Bücher gelandet!

Mein Lehrbuch Erste Hilfe kam. Leider bin ich auf Pflichtforbildung in Mannheim. Ganze 495kg sind es für 2000 Exemplare der ersten Auflage geworden.

Morgen gibt es mehr Infos.

Meine Assistentin Frau Hünecke hat liebenswürdigerweise die Anreise fürs Poesiealbum gefixed!

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Ernst Jandl: Briefe aus dem Krieg

Das erste Mal von Ernst Jandl las ich im Interviewband von Iris Radisch. Ihre gesammelten Interviews im Lebensabend von literarischen und kulturellen Persönlichkeiten enthält auch eines mit der österreichischen Schriftstellerin Friederike Mayröcker (inzwischen über 90). Bis zu seinem Tod im Jahr 2000 lebten Mayröcker und Jandl zusammen, aber nicht in einer Wohnung. Mayröcker bewohnt bis heute beide Wohnung in einem Mietshaus in Wien. Beide Wohnung gehen nun in Zettelkonvoluten unter, wofür die Schriftstellerin berühmt ist. Ganz im Gegenteil zu Jandl, der der Ordnung zugewandt war.

„Ewig lebt, wer nie gelebt hat“ steht auf einer Kunstpostkarte in Jandls Handschrift von Gerhard C. Krischka aus Bamberg. Diese kurze Passage ist aus Jandls „Peter und die Kuh“ entnommen (Luchterhand, 1997). Und Jandl hat Recht, denn das er überhaupt lebt, ist purer Zufall, Schicksal oder wie man sagen möchte. Denn Jandl, Jahrgang 1925, hat den Zweiten Weltkrieg als Soldat überlebt. Mit knapp 18 ging es für ihn los in Uniform.

Das muss man sich unter heutigen Bedingungen mit Helikoptereltern und SUVs mal vorstellen! Seinem 1973 verstorbenen Vater Viktor Jandl ist zu verdanken, dass überhaupt Briefe aus dieser Zeit erhalten sind. Denn Jandl, so wie auch seine Mutter und andere Verwandten, schmissen die Briefe hinfort (aktiv oder passiv; Jandl konnte sie wahrscheinlich nicht alle an der Front aufbewahren?). So sind also nur Briefe von Jandl an seinen verehrten Vater erhalten geblieben und auch das mit zeitweise erheblichen Lücken. Einig ist man sich nicht, es wird aber angenommen, dass es Passagen mit höherer Korrespondenzdichte gab und geringerer. Dennoch sind Pausen von fast einem Jahr eher unwahrscheinlich.

Die Briefe selbst sind von gleichem Schreibduktus, manche sind als Faksimile abgedruckt und geben einen Eindruck vom Aussehen Jandls Korrespondenz. Die Frage um Urlaub, Aufenthalt zu Hause zu Weihnachten, die Karriere und Zermürbung in Lehrgängen, die Sorge um die Familie, der Aufenthalt als Kriegsgefangener. Und: die immer wiederkehrenden Fragen nach Zigaretten, Alkohol, Büchern, Landkarten und dringlichster Wäsche.

Als das mit unter 20 Jahren.
Jandl wusste also wirklich: Wer ewig lebt, hat wohl wirklich nie gelebt.

Ernst Jandl: Briefe aus dem Krieg 1943-1946 erschienen bei Luchterhand/ Random House

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

Volker Weidermanns Schriftsteller-Bibel

Volker Weidermann ist der Schriftstellerflüsterer – um in populären Kinotiteln zu beginnen. Weiter entfernt davon kann es allerdings nicht sein, wen er da portraitiert: Das fucking Who is Who der Schriftstellerelite. Die Liste der Schriftsteller*innen auf der Rückseite des schön ausgestatteten Bandes von KiWi liest sich wie ein Wunschzettel für jeden literarisch interessierten Journalisten.

Vorworte sind meist so lame, dass kein Mensch diese lesen will. Hier jedoch lässt der Verlag nicht irgendeinen Buddy von Weidermann salbvolle Worte sagen, die keinen interessieren, sondern lässt ihn ausführlich erklären, wie er die schreibenden Eremiten getroffen hat. Meist ohne Tonband, oft ohne schriftliche Notizen.

Ob man in ihr Arbeitszimmer runtergehe und ein straffes Interview mache oder sie gemeinsam mit Ehemann oben im Wohnzimmer bliebe und zu Dritt plaudere, fragt ihn die Schriftstellerin Gabriele Wohmann. Natürlich entscheidet sich Weidermann für die Plaudervariante, bietet sie doch wirklich immer mehr Entfaltungs- und Interaktionsmöglichkeiten als ein sturer vis-a-vis Talk. Um seine Merkfähigkeiten ist er zu beneiden.

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Ein Blick durch einen zeitlich und menschlich begrenzte Sichtzone. — Dieses Bild ist durch Zufall entstanden: Ich habe das iPhone mit „offener“ Kamera auf den Tisch des Cafés gelegt. Und dann einen Screenshot gemacht.

