Rezension: Die besten O-Töne von Marcel Reich-Ranicki

Edit: Durch absoluten Zufall erschien dieser Beitrag am 02. Juni und damit an MRRs Geburtstag – er wäre 97 geworden.

Die erste Auflage, 1999.

Manchmal wirft man etwas weg, was einen später noch sehr ärgern wird. Die Regel ist das nicht. Meistens wirft man eben zu wenig weg. In diesem speziellen Falle aber, ist es so, dass diese Ausgabe der Memoiren von Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (MRR) schön wäre, wiederzuhaben.

Reich-Ranicki landete einen Millionenseller mit seinen Erinnerungen, die er selber zu Papier brachte und ein durchgehend starkes Buch lieferte. Mich hat damals vor allem seine späte Zeit bei der FAZ des Literarischen Quartetts interessiert, weniger seine frühen, sehr dunklen Lebensjahre.

Mein Blick auf MRR hat sich inzwischen geändert; aus Bewunderung wurde Zweifel, ob dieser durchgehend rabaukenhafte, oft Menschen verletzende Auftritt wirklich so anerkennungswürdig war, wie ich mal meinte. Die Aufmerksamkeit war ihm zeitlebens gewiss, er liebte den Ruhm und lebte von ihm. Umso schlimmer war sein Ende, als ihn keiner mehr erkannte und in der FAZ junge Leute ein und ausgingen, die ihn nicht mehr kannten. Das verletzte ihn sehr und seine Niedergeschlagenheit im letzten Interview mit Iris Radisch ist mehr als deutlich; die meisten seiner Bücher hatte er da schon weggegeben. Aus seiner Wohnung in Frankfurt-Dornbusch (inzwischen hat diese auch eine Gedenktafel an der Hausfassade erhalten).

Die O-Töne, die nun bei Der Audio Verlag erschienen sind, sind ein Muss für den Einstieg und das Verständnis für einen Mann, der neben Text auch sehr viel Mundart war. Eine gut temperierte Komposition seiner Ausrufe. Durch das Programm führt Max Moore. Ärgern tut mich, dass der Autor dieser Zusammenstellung nur in kleiner Schrift auf der Rückseite unten genannt wird. Er hatte die meiste Arbeit, aber die Leute grabschen dann lieber nach einem bekannten Gesicht als Sprecher der Übergänge.

Daher an dieser Stelle, der Ersteller dieses Werkes ist MARTIN NUSCH. Er hat es verdient, dass ihm gedankt und er erwähnt wird! Ähnlich wie Harry Rowohlt bei Suhrkamp durchsetzte, dass er (und damit auch andere) Übersetzer nicht in Schriftgröße 6pt. in der Titelei verschwinden, so sollte ein Erschaffer eines solchen Audio-Werkes deutlicher genannt werden.

Die besten O-Töne von Marcel Reich-Ranicki ist erschienen bei Der Audio Verlag, Berlin

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

Advertisements

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