Fauser still alive

#Es handelt sich um die Besprechung eines kostenfreies Rezenesionsexemplars; eine Kooperation sonstiger Art besteht nicht.#

Jörg Fauser fetzt. Als man mir bei Diogenes im Dezember die Werbepostkarten mit „Fauser. Lesen. Jetzt. “ vorlegte, wusste ich weder, wer Jörg Fauser war, noch hatte ich von seinem Werk je gehört. Heute bin ich froh, dass Diogenes sein Werk neu auflegt. Das einzig unglaublich traurige ist, dass Fauser von seinem Ruhm nichts mehr mitbekommen kann, er starb 1987 unter nicht geklärten Umständen auf einer Autobahn bei München.

Fauser gab alles dafür, arrivierter Schriftsteller zu werden. Doch er erreichte es nie, das Establishment ließ ihn nicht in den Kreis der Schriftsteller*innen. 1984 wurde er beim Bachmannpreis einer Demütigung sondergleichen ausgesetzt. Eigentlich ein Wunder, dass er nicht hinwarf – aber vielleicht war er drei Jahre später, in der Nacht nach seinem 43. Geburtstag alles hin? Die Bewertung der Bachmann-Jury kann man noch heute auf Youtube ansehen. Wie Fauser das aushalten konnte, es ist mir ein Rätsel.

Diogenes legt ordentlich vor mit der Ausstattung der Bücher. Fauser soll man nicht nur textlich, sondern auch haptisch erleben. Die Bücher kommen edel daher, der Roman „Rohstoff“, der mir vorliegt, ist seine 24€ wert. Fauser lässt sein alter ego „Harry Gelb“ seine Geschichte erleben. Drogenabhängig in Istanbul, dann wieder in Deutschland, manchmal auf Droge, aber viel mehr auf der Suche nach einem Weg durch die Frankfurter Subkultur ins schriftstellerische Leben.

Fauser konnte schreiben, er liebte es zu erzählen, man liest ihn gern, man gibt sich ihm und seinem Schicksal gerne hin. Es ist kein elegisches Gestammel, Fauser schreibt kunstvoll eingängig.

Für mich könnte es ein Lebensgrundbuch sein, eins, was man immer wieder zur Hand nimmt. Was man streichelt, was man wieder liest. Wie „Herr Lehmann“ oder „liegen lernen“ oder „Gebrauchsanweisung für London“. Alles keine Literaturgranden, aber wichtige Bücher. Für mich. Und nur das zählt.

Jörg Fauser: Rohstoff; neu erschienen bei Diogenes, 24€