerelite. Die Liste der Schriftsteller*innen auf der Rückseite des schön ausgestatteten Bandes von KiWi liest sich wie ein Wunschzettel für jeden literarisch interessierten Journalisten.

Vorworte sind meist so lame, dass kein Mensch diese lesen will. Hier jedoch lässt der Verlag nicht irgendeinen Buddy von Weidermann salbvolle Worte sagen, die keinen interessieren, sondern lässt ihn ausführlich erklären, wie er die schreibenden Eremiten getroffen hat. Meist ohne Tonband, oft ohne schriftliche Notizen.

Ob man in ihr Arbeitszimmer runtergehe und ein straffes Interview mache oder sie gemeinsam mit Ehemann oben im Wohnzimmer bliebe und zu Dritt plaudere, fragt ihn die Schriftstellerin Gabriele Wohmann. Natürlich entscheidet sich Weidermann für die Plaudervariante, bietet sie doch wirklich immer mehr Entfaltungs- und Interaktionsmöglichkeiten als ein sturer vis-a-vis Talk. Um seine Merkfähigkeiten ist er zu beneiden.

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Ein Blick durch einen zeitlich und menschlich begrenzte Sichtzone. — Dieses Bild ist durch Zufall entstanden: Ich habe das iPhone mit „offener“ Kamera auf den Tisch des Cafés gelegt. Und dann einen Screenshot gemacht.

Die Längen der Stücke unterscheiden sich deutlich, die Stärken -logischerweise- auch. Moritz von Uslar begleitet er 2010 zur Lesung seines Buches „Deutschboden“ in das Dorf, welches die Matritze für seine Beschreibungsliteratur deutscher Provinz diente. Wider Erwarten wird es keine Hassabrechnung der Einwohner mit dem Berlin-Mitte-Schreiber.

Die Zweitverwertung von Texten in einem Buch wird gerne mal etwas verächtlich gesehen, aber zum einen habe ich Weidermanns Texte nie bewusst im SPIEGEL gelesen (dazu lese ich ihn zu unregelmäßig) und auch in diesem Buch beweist sich die Kraft, die ich in der Rezension zu von Uslars gesammelten Kolumnen „Auf ein Frühstücksei mit…“ beschreibe. Das Konvolut gibt in komprimierter Form eine vergleichbare Stärke, ein Buch wie ein verlängerter Cortado. Es wird eine konturierte Kraterlandschaft menschlichen Daseins. Dabei treffen zwei kraterhafte Oberflächen aufeinander: Die des Schriftstellers und die des Portraitierenden.

Als der Journalist die Autorin Karen Duve im Nirgendwo an einer norddeutschen Küste besucht, muss er sich zitternd von dem überagilen Hund Duves erholen. Mit Handke spaziert er und wird von diesem väterlich geleitet, nicht überfahren zu werden. Um ihn dann am Ende wieder seine mädchenhafte Erscheinung zu beschreiben.

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Das nennt man dann das Who is Who.

Schreiben, was ist, forderte Rudolf Augstein. Und so lässt Weidermann sich in seine Texte nicht reinpfuschen von allzu auf die Aussenwirkung bedachten Schreibern. Maximal die wörtlichen Zitate lässt er sich autorisieren. Nur bei Johannes Mario Simmel war es anders. Der im weit vorgerückten Alter getroffene und von der Öffentlichkeit vergessene Simmel bekam seinen Text am Telefon vorgelesen (naja, eher vorgeschrien), um dann weit vor Ende abzubrechen: „Sie haben mich als Leiche gezeichnet.“ – Ja, merkt auch Weidermann matt zu sich selbst an, habe er, weil es so war. Indes ist Simmel außer sich vor Freude, wie beherzt sein ehemaliges Umfeld auf den Text reagiert: Er bekommt Blumen von Iris Berben, sein Verleger rief ihn an. Und doch sieht Weidermann das eher als Bestätigung seiner These, als schlechtes Gewissen des sich still und leise entfernt habenden Umfeld Simmels.

Er komme nicht als Kritiker und wolle Geheimnisse nicht lüften, sondern bewahren. Einmal beim Zaubern dabei sein, dem Künstler einen Raum bieten, sich selbst zu sehen. Volker Weidermanns Maxime funktioniert in vielerlei Arten von Stücken, doch immer merkt man seine Zuneigung und die Arbeit. Denn das, was hier so locker hingeschrieben zu sein scheint auf vergleichsweise wenigen Seiten, ist harte Arbeit. Beziehungsarbeit. Menschen hohen Intellekts und Gespürs, welches alle Portraitierten vereint, müssen für sich gewonnen werden, es muss eine Ebene hergestellt werden. Und das mit viel mehr als mit banalen Worten und einem Termin. Man benötigt händeringend eine Stimmung. Egal in welchem Timbre, aber die Stimmung muss da sein und Kontur haben. Alles andere kann man sonst durch den Shredder jagen.

