Frühstückseier en masse: Moritz von Uslar

Was macht KiWi denn da grad für schöne Bücher? Ich bin wirklich begeistert! Nicht nur die Inhalte, auch die Ausstattung überzeugen mich sehr. Sei es das vorliegende Buch von von Uslar, als auch Weidermanns Dichtertreffen oder der Roman von Alexander Gorkow Hotel Laguna. Alle zeichnet eine liebevolle, aufwendige Ausstattung aus. Beide letztgenannten Bücher werde ich hier auch bald besprechen.

Nun aber zuerst zu Moritz von Uslars Sammelband seiner Frühstückskolumne Auf ein Frühstücksei mit…. Die Kolumne lief und läuft in der ZEIT und ist mir bisher nicht wirklich präsent gewesen, obgleich ich über ihr Vorhandensein wusste. Nicht zuletzt ob der Kolumne mit und über Michel Friedman, den ich als Journalist langzeitbeobachte.

Mit wem spricht von Uslar? Mit vielen, die ich sofort sprechen würde: Steffen Seibert (Omelette), Michel Friedman (gekochtes Ei), Ulrich Wickert (gekochtes Landei), Leander Haußmann (hart gekochte Eier), Caren Miosga (Spiegeleier), Nikolaus Blome (Spiegeleier). Und viele andere aus dem politischen und kulturellen Berlin, meistens Berlin. Auch Selige wie Peter Scholl-Latour (Club Sandwich) und Hellmuth Karasek (Eier im Martini-Glas) kommen noch zu Wort.

Otto Schily nimmt sie wirklich, Eier im Glas – kannte ich nur vom Hörensagen.

Inga Humpe kann keine bestellen, da es keine Bio-Eier gibt.

Joseph Vogel nimmt Weißwürstl statt Eier.

Einzeln fand ich selbige Kolumne etwas dünn, wenn auch nett zu lesen. Im Kollektiv werden diese Kolumnen aber erst schön. Nicht nur die habituelle und schon gelobte Aufmachung, sondern das Vergleichen können. Wer nimmt wirklich ein Frühstücksei, wer keins? Wer wählt welche Zubereitung? Im Glas, Spiegelei, hartgekocht, weichgekocht. Und: Wo findet das ganze statt und um welche Uhrzeit? Allein diese ersten zehn Zeilen machen es für mich spannend zu lesen. Ich bin ein großer Verfechter der Einleitung von Interviews mit der Situation vor Ort. Viele lässt sich daraus spüren, wie ein Interview verläuft. Und ganz nebenbei wird das Buch zum Frühstücks-Ratgeber.

In den vorliegenden Kolumnen ist dies häufig in den bekannten Café Einsteins, im Adlon oder in Berliner Szenecafés. Was von Uslar in seinen 99-Fragen-Interviews ausführlich macht, rafft er hier in einer Fast-Forward-Wiedergabe zusammen: Interviews von sicher einer Stunde und manchmal mehr, fasst er auf meistens zweieinhalb Buchseiten gekonnt zusammen. Sortiert das unwichtige und markiert das Markige. Er arbeitet mit kurzen Sätzen, stakkatohaft und so wünscht man sich am Ende manchmal doch, es wäre in dem Stil weitergegangen, aber eben länger.

Für mich beweist dieses Buch, dass das Zusammenführen von Kolumnen nicht immer eine Zweitverwertung des Geldes wegen ist, sondern Gesprächen nochmal einen kräftigeren Charakter geben kann.

Für meinen Geschmack ein wirklich lohnender Kauf.

Moritz von Uslar, Auf ein Frühstücksei mit… ist erschienen bei KiWi

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

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