Die Längen der Stücke unterscheiden sich deutlich, die Stärken -logischerweise- auch. Moritz von Uslar begleitet er 2010 zur Lesung seines Buches „Deutschboden“ in das Dorf, welches die Matritze für seine Beschreibungsliteratur deutscher Provinz diente. Wider Erwarten wird es keine Hassabrechnung der Einwohner mit dem Berlin-Mitte-Schreiber.

Die Zweitverwertung von Texten in einem Buch wird gerne mal etwas verächtlich gesehen, aber zum einen habe ich Weidermanns Texte nie bewusst im SPIEGEL gelesen (dazu lese ich ihn zu unregelmäßig) und auch in diesem Buch beweist sich die Kraft, die ich in der Rezension zu von Uslars gesammelten Kolumnen „Auf ein Frühstücksei mit…“ beschreibe. Das Konvolut gibt in komprimierter Form eine vergleichbare Stärke, ein Buch wie ein verlängerter Cortado. Es wird eine konturierte Kraterlandschaft menschlichen Daseins. Dabei treffen zwei kraterhafte Oberflächen aufeinander: Die des Schriftstellers und die des Portraitierenden.

Als der Journalist die Autorin Karen Duve im Nirgendwo an einer norddeutschen Küste besucht, muss er sich zitternd von dem überagilen Hund Duves erholen. Mit Handke spaziert er und wird von diesem väterlich geleitet, nicht überfahren zu werden. Um ihn dann am Ende wieder seine mädchenhafte Erscheinung zu beschreiben.

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Das nennt man dann das Who is Who.

Schreiben, was ist, forderte Rudolf Augstein. Und so lässt Weidermann sich in seine Texte nicht reinpfuschen von allzu auf die Aussenwirkung bedachten Schreibern. Maximal die wörtlichen Zitate lässt er sich autorisieren. Nur bei Johannes Mario Simmel war es anders. Der im weit vorgerückten Alter getroffene und von der Öffentlichkeit vergessene Simmel bekam seinen Text am Telefon vorgelesen (naja, eher vorgeschrien), um dann weit vor Ende abzubrechen: „Sie haben mich als Leiche gezeichnet.“ – Ja, merkt auch Weidermann matt zu sich selbst an, habe er, weil es so war. Indes ist Simmel außer sich vor Freude, wie beherzt sein ehemaliges Umfeld auf den Text reagiert: Er bekommt Blumen von Iris Berben, sein Verleger rief ihn an. Und doch sieht Weidermann das eher als Bestätigung seiner These, als schlechtes Gewissen des sich still und leise entfernt habenden Umfeld Simmels.

Er komme nicht als Kritiker und wolle Geheimnisse nicht lüften, sondern bewahren. Einmal beim Zaubern dabei sein, dem Künstler einen Raum bieten, sich selbst zu sehen. Volker Weidermanns Maxime funktioniert in vielerlei Arten von Stücken, doch immer merkt man seine Zuneigung und die Arbeit. Denn das, was hier so locker hingeschrieben zu sein scheint auf vergleichsweise wenigen Seiten, ist harte Arbeit. Beziehungsarbeit. Menschen hohen Intellekts und Gespürs, welches alle Portraitierten vereint, müssen für sich gewonnen werden, es muss eine Ebene hergestellt werden. Und das mit viel mehr als mit banalen Worten und einem Termin. Man benötigt händeringend eine Stimmung. Egal in welchem Timbre, aber die Stimmung muss da sein und Kontur haben. Alles andere kann man sonst durch den Shredder jagen.

Dieses Buch ist für mich ein must have für den, der sich für den Literaturbetrieb interessiert. Es gehört in die Kategorie zu Herlinde Koelbls „Im Schreiben zuhaus“ oder Corinna Belz´Film über Peter Handkes Schaffen „Bin im Wald, kann sein, dass ich mich verspäte“.

Einziges Verbesserungspotential sehe ich im Platz: Leerseiten zwischen den Portaits. Den Texten Luft geben, dem Leser Luft geben, sich zu sammeln für das nächste Leben. Denn diese Texte beschreiben nicht weniger als einen ganzen Menschen.

Und jeder Mensch hat das verdient. Einen Platz für sich.

Volker Weidermann: Dichtertreffen ist erschienen bei KiWi

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

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Gelesen im Crumble, Frankfurt.

Mal kein scheiß Ratgeber: Prof. Gottschling

„Schmerz ist ein Meister der uns klein macht,

Ein Feuer, das uns ärmer brennt,

Das uns vom eigenen Leib trennt,

Das uns umlodert und allein macht.“

Hermann Hesse

—- zitiert zu Anbeginn des Buches.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wie die meisten von Ihnen wissen, war ich lange Jahre engagiert im Rettungsdienst. Und etwas, was sofortiger und strikter Intervention bedarf, sind starke Schmerzen.