Dieses Buch ist für mich ein must have für den, der sich für den Literaturbetrieb interessiert. Es gehört in die Kategorie zu Herlinde Koelbls „Im Schreiben zuhaus“ oder Corinna Belz´Film über Peter Handkes Schaffen „Bin im Wald, kann sein, dass ich mich verspäte“.

Einziges Verbesserungspotential sehe ich im Platz: Leerseiten zwischen den Portaits. Den Texten Luft geben, dem Leser Luft geben, sich zu sammeln für das nächste Leben. Denn diese Texte beschreiben nicht weniger als einen ganzen Menschen.

Und jeder Mensch hat das verdient. Einen Platz für sich.

Volker Weidermann: Dichtertreffen ist erschienen bei KiWi

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

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Gelesen im Crumble, Frankfurt.
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Rezension: Jan Fleischhauers Ehedrama

Jan Fleischhauer hatte Glück – er endete nicht in der Gosse. „Man muss nicht jede Gosse kennen, aber es hilft zu wissen, wie sie aussieht“, sagte Thomas Fischer 2015. Der inzwischen Ex-BGH-Richter hat in seiner Zeit in der Prärie der Jurisprudenz über viele Arten von Gewalt geurteilt.

Jeder denkt an Körperverletzung, an physische Vorgänge. Doch wenn psychische Gewalt mal nur an einem Tag sichtbar würde, als wenn Wind einen Tag lang Farbe bekäme, in Scheidungshaushalten und Sozialgerichten wäre ein Kaleidoskop von Farben zu sehen; oft blutrot, dicht, in jede Ritze menschlichen Handelns sickernd.

Wenn konservative, qua Ausrichtung seriöse Männer, solch Schiffbruch erleiden, ist die Wortflucht mit schwarzem Humor die leichteste.

Aber sie ist Quatsch, sie ist über die Maßen falsch. Sie vermeidet innere Aufrichtigkeit!

Jan Fleischhauer ist derbe auf die zwischenmenschliche Fresse geklatscht, wäre und ist zeitweise daran zerbrochen. Kein Witz, kein Augenzwinkern; kein Tremolo, da sprachlos.

Er versucht den Weg der Erleuchtung mittels Quellensammlung. Zu allen möglichen korrespondierenden Themen sammelt er bergeweise Studien, Essays, Schriften. Fleischhauer braucht Zahlen, Daten, Fakten. Verstehen durch Vergleichbarkeit. Wie konnte sie nur, in 90% der Fälle ist aber…usw. Seine essayistischen Tendenzen lockern die Klageblöcke auf, lassen aber erahnen, dass die Auslebung der Gefühle technokratisch ablief. War der Verlassene schon immer ein Eremit in seiner Ehe? Verhungerte seine Frau emotional an ihm?

Fast 200 Seiten Scheitern, welches in konservativer Welt schlimmer ist, als spurlos zu verschwinden. Es ist der Verlust des Fundaments gesellschaftlicher Integrität. Das ganze kommt als deklarierter Roman daher. Dabei ist es genau so wenig fiktional wie Michel Friedmans Kaddisch vor Morgengrauen. Viel zu tief die Furchen der vernarbten Wunden, als das die Zeilen nicht voll von Authentizität durch eigenes Erleben sind.

Männer seien Aussitzer, sagte Fleischhauer im Interview mit der WAMS. Er hatte es sich in der Ehe bequem, beliebig gemacht. Bekam nichts mit. Da ist das Problem. Aussitzen hilft nicht, es ist Katalysator. Und die Frau zieht die Reissleine, trotz Kindern, trotz Verschuldung.

Denn Fleischhauer hatte zur Absicherung des Zusammenlebens, welches nie reibungslos war und nie harmonisch zugewandt wirkte, sondern eher nach ‚das hat man so‘, eine Immobilie in Berlin-Cherlottenburg gekauft. So fester der Stein, so loser die Beziehung. Die Transferierung von Festigkeit zwischen Menschen in Betongold ist grotesk. Meist lastet Stein schwerer als Liebe stützt, überhaupt stützen kann.

Warum halten die Leute den letzten Abschnitt nicht durch?, fragt Fleischhauer. Ja, da liegt es wieder, das Problem. Menschen, die in Phasen denken, wie Projektplaner in Betriebsprozessen. Aber Leben, gelebtes Leben, ist kein Betrieb, nur selten Prozess. Der schweizerische Autor Rolf Dobelli würde laut lachen: ist es doch ein erwiesener Denkfehler, zu meinen, nur weil man extrem viel Zeit in etwas investiert hat, sei es deshalb nicht abzubrechen, nicht abbrechbar.

Vermag auch Hesse von Stufen zu sprechen, meinte er nicht die behaviorale Einbahnstrasse, die Zwangsemporsteigung in vorbestimmte Ereignislosigkeit. Die Antwort bist du selbst, so der Name eines Briefband Hesses. Diese zu finden, empfinden zu können, ist vielen ihr ganzes Leben nicht möglich.

