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Was Patienten wirklich brauchen – eine Einleitung von Jan C. Behmann

Dass seelische Betreuung hilft, erschließt sich jedem humanistisch denkenden Menschen. Leider ist dieses Bewusstsein im medizinischen Versorgungsalltag oft nicht mehr ausreichend ausgeprägt. Die Gründe dafür sind mannigfaltig, sie sind verständlich und dennoch nicht hinzunehmen. Patienten sind Menschen und als solche ganzheitlich zu behandeln. Das hat nichts mit Esoterik zu tun. Davon auszugehen, nur die körperlichen Symptome behandeln zu müssen, um eine Gesundung zu erzielen, ist falsch. Menschen müssen auf Augenhöhe angesprochen werden, es muss ein zwischenmenschlicher Kontakt entstehen. Nur so schaffe ich eine Basis des Vertrauens; und wo bräuchte ich die mehr als bei einer medizinischen Behandlung?

Dennoch beweist der medizinische Alltag, dass Patienten schlichtweg schlecht seelisch behandelt werden. „Lieb sein“ wird nicht als immanent, nicht als zwingend notwendig angesehen. Die Kausalität von guter psychischer Betreuung und körperlicher Gesundung ist manchen Fachkräften nicht oder nicht ausreichend klar.

Daher habe ich 2015 die Initiative „Lieb sein hilft!“ ins Leben gerufen. Denn auch „Lieb sein“ will gelernt sein. Es ist gar nicht so einfach, den richtigen Ton zu treffen, sich das Vertrauen nicht von Anbeginn zu verscherzen. Auch ist jeder Patient individuell in dem, was er an Zuwendung benötigt. Auch die Nicht-Zuwendung und das dennoch optionale Vorhandensein, kann ein Weg sein. Zum Glück konnte man auch empirisch beweisen, dass eine bessere psychische Betreuung den Heilungsverlauf signifikant beeinflusst. Doch dieses in den Köpfen zu implementieren braucht Zeit, Geduld und Nerven. In unseren Kursen versuchen wir daher, die Teilnehmer zu sensibilisieren, dass dieser Punkt der Versorgung so eklatant wichtig ist – egal welche Profession man innehält.

Meine drei Grundsätze:

a) Herzlichkeit und damit Humor

b) Ebenengleichheit und damit Augenhöhe physisch und menschlich

c) aktives Hören, Sehen, Fühlen und damit auf Empfang für alle unmittelbaren und mittelbaren Signale des Patienten

Lesetipps:
Jens Lubbadeh, Angst vor dem MRT in: DIE ZEIT 25/2016 (insbesondere der letzte Absatz)
Interview mit HEP Andreas Walter: „Eingreifen heißt ja nicht wegsperren“ in: SZ vom 11./12.06.2016
Felix Hütten, So´n Quatsch – Ist Lachen wirklich die beste Medizin? in: SZ vom 23./24.07.2016

Das Logo zu meiner Initiative:

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