Bis heute höre ich aus der Erinnerung Schreie von Patienten, die unerträgliche Schmerzen hatten. Sei es das Kind, was sich seine Beine schwer verbrüht hat, der Mann, der sich seine Hüftprotese aus Versehen im Stehen auskugelte, oder die Frau, die von einem Auto angefahren wurde und sich beide Beine brach. Dazu kommen die Menschen mit chronischen Schmerzen. Tumorschmerzen. Schmerzen durch hohes Alter in Altersheimen. Davon sind viele, wie der Autor berichtet, an Schmerzen leidend unterversorgt.

Schmerzen werden bis heute inadäquat versorgt, das Wissen um die richtige Therapie ist rar.

Dabei muss der Patient nicht leiden, Durchhalteparolen sind Ammenmärchen und lästig. „Sie haben bereits die Maximaldosis“ ist meist die sinnleere Reaktion von vielen Menschen im Gesundheitswesen. Erwiesen ist auch, das das Schmerzempfinden durch kindliche Erfahrungen negativ beeinflusst wird. Dann nämlich wenn angenommen wird, Kinder würden den Schmerz nicht haben, weil sie ihn nicht mitteilten.

Schmerzmediziner Sven Gottschling schreibt wichtige Bücher. Sein zweites und aktuellstes beschreibt einen Zustand, der wenn man ihn nicht hat, nicht goutiert wird. Wenn man ihn aber hat, will man alles, damit er wieder verschwindet.

Schmerz.

Da erst seit 2016 die gezielte Therapie von chronischen Schmerzen ins Medizinstudium seinen Weg gefunden hat, wird es noch etwas dauern, bis flächendeckend Patienten mit Schmerzen adäquate Hilfe bekommen.

Dabei ist Schmerz ganz schön teuer. Rund vierzig Milliarden Euro verursacht chronischer Schmerz in Deutschland an Kosten – pro Jahr!

Davon entfallen zehn Milliarden auf die direkte Behandlung, die restlichen dreißig Milliarden auf Folgekosten wie Frühverrentung, Krankengeld, Arbeitsausfall, etc. Der Staatshaushalt der Bundesrepublik liegt bei 300 Milliarden.

Gottschling legt klagend offen, wie wichtig es also ist sowohl volkswirtschaftlich als auch humanistisch gegen Schmerz effektiver vorzugehen. Und auch aus medizinischer Sicht ist es wichtig, Schmerzen zu behandeln: Sie steigern Blutdruck und Herzfrequenz und können so Folgekrankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen.

Der Autor durchkämmt alle wesentlichen Gebiete des Schmerzes. Von der Definition, zu Schmerzempfindung in verschiedenen Kulturen (alle gleich!), ob Schmerz männlich sei, wie Kinder Schmerzen empfinden (unzureichend therapiert!), wie Schmerzen im Alter empfunden werden und welche Medikamente mit welchen Konsequenzen genommen werden können.

Auch die Frage nach Alternativen und Placeboeffekten behandelt Gottschling. Krankheitsbedingte Schmerzen wie Kopf- und Rückenschmerzen werden ebenso thematisiert wie Anlaufstellen bei chronischen Schmerzen.

Sven Gottschling ist auf einer wichtigen Mission. Das merkt man seinen Texten an, die manchmal etwas zu rüde werden, etwas zu vulgo, aber bietet Verständlichkeit. Verstandenwerden muss auch ein Ziel von Ärzten sein, denn auch das kann Schmerzen lindern. So beschreibt Gottschling den Placeboeffekt anhand von Betablockern. Diese Herzfrequenz und Blutdruck senkenden Mittel können erektile Dysfunktion begünstigen als Nebenwirkung. Was aber fand eine Studie heraus: Wenn es den Patienten gesagt wird, dass es so sein könne, berichten 30% der Patienten davon. Einer anderen Gruppe wird es nicht offenbart, und nur 5% berichten von Symptomen erektiler Dysfuntkion. Es macht also schon deutlich etwas aus, wie und was genau Patienten gesagt wird.

Jens Lubbadeh hat zur Psyche des Patienten einen hervorragenden Artikel geschrieben, lesen Sie hier!

Gottschling offenbart dabei viel Privates. Von eigener Schmerzerfahrung, über eine grausame Spiegelung seines Vaters und seiner Fehldiagnose bei seiner eigenen Tochter. Er nahm ihre Bruchschmerzen nicht ernst. Und es war ein dreifacher Bruch des Ellenbogens, der auf dem Röntgen nicht eindeutig zu sehen war.

Jeder der mit chronischen Schmerzen (in jedweder Form) zu tun hat, sollte dieses Buch lesen.

Zur Aufmachung sei gesagt, dass ich glatteres Papier sehr schätzen würde, es wirkt doch arg billig. Auch Ratgeberliteratur darf wertig sein!