Fleischhauers Ex lernte es. Sie wollte keinen Tag mehr mit ihm zusammen sein. Full-Stop.

Natürlich ist der neue, jüngere Freund ein Lauch, empfindet zumindest der Gehörnte, und auch menschlich wird es dreckig. Wenn du Türen bei einer Trennung hinter dir zuziehst, bleiben sie zu, merkt Fleischhauer matt an. Er lässt Wohnung, Keramikmesser und Wohlstand hinter sich, verliert den Konkon der Beständigkeit und: ist pleite. Muss sich Geld pumpen. Am Ende, nicht weit weg von der Gosse. Er wird mittelschwer depressiv und Experte in Psychopharmaka. Doch auch da bleibt er Ästhet; er sucht sich seinen Psychiater nach der Praxisausstattung aus. Züge seines Ehemann-seins, mehr aussen als innen zu spüren. Mehr Hülle, statt inneres Objekt empfinden.

Eine Panikattacke lässt ihn in Schönefeld im Gate durch die Hölle gehen, seine Funktionsfähigkeit rast gen Keller. In Tränen ausbrechend sitzt er bei seiner Ressortleiterin, seine Resilienz ist so schwach wie ein Fötus ohne Mutterleib.

Ein Mensch verliert ob des Scheiterns seiner Ehe seine gesamte Einbindung in die Welt. Liegt darin der Fehler? Geschehen deshalb Morde durch verlassene Männer an ihren Ex-Frauen mit neuer Familie? Waren diese Männer nie ein Ganzes in sich, und lehnten sich so sehr auf ein Konstrukt, was des Tragens dieser Last nie mächtig war? Paartherapeuten nicken jetzt.

Fleischhauer schreibt ohne Pathos, ohne erhobenen Zeigefinger, ohne schwarzen Humor. Fleischhauer schreibt nackt. Das macht den Text so wahrhaftig. Denn aus dem ehemals gelackten Konservativen ist ein zumindest großteils geläuterter Mensch geworden. Wer auf Youtube den Autor zwischen 2009 und 2017 vergleicht, merkt, hier hat jemand eine Reise zu sich selbst begonnen; eine Reise, die vorher nie angetreten worden war.

Aus der Retrospektive heraus ist alles leichter. Nach Onlinedating und dem zweiten Frühling mit ergrauter Tolle, ist Fleischhauer wieder verheiratet, wieder Vater. Aber sicher um einiges reicher an Wissen, dass eine Beziehung nicht die Beziehung zu sich selbst ersetzt.

Jan Fleischhauer: Alles ist besser als noch ein Tag mit dir ist erschienen im Knaus Verlag/ Random House

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

 

Rezension & Interview #MelanieAmann: #AngstfürDeutschland – über die AfD

Melanie Amann hat einen Beobachtungsbericht über die AfD geschrieben. Die Vereinigung, die weit rechts der Mitte und noch weiter auf Stimmenfang geht und damit abhebt. Sie ist promovierte Juristin, Absolventin der DJS München und Redakteurin des SPIEGEL in dessen Berliner Haupstadtbüro.

Dümpelten NPD und Reps doch immer so im Bereich der Belächelten in der sicheren Verwahrzone der Fünf-Prozent-Hürde, hat es diese im Himmelblau mit gestochenem Rot agierende Partei geschafft, sich zu etablieren. Und das ist kein gutes Zeichen für unsere Gesellschaft. Der rechte Bodensatz formiert sich aufstrebend, wie in ganz Europa. Die europäische Idee wackelt, die einfachen Phrasen sorgen für Stimmung und Zustimmung, so doch die Herrschaften darstellen, die einfachen Handstreichlösungen parat zu haben.
Der Sozialoge Zygmunt Baumann hat hier ein herrliches Essay bei Suhrkamp (Die Angst vor den anderen) vorgelegt. Die Aussage, eine Formation jedweder Art hätte die Lösung für Probleme, für die es aber eigentlich keine klassischen Lösungen gibt oder manchmal auch gar nicht geben kann (z.B. Population), sorgt bei allen Parteien überhaupt erst für die Wählbarkeit ihrer selbst, denn sonst wären sie nicht vonnöten. Die Probleme heutiger Zeit sind nun eben sehr komplex und die meisten Menschen verstehen diese, auch aufgrund fehlender Allgemeinbildung und selbstreferenziellen Quellen der sozialen Medien, gar nicht mehr; nicht mal im Ansatz.
Folglich entwickeln sie diffuse, abstrakte Generalängste und da kommt nichts besser als die einfach Lösungen daher. Alle raus, Zaun drum, basta. Wenn Schröder wegen seiner Agenda-Politik nicht beliebt war und immer noch nicht ist, aber das Basta entleiht man sich bei ihm dann doch wieder gerne.
Auf den Tisch hauen, das wird man doch mal sagen dürfen!