Prof. Dr. Sven Gottschling Schmerz los werden bei S. Fischer

Das erste Buch „Leben bis zuletzt“ von Prof. Gottschling zu Schmerzbehandlung am Lebensende 

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

Frühstückseier en masse: Moritz von Uslar

Was macht KiWi denn da grad für schöne Bücher? Ich bin wirklich begeistert! Nicht nur die Inhalte, auch die Ausstattung überzeugen mich sehr. Sei es das vorliegende Buch von von Uslar, als auch Weidermanns Dichtertreffen oder der Roman von Alexander Gorkow Hotel Laguna. Alle zeichnet eine liebevolle, aufwendige Ausstattung aus. Beide letztgenannten Bücher werde ich hier auch bald besprechen.

Nun aber zuerst zu Moritz von Uslars Sammelband seiner Frühstückskolumne Auf ein Frühstücksei mit…. Die Kolumne lief und läuft in der ZEIT und ist mir bisher nicht wirklich präsent gewesen, obgleich ich über ihr Vorhandensein wusste. Nicht zuletzt ob der Kolumne mit und über Michel Friedman, den ich als Journalist langzeitbeobachte.

Mit wem spricht von Uslar? Mit vielen, die ich sofort sprechen würde: Steffen Seibert (Omelette), Michel Friedman (gekochtes Ei), Ulrich Wickert (gekochtes Landei), Leander Haußmann (hart gekochte Eier), Caren Miosga (Spiegeleier), Nikolaus Blome (Spiegeleier). Und viele andere aus dem politischen und kulturellen Berlin, meistens Berlin. Auch Selige wie Peter Scholl-Latour (Club Sandwich) und Hellmuth Karasek (Eier im Martini-Glas) kommen noch zu Wort.

Otto Schily nimmt sie wirklich, Eier im Glas – kannte ich nur vom Hörensagen.

Inga Humpe kann keine bestellen, da es keine Bio-Eier gibt.

Joseph Vogel nimmt Weißwürstl statt Eier.

Einzeln fand ich selbige Kolumne etwas dünn, wenn auch nett zu lesen. Im Kollektiv werden diese Kolumnen aber erst schön. Nicht nur die habituelle und schon gelobte Aufmachung, sondern das Vergleichen können. Wer nimmt wirklich ein Frühstücksei, wer keins? Wer wählt welche Zubereitung? Im Glas, Spiegelei, hartgekocht, weichgekocht. Und: Wo findet das ganze statt und um welche Uhrzeit? Allein diese ersten zehn Zeilen machen es für mich spannend zu lesen. Ich bin ein großer Verfechter der Einleitung von Interviews mit der Situation vor Ort. Viele lässt sich daraus spüren, wie ein Interview verläuft. Und ganz nebenbei wird das Buch zum Frühstücks-Ratgeber.

In den vorliegenden Kolumnen ist dies häufig in den bekannten Café Einsteins, im Adlon oder in Berliner Szenecafés. Was von Uslar in seinen 99-Fragen-Interviews ausführlich macht, rafft er hier in einer Fast-Forward-Wiedergabe zusammen: Interviews von sicher einer Stunde und manchmal mehr, fasst er auf meistens zweieinhalb Buchseiten gekonnt zusammen. Sortiert das unwichtige und markiert das Markige. Er arbeitet mit kurzen Sätzen, stakkatohaft und so wünscht man sich am Ende manchmal doch, es wäre in dem Stil weitergegangen, aber eben länger.

Für mich beweist dieses Buch, dass das Zusammenführen von Kolumnen nicht immer eine Zweitverwertung des Geldes wegen ist, sondern Gesprächen nochmal einen kräftigeren Charakter geben kann.

Für meinen Geschmack ein wirklich lohnender Kauf.

Moritz von Uslar, Auf ein Frühstücksei mit… ist erschienen bei KiWi

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

Rezension: Jan Fleischhauers Ehedrama

Jan Fleischhauer hatte Glück – er endete nicht in der Gosse. „Man muss nicht jede Gosse kennen, aber es hilft zu wissen, wie sie aussieht“, sagte Thomas Fischer 2015. Der inzwischen Ex-BGH-Richter hat in seiner Zeit in der Prärie der Jurisprudenz über viele Arten von Gewalt geurteilt.

Jeder denkt an Körperverletzung, an physische Vorgänge. Doch wenn psychische Gewalt mal nur an einem Tag sichtbar würde, als wenn Wind einen Tag lang Farbe bekäme, in Scheidungshaushalten und Sozialgerichten wäre ein Kaleidoskop von Farben zu sehen; oft blutrot, dicht, in jede Ritze menschlichen Handelns sickernd.

Wenn konservative, qua Ausrichtung seriöse Männer, solch Schiffbruch erleiden, ist die Wortflucht mit schwarzem Humor die leichteste.

Aber sie ist Quatsch, sie ist über die Maßen falsch. Sie vermeidet innere Aufrichtigkeit!

Jan Fleischhauer ist derbe auf die zwischenmenschliche Fresse geklatscht, wäre und ist zeitweise daran zerbrochen. Kein Witz, kein Augenzwinkern; kein Tremolo, da sprachlos.