Ich weile gerade in Wien und es ist die alltägliche Feststellung, dass sämtliche Betriebe zusammenbrechen würden, man würde alle „Fremden“ ausweisen. Und: Der Würstlverkäufer heute an der Tram-Haltestelle war arabischer Herkunft und so authentisch in seiner Rolle, dass ich mich wieder konsterniert fragte, wie manche Leute dieses Fremdgefühl überhaupt entwickeln können?
Aber wer von Selbstreflexion, fremden Kulturen und Offenheit keine Ahnung hat, weil es nie Bestandteil der Erziehung war, hat halt für sich verloren. Und damit auch seine Gesellschaft. In der letzten ZEIT war ein Artikel über die US-amerikanische Gesundheitsfürsorge. Alles Drama, nach Abschaffung von Obama-Care wollen wir gar nicht genau hinschauen, was im heartland alles weiter abwärts geht. Von Gebissen bis Krebsbehandlung. Klare Feststellung ist, dass so weniger Bildung, desto kränker, desto früher tot. Bildung ist eben bei Gesundheit und pluralistischer Lebensweise in einer weiter wachsenden Welt die Grundvoraussetzung für ein friedliches Leben.

Das Problem ist das zündfähige Gemisch von einer großen Menge an „Dienstleistungsproletariat“ (Heinz Bude), meint also vom Kapitalismus ausgezergelten, sich dauerhaft übervorteilt fühlenden und tatsächlich ausgenommenen Mitbürgern und der kleinen Elite, die sich diese als Brennpaste für ihre politische Karriere auf die Wahlrakete schmiert.

Denn „dumm“ sind die oberen Vertreter der AfD nicht; man erinnere sich an das in gutem Englisch geführte Interview im Format Conflict Zone der Deutschen Welle von Tim „Der Griller“ Sebastian mit Frauke Petry. — Macht alle zusammen dennoch nicht zu besseren Menschen, denn, so meint man eigentlich, sollte man gelernt haben, gerade bei uns, dass diese Handstreichlösungen in das Desaster völliger Enthemmung führen können.

Es gilt, die AfD gut zu beschauen, auch wenn man als Lügenpresse denunziert wird. Ich kann dieser Denunziation insofern wenig abgewinnen, da ich erahne wie wenig, wenig Ahnung diese die Aussage treffenden Menschen von der Medienwelt haben. Dennoch gilt es gerade deshalb, nicht elitär darüber hinwegzusehen, denn es könnte der Fallstrick werden. Melanie Amann schafft ein gutes, verständlich lesbares Buch. Mir wird es in der Darstellung manchmal zu kuschlig (siehe Interview), aber das ist nur eine gestalterische Frage. Das fast zeitgleich erschienene Buch von Justus Bender (FAZ), hat mich etwas mehr vom Schreibstil angesprochen. Dennoch gilt: Es ist gut, dass es diese Bücher im Plural gibt und das diese Keimzelle aufmerksam beobachtet wird.
Damit hinterher keiner sagt: Ich hab von nichts gewusst. Hatten wir nämlich schonmal — Sie erinnern sich?

Schriftliches Interview mit Dr. Melanie Amann

Jan C. Behmann: Frau Amann, ca. 2003 war das Thema „Rechts“ in der Politikkonferenz der ZEIT eine hitzige Debatte, Theo Sommer insistierte, es gäbe einen Bodensatz von 12-15%, welches es schon immer gegeben habe und geben werde. Helmut Schmidt war über die Verve mit der die Debatte geführt wurde verwundert und beschwichtigte (rauchend), dass er fände, daraus sollte man keine große Kampagne der ZEIT starten. Irrte der Altkanzler?

Melanie Amann: Im Nachhinein sieht es so aus – aber hinterher ist man natürlich auch immer schlauer. Der Aufstieg der AfD gibt jedenfalls Theo Sommer Recht, und auch Soziologen wie Wilhelm Heitmeyer, der mit seiner Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ das AfD Milieu von heute schon Jahre im Voraus identifiziert hat.

JCB: Heinz Bude schreibt vom Dienstleistungsproletariat, Zygmunt Bauman trat für mehr Herzlichkeit bei der Aufnahme von Flüchtlingen ein: Warum fühlen sich Bürger in Europa inzwischen so unverstanden und benachteiligt und somit in scheinbarer in Konkurrenz zu Menschen, die auf offenem Meer in Plastikbooten ersaufen?

MA: Manche Bürger haben guten Grund, so zu denken und zu fühlen, weil sie selbst in wirtschaftlich prekären Verhältnissen leben. Für diese Menschen sind wirtschaftlich schwache Zuwanderergruppen eine reale Konkurrenz. Andere Bürger haben Angst, dass sie selbst oder ihre Kinder einen vorhandenen Wohlstand verlieren könnten. Hier bin ich weniger verständnisvoll: In gebildeten, betuchten Kreisen sollte man diese Abstiegsangst vielleicht doch bewältigen können.

JCB: Gibt es eine Beziehung der AfD zu Russland und eine etwaige Förderung aus dieser Region – materiell wie ideell?

MA: Mir liegen keine rechtssicheren Belege dafür vor.

JCB: Ihre Schilderung Ihrer Reise zu „Sven“ (gemeint: Sven Petry) erfüllt zwar die Augsteinsche Regel vom „roten Hut“, wirkt dennoch etwas sehr kuschelig. Verliert man bei soviel Recherchenähe die Distanz – einstweilen bei einem angebotenen „guten Rotwein“? 

MA: Interessant, dass dieses Kapitel so auf Sie wirkt. Sie werden gemerkt haben, dass es auch ein Kapitel „Frauke“ und eines über „Marcus“ gibt – es handelt sich also bei diesen Überschriften um ein Stilmitte, das keine persönliche Nähe ausdrücken soll. Und Herr Petry hat damals zum Gespräch nur Mineralwasser serviert.

JCB: Ist die Rede von Herrn Höcke ein neuer Tiefpunkt in der Entwicklung dieser Partei?

MA: Ja, aber weniger wegen der Inhalte der Rede, als wegen der Art, wie die Partei auf den Auftritt reagierte. Höckes Aussagen waren nicht neu, er hat vergleichbare Reden schon in den Jahren zuvor gehalten. Neu waren nur einzelne, besonders drastische Formulierungen, und die geballte Kombination seiner Ideologie in einer Rede. Ein Tiefpunkt war der Umgang der AfD mit dieser Rede, weil die Partei gezeigt hat, dass sie noch nicht einmal auf einen so eindeutigen Fall von rechtsextremem Gedankengut bei einem Spitzenfunktionär eine klare, einhellige Antwort geben konnte.

JCB: Sie schreiben auf Seite 273, die Partei sei Resonanzraum für Gefühle und Projektionsfläche. Klingt eher nach Phrase als nach Analyse, denn: Welche Partei ist das nicht?

MA: Das stimmt, aber die anderen Parteien sind eben doch noch mehr. Ihre Aussagen erschöpfen sich nicht in einer aggressiven Fundamentalkritik am politischen System, dem politischen Gegner oder politischen Missständen, sondern liefern Antworten, wie insbesondere diese Missstände zu beseitigen sind. Antworten hat die AfD hierauf nur vordergründig. Schaut man genau hin, ist ein Großteil ihrer Konzepte widersprüchlich und juristisch nicht durchführbar.

JCB: Es ging den Anhängern um Aufmerksamkeit, um Zuwendung. Sind sowohl Politiker als auch Journalisten im „Raumschiff Berlin“ zu weit weg? 

MA: Nun, es gibt ja auch Journalisten und Politiker „in der Pampa“, insofern müsste es eigentlich genug Nähe zum Bürger geben. Aber es kann sicher nicht schaden, wenn auch wir Hauptstadtjournalisten und die Bundespolitiker uns öfter in die Fläche begeben und die Deutschen quasi in freier Wildbahn beobachten. 

JCB: Harald Schmidt sagte, der kleine Mann würde auch bescheißen, wenn er nur die Möglichkeit dazu hätte. Würden AfD´ler bei gleicher politischer Lage nicht auch auf Plastikboote steigen?

MA: Auf jeden Fall, und das geben sie mitunter sogar selbst zu. Alexander Gauland oder Beatrix von Storch haben schon offen gesagt, dass sie die Motive von Wirtschaftsflüchtlingen verstehen. Aber Konsequenzen ziehen sie aus dieser Erkenntnis bzw. diesem Geständnis nicht.

JCB: Mitglieder der Grünen hätten Angst vor der Macht, verlautbarte Joschka Fischer Ende der Neunziger in der Kosovokrise. Wird es der AfD auf Bundesebene ebenso ergehen?

MA: Das lässt sich für die AfD als Ganze schwer beantworten, aber mein Eindruck ist schon, dass die Mehrheit der Partei nach Macht und Einfluss strebt. Angst hat man vor den Kompromissen, die in einer Regierungskoalition unvermeidbar sind. Deshalb scheuen viele AfD-ler davor zurück, sich allzu früh für ein solches Bündnis überhaupt offen zu zeigen.

JCB: Und zum Schluss die obligate Frage: Wie viel Prozent? (BT-Wahl)

MA: Ich traue der AfD 16 Prozent zu.

JCB: Frau Amann, ich danke für das schriftliche Interview.

Melanie Amann: Angst für Deutschland ist erschienen bei Droemer Knaur

Ich danke dem Verlag und Frau Amann für die freundliche Bereitschaft; ich erhalte kein Honorar.

 

 

 

Rezension: 70 Jahre DER SPIEGEL – Interview mit Klaus Brinkbäumer

Ist es wirklich noch ein Wochenmagazin oder nicht schon ein Teil hiesiger öffentlicher DNA unserer Demokratie? DER SPIEGEL ist seit 1947 eine Institution des Journalismus´. Bis 1993 de jure in der Sparte konkurrenzlos und de facto immer ist er es immer noch, denn der FOCUS schaffte nie wirklich den Ausstieg aus dem Tortendiagrammmodus – oder wollte es gar nie? Denn trotz Fakten, Fakten, Fakten und einem nie ruhenden Herausgeber Markwort, blieb der SPIEGEL immer die Nr. 1. Doch auch eine Institution kann leiden. Und das tut sie innen wie außen.