Er versucht den Weg der Erleuchtung mittels Quellensammlung. Zu allen möglichen korrespondierenden Themen sammelt er bergeweise Studien, Essays, Schriften. Fleischhauer braucht Zahlen, Daten, Fakten. Verstehen durch Vergleichbarkeit. Wie konnte sie nur, in 90% der Fälle ist aber…usw. Seine essayistischen Tendenzen lockern die Klageblöcke auf, lassen aber erahnen, dass die Auslebung der Gefühle technokratisch ablief. War der Verlassene schon immer ein Eremit in seiner Ehe? Verhungerte seine Frau emotional an ihm?

Fast 200 Seiten Scheitern, welches in konservativer Welt schlimmer ist, als spurlos zu verschwinden. Es ist der Verlust des Fundaments gesellschaftlicher Integrität. Das ganze kommt als deklarierter Roman daher. Dabei ist es genau so wenig fiktional wie Michel Friedmans Kaddisch vor Morgengrauen. Viel zu tief die Furchen der vernarbten Wunden, als das die Zeilen nicht voll von Authentizität durch eigenes Erleben sind.

Männer seien Aussitzer, sagte Fleischhauer im Interview mit der WAMS. Er hatte es sich in der Ehe bequem, beliebig gemacht. Bekam nichts mit. Da ist das Problem. Aussitzen hilft nicht, es ist Katalysator. Und die Frau zieht die Reissleine, trotz Kindern, trotz Verschuldung.

Denn Fleischhauer hatte zur Absicherung des Zusammenlebens, welches nie reibungslos war und nie harmonisch zugewandt wirkte, sondern eher nach ‚das hat man so‘, eine Immobilie in Berlin-Cherlottenburg gekauft. So fester der Stein, so loser die Beziehung. Die Transferierung von Festigkeit zwischen Menschen in Betongold ist grotesk. Meist lastet Stein schwerer als Liebe stützt, überhaupt stützen kann.

Warum halten die Leute den letzten Abschnitt nicht durch?, fragt Fleischhauer. Ja, da liegt es wieder, das Problem. Menschen, die in Phasen denken, wie Projektplaner in Betriebsprozessen. Aber Leben, gelebtes Leben, ist kein Betrieb, nur selten Prozess. Der schweizerische Autor Rolf Dobelli würde laut lachen: ist es doch ein erwiesener Denkfehler, zu meinen, nur weil man extrem viel Zeit in etwas investiert hat, sei es deshalb nicht abzubrechen, nicht abbrechbar.

Vermag auch Hesse von Stufen zu sprechen, meinte er nicht die behaviorale Einbahnstrasse, die Zwangsemporsteigung in vorbestimmte Ereignislosigkeit. Die Antwort bist du selbst, so der Name eines Briefband Hesses. Diese zu finden, empfinden zu können, ist vielen ihr ganzes Leben nicht möglich.

Fleischhauers Ex lernte es. Sie wollte keinen Tag mehr mit ihm zusammen sein. Full-Stop.

Natürlich ist der neue, jüngere Freund ein Lauch, empfindet zumindest der Gehörnte, und auch menschlich wird es dreckig. Wenn du Türen bei einer Trennung hinter dir zuziehst, bleiben sie zu, merkt Fleischhauer matt an. Er lässt Wohnung, Keramikmesser und Wohlstand hinter sich, verliert den Konkon der Beständigkeit und: ist pleite. Muss sich Geld pumpen. Am Ende, nicht weit weg von der Gosse. Er wird mittelschwer depressiv und Experte in Psychopharmaka. Doch auch da bleibt er Ästhet; er sucht sich seinen Psychiater nach der Praxisausstattung aus. Züge seines Ehemann-seins, mehr aussen als innen zu spüren. Mehr Hülle, statt inneres Objekt empfinden.

Eine Panikattacke lässt ihn in Schönefeld im Gate durch die Hölle gehen, seine Funktionsfähigkeit rast gen Keller. In Tränen ausbrechend sitzt er bei seiner Ressortleiterin, seine Resilienz ist so schwach wie ein Fötus ohne Mutterleib.

Ein Mensch verliert ob des Scheiterns seiner Ehe seine gesamte Einbindung in die Welt. Liegt darin der Fehler? Geschehen deshalb Morde durch verlassene Männer an ihren Ex-Frauen mit neuer Familie? Waren diese Männer nie ein Ganzes in sich, und lehnten sich so sehr auf ein Konstrukt, was des Tragens dieser Last nie mächtig war? Paartherapeuten nicken jetzt.

Fleischhauer schreibt ohne Pathos, ohne erhobenen Zeigefinger, ohne schwarzen Humor. Fleischhauer schreibt nackt. Das macht den Text so wahrhaftig. Denn aus dem ehemals gelackten Konservativen ist ein zumindest großteils geläuterter Mensch geworden. Wer auf Youtube den Autor zwischen 2009 und 2017 vergleicht, merkt, hier hat jemand eine Reise zu sich selbst begonnen; eine Reise, die vorher nie angetreten worden war.