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Der immer währende Gründer: Rudolf Augstein

Die Zeiten ändern sich, der Fortschritt müsse umarmt werden, konstatiert 2007 schon Mathias Döpfner. So leidet der Spiegel am digitalen Geschäft wie alle Verlage, da zu spät erkannt wurde, dass man mit reiner Reichweite nicht seine Kosten decken kann. 2016 erst rang sich das Blatt zu einer Paywall durch. Das innere Leiden beruht auf sehr alten Strukturen: Der Mitarbeiter KG. Denn den Mitarbeitern gehört mehr als die Hälfte des Spiegels. Dies wollte der Patriarch Rudolf Augstein so – und dann doch wieder nicht. Dann aber war es zu spät, denn zugunsten eines Rentenmodells wollten die Mitarbeiter „ihren“ Spiegel nicht wieder hergeben. Diese einzigartige Konstellation sollte die Unabhängigkeit sichern und löste doch ein Vakuum aus: Die Onliner kamen dazu und sind bis heute nicht gleichgestellt. Ein grotesk wirkender Zustand, der googlebar zu Unruhen im Haus führte.

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Der Blick von oben

Es werden anspruchsvolle Jahre, nicht mehr von der Substanz zu zehren, sondern innen wie außen das Blatt strukturell zu „pimpen“, um nicht in Scollalgorithmenuntiefen unterzugehen. Dass im Rahmen dieser Untiefen dann auch die Spitze des Blattes rochadenartig wechselte, machte alles nicht besser. Der „Fernsehmann“ Stefan Aust lenkte knapp eine Dekade die Geschicke des Hauses, um dann -so munkelt man- ohne sein Büro nochmal zu betreten, das Weite gesucht zu haben; angeblich nebst Abfindung. Darauf folgte eine Doppelspitze aus Müller von Blumencron und Mascolo mit der man im Duo Print und Online führen wollte; endete in Beurlaubung und Wolfgang Büchner, der erst den BILD-Mann Blome holte (gegen großen Belegschaftsprotest und der inzwischen wieder bei BILD werkelt und auf Phoenix mit Jakob Augstein motzt) und dann die Onliner gleichstellen wollte, was ihm nicht gelang. Nur das Erscheinen verlegte er auf samstags. Ihm folgte der amtierende Chefredakteur des gedruckten Spiegel und Herausgeber von Spiegel Online, Klaus Brinkbäumer.

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Cover die in die Geschichte eingingen: z.B. Boris Beckers Ich, Hannelore Kohls Tod oder 9/11

 

Doch trotz aller grauen Wolken, gilt es 2017 zu feiern: Der Spiegel ist siebzig geworden. Hätte man das Rudolf Augstein 1962 in der U-Haft (siehe hierzu „Spiegel Affäre„) gesagt, er hätte frohlockt; und es vielleicht heimlich als selbstredend erachtet? Klaus Brinkbäumer legt daher termingenau als Herausgeber ein Kompendium aus siebzig Jahren Nachrichtenmagazin bei DVA vor.
Ein wahrer Brocken, wären mehr Bilder drin, es wäre ein Coffee Table Book. Mit hochwertigem weißen Papier, einem durchdringenden Spiegel-Design auf allen Seiten eine Reise nicht nur durch ein Nachrichtenmagazin, sondern eine Reise durch die Bundesrepublik. Standardwerke mögen oft lahmen, dieses aber nicht. Es ist auch kein Buch zum klassischen Durchlesen, sondern zum Blättern, zum Nachschauen, zum in der Erinnerung schwelgen. Manche der Cover sind legendär – weil sie bis heute Gefühle einer Zeit, eines Ereignisses bei einem auslösen. Einziger gestalterischer Kritikpunkt: Das schwarze Lesezeichen. Hier gehört natürlich ein rotes hin!

Interview
Jan C. Behmann im Gespräch mit
Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer

Statt viel zu beschreiben, frage ich den Spiegel-Chefredakteur und Herausgeber von Spiegel Online einfach selbst. Ich habe dieses Interview schriftlich geführt. Die Antworten sind vom 31.01.2017. Ich danke Klaus Brinkbäumer für die Bereitschaft!

Jan C. Behmann: Herr Brinkbäumer, 70 Jahre SPIEGEL-Geschichte und Geschichten in Buchform liegen vor uns – wieviel Kaffee ist in den Chefredakteursmagen bei der Erstellung neben dem „echten“ SPIEGEL geflossen? 