Aus der Retrospektive heraus ist alles leichter. Nach Onlinedating und dem zweiten Frühling mit ergrauter Tolle, ist Fleischhauer wieder verheiratet, wieder Vater. Aber sicher um einiges reicher an Wissen, dass eine Beziehung nicht die Beziehung zu sich selbst ersetzt.

Jan Fleischhauer: Alles ist besser als noch ein Tag mit dir ist erschienen im Knaus Verlag/ Random House

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

 

Depeche Mode bei Letterman

…was ein unglaublicher Live-Auftritt, wie perfekt der Gesang, wie voll der Ton. Ein mitreißender Auftritt von Depeche Mode, den ich mir voller Hingabe immer wieder gerne anhöre.

Dazu im Vergleich die ebenso fulminante Wirkung in einer riesigen Halle:

 

Briefwechsel für Genießer und Beginner: Harry Rowohlt

Briefsteller (meint: Briefschreiber) und Briefwechsel sind ein spezielles Genre, nicht immer mit Liebe angesehen. Suhrkamp hat aus den ungewöhnlich vielen Briefwechseln von Verleger Unseld mit seinen bekannten Autoren Handke, Bernhard oder Johnson herrlich produzierte Briefwechsel mit unglaublicher Detailtiefe produziert.

Nur, das Problem: Da muss man sich derbe reinlesen und ein Hang zu neurotischen Autorenpersönlichkeiten haben. Nicht jedermanns Fall.

Daher biete sich zum Einstieg die drei herausragenden Briefwechsel von Harry Rowohlt an. Der begnadete Übersetzer und Rezitationskünstler, der nichts direkt mit Rowohlt-Verlag zu tun hatte, starb leider 2015 in Hamburg. Er war nicht nur optisch eine einzigartige Persönlichkeit und schrieb seit den 60ern grandiose Briefe. Immer einer Spur den Respekt vermissen lassend, ist er mir Vorbild geworden, auf Briefe zu antworten, aber doch nicht immer den steinernen Ernst der Sache durchblitzen zu lassen.

Im Dezember 2016 habe ich den pusthum erschienenen Band „Nicht weggeschmissene Briefe III“ besprochen. Kein & Aber ließ mir dann auch Einblick in die beiden ersten Bände, und was soll ich sagen: GRANDIOS. KAUFEN.

Seine Freundin Anna Mikula ist zu danken für die Zusammenstellung, gegen die er sich nicht wehrte, was mehr ist als des Allgemeinen Zustimmung ausdrückt.

Mehr braucht es nicht zu sagen. Wie Rowohlt der im Zweifelsfalle auch lieber schwieg und damit mehr sagte.

Danke, Harry Rowohlt!

Der Kampf geht weiter – nicht weggeschmissene Briefe I
Gottes Segen und Rot Front – nicht weggeschmissene Briefe II
Und tschüss – nicht weggeschmissene Briefe III

Harry Rowohlt erzählt sein Leben von der Wiege bis zur Biege; edition tiamat

Ein schönes Interview aus 2012 sehen Sie bei Youtube. Harry Rowohlt mit Knut Cordsen beim Münchner Literaturfest auf der BR 2-Bühne.

Das eher dilettantische Cover-Arrangement ist von mir…

Ich danke Kein & Aber und der edition tiamat; ich erhalte kein Honorar.

Gerhard Schröder über Doris

Gerhard Schröder lebt seit Herbst 2016 in Scheidung von seiner vierten Ehefrau Doris. Lange war nicht bekannt, dass Schröder eine neue Lebenspartnerin an seiner Seite hatte. Dieses wurde erst vor kurzem Publik. Schröder-Köpf offenbarte es auf ihrer dienstlichen Facebook-Seite.

Als das ZDF Anfang 2017 eine Reportage über Schröder Wirken sendete, sagte er hierin zwar wie regulär nichts über seine Beziehung zu Wladimir Putin, aber über sein Privatleben sprach er umso mehr. Verwunderlicherweise. Mit dem heutigen Wissensstand machen diese sehr warmen Worte noch mehr Sinn, werden aber m.E. nicht ausreichend gewürdigt. Insbesondere da Schröder gerne als rüpelhafter Macho dargestellt wird.

Wie sehr er auf Doris´ Rat hörte, sehen Sie hier, als er seine Rede zum Nein an die USA bei der Unterstützung im Irak-Krieg vorliest, ab Minute 34:28.

Und jetzt wird es direkt nach diesem O-Ton wichtig, denn es wird über Schröders Ehe-Aus gesprochen. Dabei verlautbart er folgendes kurz nach 35:35:

Die Trennung als solche ist nicht anders als bei anderen Menschen auch, nämlich schwierig und schmerzhaft, gar keine Frage. Die Tatsache indessen, dass diese Trennung öffentlich wird, macht es nicht einfacher.