Klaus Brinkbäumer: Weder Tassen noch Kannen habe ich gezählt. Reichlich. Aber „nach 16 Uhr in unserem Alter kein Kaffee mehr“, das sagte mir mein bester Freund in New York, und der ist Arzt. 

In sechs Hauptkapiteln, die ungefähr einer Dekade entsprechen, geben Sie die besten SPIEGEL-Cover, die Scoops und Skandale, Fotos von SPIEGEL-Gesprächen und ausgewählte Artikel zum Besten – wer traf diese Auswahl und was ist Ihr Favorit? 

Die Kollegen Hauke Janssen, Cordt Schnibben und ich; wir haben uns durch all die Jahrzehnte gekämpft. Meine Favoriten haben es in dieses Buch geschafft, die Liste ist lang. 

Mein Politik-Lehrer gab mir in der Oberstufe Punktabzug für meine Facharbeit, da ich zu sehr in den „SPIEGEL-Sprech“ abgerutscht sei. Sind die Texte vielleicht manchmal zu alarmistisch, zu emotional?

Nein, das glaube ich nicht. Ich finde viele alte Texte, aus heutiger Perspektive, etwas eintönig, einander zu ähnlich. Was ich mag: dass der SPIEGEL immer schon wenig Adjektive und umso mehr Verben verwendet hat. Das sorgt für Tempo, es geht voran.

Für welchen Artikel haben Sie sich zuletzt richtig geärgert? 

Über jeden guten, den die Konkurrenz hat, zuletzt das Gabriel-Interview im Stern. Und bei uns: über alle Fehler, auch wenn’s nur sprachliche sind.

Gibt es denn so einen Artikel in dem Buch, den Sie ausgewählt haben, weil er eben „daneben ging“? 

Nein, wir wollten ja nicht die schwächsten Texte aus sieben Jahrzehnten auswählen. Wir schreiben im Buch aber auch über die Fehler des SPIEGEL und erklären sie, Fehler wie Bad Kleinen beispielsweise. Damals hat der SPIEGEL auf schwacher Grundlage eine Titelgeschichte gemacht, die den Innenminister Rudolf Seiters stürzte; die Beweislage war, ehrlich gesagt, nicht existent. 

Mir gefallen am besten die zusammenfassenden Texte der Investigativteile. Die Bilder zu den Artikeln fehlen – hätte die Rechterecherche das Projekt sonst gesprengt?

Es ging eher um Prioritäten. So viele Geschichten … und der begrenzte Raum eines Buches eben. Darum haben wir uns meist für die Texte und gegen die Fotos entschieden.

Es wird sehr gutes Papier verwendet, der Druck ist farbenstark und die Gestaltung SPIEGEL-like bis in die letzte Zeile: Wie war die Zusammenarbeit mit der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA)? 

Das freut mich, dass Sie das anmerken, danke. DVA ist ein guter Partner für solche Projekte, nämlich leidenschaftlich einsatzfreudig.

Schicken Ihnen Leser das Buch zum Signieren? Und wenn: Ihre bevorzugte Widmung lautet oder wird lauten…? 

Ja, manche tun das, und ich signiere die Bücher gern, aber eine bevorzugte Widmung gibt’s nicht.  

Herr Brinkbäumer, der SPIEGEL ist für mich, Jahrgang 1985, eine gedruckte Institution: Lassen Sie uns bitte noch etwas über das Blatt, Ihr Blatt sprechen. In der Reportage über Ihren Vor-Vor-Vorgänger Stefan Aust aus 2005, sagt der Gastkritiker Erwin Staudt, er sähe die Meinungsführerschaft bei der BILD – wie sieht es 2017 damit aus?

Sie liegt längst wieder beim SPIEGEL.

Ihr Vorgänger Wolfgang Büchner musste gehen, weil er unter anderem die Mitarbeiter von Print und Online gleichstellen wollte. Mit Verlaub, können Sie es verstehen, dass es für mich grotesk wirkt, dass dieses innerhalb Ihres Hauses nicht als schnellstmöglich anzustrebende Selbstverständlichkeit angesehen wird? 

Ja klar. Ich wünsche mir diese Gleichstellung, manchmal verzögern allerdings steuerrechtliche oder arbeitsrechtliche Fragen die Umsetzung von Wünschen. Kommen wird’s, da habe ich keine Zweifel.

Mathias Döpfner sagt, mit Aufmerksamkeit kann man seine Miete nicht zahlen: Erst seit Mitte 2016 haben Sie eine Bezahlschranke eingeführt. Möchte man sich dafür nicht peinigen, solange seine gute Arbeit verschenkt zu haben und eine ganze Konsumentengeneration umgewöhnen zu müssen?

Nee, mit Selbstgeißelung kommt ja niemand weiter. Deutsche Verlage haben zwar spät verstanden, worum es geht, aber sie haben es verstanden. Wir kriegen das hin.

Abonnements kosten Geld, und das nicht wenig. Die FAZ berechnet im Monat knapp 70,00 Euro, der SPIEGEL knapp 40,00 Euro – was sind die Argumente dafür, wenn man bei SPON auch durchs Wichtigste scrollen kann? 