Wenn da was schiefgegangen ist – und da ist ja was schiefgegangen in meinem persönlichen Leben – lag das sicherlich mehr an mir als an den Frauen.

Das gilt auch und insbesondere für meine jetzige Noch-Frau. Sie wissen um die Trennung und sie (gemeint: Doris Schröder-Köpf) ist sehr politisch, sehr intelligent und eine wunderbare Mutter; und ich werde nie ein schlechtes Wort über sie verlieren.

Die Reportage ist bei Youtube unter „Mensch Schröder!“ zu finden.

Das Verhältnis wirkte nicht immer so gesellig. Im Portrait über Schröder-Köpf bei ihren Ambitionen für den niedersächsischen Landtag, wirkte es bisweilen doch eher ruppig, lesen Sie hier in der ZEIT.

 

Portrait Elke Büdenbender @ DIE ZEIT

Ich saß im fast noch unberührten ZEIT-Café am Hamburger Speersort. Oben, die Treppe rauf, dort wo die Devotionalien eines jeden ZEIT-Fans ausgestellt werden, zusammen kit großen, gerahmten Bildern von Helmut Schmidt. Denn, das Haus des Verlags und der Redaktion der ZEIT heißt seit kurz nach dem Ableben des Altbundeskanzlers und Herausgebers der ZEIT HELMUT-SCHMIDT-HAUS.

Ich sitze also im ersten Stock, auf einer sehr bequemen Couch, die nicht nach einer Café-Couch aussieht und lümmele am Kissen gelehnt, mit einer frischen ZEIT in der Hand und lese das Portrait von Elke Büdenbender. Elke wer?

Elke Büdenbender ist die Ehefrau von Frank-Walter Steinmeier, begleitete ihn mit ruhigen Sohlen schon durch den leider erfolglosen Bundestagswahlkampf 2009 und fiel mir damals schon als sympathisch aus. Sie wollte ihren Beruf als Verwaltungsrichterin, halbtags, weiterführen, wenn ihr Mann Kanzler würde.

Nun gab sie ihren Beruf auf, zugunsten ihres Mannes, der nun als Abschluss seiner Karriere Bundespräsident wurde. Wie sie das beurteilt, wie sie sich fühlt, ob sie sich gerecht behandelt, wenn schon nicht entlohnt fühlt, zeichnet dieses Portrait der ZEIT nach.

Anders als die Ehefrau von Christian Wulff, die dem ganzen noch mit ihrem peinlichen Offenbarungsbuch eine Krone aufsetzte, wirkt Büdenbender in sich gefasst und mit den richtigen Koordinaten der Lebenserfahrung ausgestattet, eine First Lady zu sein, dennoch dem ganzen eine emanzipierte Würde zu entlocken.

Lesen Sie hier: Die erste Frau im Staat von Nicola Meier

Neues von a-ha

…in bester Livequalität. Sehr schön! Mit Streichern und ergreifender Akustik. Und: in der immer bestechenden Perfektion Morten Harket Gesangs. auch The Sun shines always on TV mit getrennten Passagen.

Interview-Tipp von Morten Harket aus der ZEIT-Magazin-Reihe Das war meine Rettung

 

Und, hier noch eine grandiose Liveperformance von a-ha bei der BBC von Take on me:

 

Schröders Hütte

Es war Anfang der 2000er als Schröder mit seiner damaligen Frau Doris ein Reiheneckhaus in Hannover in direkter Nähe zum Congresscentrum erwarb. 2009 zogen sie dann in ein freistehendes Haus in Hannover-Waldhausen.

Inzwischen wohnt dort nur noch Schröder-Köpf mit den beiden adoptierten Kindern. Wo Schröder wohnt, ist nicht weiter überliefert, außer dass es in Hannover wohl ist. Nur sein Büro ist bekannt im hannoverschen Zooviertel, in Laufnähe zu Maschmeyers Bürovilla.

Harald Schmidt griff damals die Finanzierung des Schröderschen Hauses auf, wie der Kanzler eine Anschaffung möglich machen würde und wie sich das rechne. Das genau diese Thematik später zum Verhängnis von Christian Wulff wurde, war nicht im Ansatz abzusehen.

Gut gebrüllt, Joschka!

Michel Friedman lebt in Frankfurt, doch tendiert er immer öfter nach Berlin. Nicht nur seiner wöchentlichen Sendung „Studio Friedman“ bei N24 (heiß bald WELT) wegen, sondern Intendant Oliver Reese nahm ihn mit ans BE, das Berliner Ensemble.

Das BE stand ewig unter der Ägide von Claus Peymann, der nun in seiner wohlverdienten, aber sicher wenig geliebten Rente weilt. Nun also mit dem erfolgverwöhnten Reese, der vorher fast acht Jahre in Frankfurt dem Schauspiel zu ganz neuem Glanz verhalf und den BE-Kult fortführen soll. Allem Anschein und dem Raunen im Berliner Kulturbetrieb nach, wird das klappen. Der Auftritt ist modern, grell aber zugänglich. Er ist nicht mehr verstaubt, nicht mehr für die Happy Few ausgelegt.