SPIEGEL ONLINE ist die stärkste Nachrichtenseite im Internet, doch die Exklusivität und die Tiefe eines herausragenden Magazinjournalismus, egal ob gedruckt oder digital, sind natürlich auch künftig ihr Geld wert.

Besonders lange Stücke hätten die Gunst der Leser, so di Lorenzo von der ZEIT: In welcher Artikelform liegt die Zukunft des SPIEGELS in Ihren Leseranalysen? 

Im Besonderen. Das Besondere, das sind Enthüllungen, aber auch Reportagen und Porträts, auch die großen Gespräche. Abheben müssen sich die Texte. Der SPIEGEL muss das recherchieren und schreiben, was andere nicht schaffen.

Alle steigen auf längere Publikationsintervalle um, die ZEIT erlebt eine Renaissance mit steigenden Leserzahlen. Macht einen das an schlechten Tagen manchmal mürbe, dass die ehemalige „Grabplatte ZEIT“ nun die jungen Intellektuellen mit verfeinerter FOCUS-Optik und wachsendem Investigativressort abfischt?

Tut sie nicht, und darum macht’s auch nicht mürbe. Die „Zeit“ hat sich zwar modernisiert und hat ein schönes Image, aber sie ist bei weitem nicht so stark wie der SPIEGEL, auch mit ihrer verkauften Auflage nicht.

„Stefan Aust fällt beim SPIEGEL nicht als Autor kluger Artikel auf“, urteilt Dokumentarfilmer Stephan Lamby 2005 – wie fällt denn Klaus Brinkbäumer auf? Als der nahbarste, digitalste Chefredakteur zum Beispiel?

Schlecht wär’s nicht, und dann versuche ich noch Blattmachen und Schreiben zu kombinieren.

Roger Willemsen hat seit 2016 einen längeren Schreibauftrag in höheren Gefilden, dennoch bleibt das Gespräch mit Helmut Markwort zum Zweijährigen von FOCUS unvergessen. Wie steht es denn um Ihre Schreibhand? 

Die kommt zu wenig zum Einsatz, sie langweilt sich schrecklich in all den Konferenzen. 

Bedienen wir uns der ZEIT-Magazin-Rubrik „Ich habe einen Traum“: Wie sieht Klaus Brinkbäumer die nächste 70 Jahre-Ausgabe des SPIEGELS vor sich?

So humorvoll, auch so selbstironisch, darum so elegant wie die letzte. In 70 Jahren, sagen Sie? Ob’s dann noch Papier gibt?

Lieber Herr Brinkbäumer, ich danke Ihnen für das Interview.

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.

Klaus Brinkbäumer (Hg.), DER SPIEGEL 1947-2017, erschienen bei DVA (Random House)

Seh-Tipps:
Klaus Brinkbäumer im Interview mit Peter Turi
Reportage über Stefan Aust als Chefredakteur
Beiträge zur Spiegel-Affäre auf Youtube

Ich danke Random House für das Rezensionsexemplar; ich erhalte kein Honorar.

Seh-Tipp: Stefan Aust

Der ehemalige Spiegel-Chef hat als Gründer von Spiegel-TV Geschichte geschrieben – und nicht immer unkontrovers. Auch als Autor des RAF-Standardwerks ist ein Meilenstein in den Regalen von ihm hinterlegt. Stephan Lamby hat Aust 2005 für eine Reportage begleitet. Man gewinnt schöne Einblicke in den Menschen Aust, seine Denke, seine Art. Nur kurze Zeit später flog er beim Spiegel, den er über zehn Jahre führte, wegen seines Führungsstils. Vielen KG´lern war er wohl mit seiner Art (Fernseh-Type) immer ein Dorn im Auge. Eine Ablöse von kolportierten zwei Millionen Euro, helfen nicht gegen diesen Machtverlust. Man munkelt, Aust sei gar nicht mehr in sein Büro zurückgekehrt. Doch entgegen der Erwartung des Absturzes, berappelte sich Aust schnell, kaufte sich bei N24 ein. Dieser wiederum wurde von der Axel Springer SE gekauft, um eine Bewegtbildsparte der WELT-Gruppe anflanschen zu können. So fand sich Aust als Herausgeber und kommissarischer Chefredakteur der WELT bei Axel Springer wieder. Inzwischen hat er den CR-Posten an Dr. Ulf Poschardt abgegeben, bleibt aber weiter Herausgeber.

Der von mir sehr gerne gesehene Dokumentarfilmer Lamby hat ein schönes Portrait gezeichnet. Ansehbar.

Zusatz-Tipp: Eine Rohversion eines Interviews mit Hannelore Kohl zum Wahlkampf 1998 im Kanzlerbugalow Bonn mit einem privaten Endteil. Sehr spannend. Generell ist Lambys Plattform dbate.de zu empfehlen.

Beitragsbild: Screenshot Youtube/BR

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