Friedman und Reese mögen und achten sich sehr, wie man an Reeses liebevoller Verabschiedung von Friedmans letztem Gespräch mit Carolin Ehmcke sehen kann (Video hier). Nun nahm Reese Friedman also nach Berlin mit. Und als ersten Gast begrüßte er auf seiner alten Couch (zog wohl nach Berlin ans BE mit) Joschka Fischer einen Tag nach der verheerenden Bundestagswahl.

Und was soll man sagen, so aufregend war es noch nie!

Gleich wenige Minuten nach Einstieg brüllte eine AfD-nahe Frau in das Gespräch rein und Fischer reagiert emotional, direkt und glasklar. Sie liess sich vorerst bändigen, um dann Minuten später wieder zu rufen und zu schreien. Das Publikum gebot ihr Einhalt, Fischer schwamm im Oberwasser der Deutungshoheit.

Und auch was er sonst sagte, war nicht so leer, wie ihn Journalisten gerne kritisch darstellen. Fischer hat Ahnung, er kennt sich in internationaler Politik aus. Er weiß, warum die von vielen so gewollte Abschottung und Kleinstaaterei nur gefährlich werden kann. China, USA und der Nahe Osten brauchen Deutschland nämlich nicht, so wichtig, relevant und unersetzbar man sich hier doch gerne hält.

Nur mit einem geeinten Europa kann man in der rasch sich globalisierenden Welt überhaupt eine Staatengemeinschaft sein, die einigermaßen relevant für die Big Player erscheint. Das eint Fischer mit Friedman, der an der FH Frankfurt als geschäftsführender Direktor das CAES, das Center for Applied European Studies, leitet.

Also, genießen Sie dieses wichtige Gespräch!

Und: Gehen Sie wählen! Informieren Sie sich kritisch! Meiden Sie rechte Thesen und die Vorgaukelung angeblich einfacher Lösungen – die gibt es nämlich nicht! Halten Sie gegen das dunkle Gedankengut!

Rechts ist scheiße! Das hatten wir schon alles einmal…findet auch…Fischer:

 

Beitragsbild: Screenshot Berliner Ensemble-Website.

Das soll also das Leben sein?

Wieviele Stücke hört man zigmal, ohne zu wissen, was der Song einem sagen will. Die künstlerische Message geht häufiger verloren als wir es uns zugestehen wollen. Wer will heutzutage des Fressens, aber nicht des gleichzeitigen Geniessens bezichtigt werden? Bei dem mir bisher nicht bekannten Song von Huey Lewis and the News „If this is it“ zeigte mir das originale Video, dass dieses Lied viel mehr ist, als nur eine eingängige Musik der in Pastellfarben ersoffenen Musik-80er.

Huey Lewis betreibt aktive, subversive und sehr deutliche Gesellschaftkritik. Er kritisiert den Konsum, die menschliche oft oberflächliche menschliche Interaktion und damit die westliche, oberflächliche Überflussgesellschaft. Sein wohl bekanntester Song ist „Stuck with You“, welcher im Video auch klar die bessere Gesellschaft und deren unehrliche und verschleimtes Miteinander überzeichnet und damit deutlich kritisiert.

Lewis, der den Song maßgeblich mitschrieb, und damit mit seiner Achtziger-Tolle nicht nur das schöne Aushängeschild war, nutzt das Auseinanderbrechen einer Beziehung, um die Umgangsformen untereinander zu demonstrieren. Sie meldet sich nicht mehr, lässt sich verleugnen und er klagt immer und immer wieder an, dass sie es ihn wissen lassen solle, wenn es das gewesen war.

Er stakst dabei unverstanden, übersehen, orientierungslos im roten Polo-Shirt durch die nackten, sonnenbeschienen, körperorientieren Nixen und gestählten Herren und findet keinen Anknüpfungspunkt.

Wenn man den Interpretationshorizont etwas herauszoomt und in den grundlegenden Kontext menschlichen Seins stellt und die Bildwelten des Videos einbezieht, kann man auch sagen, Lewis klagt die Gesellschaft für ihre Rücksichtslosigkeit, ihre eigentliche Empathielosigkeit bei gleichzeitigem Einsatz für den perfekten Look an. Man kann ihn also -gewiss sehr frei – auch übersetzen: Wenn das das Leben sein soll, dann sagt mir bitte Bescheid.

Viel Freude beim Video, dass so viel mehr sagt, als es hermacht, und ebenso ein Ausflug in die Achtzigerjahre.

Den Songtext finden Sie bei Google, hier.

Achso, wenn Sie seinen bekannteren Song „Stuck with you“ sehen wollen, alles bei Youtube unter VEVO-Management.

 

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