Rezension: Zuhause

Der Begriff "Zuhause" bedeutet für mich etwas magnetisches. In der Jugend will man real weg, später sehnt man sich in nicht zwingend zu erfüllender Realität zurück; beginnt wortlos Frieden zu schließen mit dem, was nicht so gut war, aber auch der Erkenntnis, alles hätte auch wirklich schlimmer, unangenehmer sein können. Sind doch für die heutige Situation auch viele heimatliche Dinge grundlegend gewesen, grundlegend gut.

Daniel Schreiber legte 2014 einen Bestseller über seinen Weg aus der Alkoholsucht vor, nun legt er nach, in dem er über Heimat, seine Heimat sinniert. Man spricht hierbei von einem Essay, darüber bin ich nicht glücklich. Es ist eher ein persönlicher Leidensbericht.

Schreiber berichtet über dunkle Phasen, über ein Nicht-Ankommen in der eigenen Person. Die Frage ist also, ob man sich so außerhalb der extremen Ich-Zentrierung Schreibers, der Bedeutung "Zuhause" überhaupt nähern kann? Ich finde nicht. Und: ist Zuhause nicht ortsunabhängig, und in vielerleit Hinsicht zu verstehen? Ist Heimat nicht die Frage der Stunde?

Es sind die Berichte aus einem sicherlich nicht immer leichten Leben, allerdings immer mit einer Spur zu viel Zucker des selbstbestimmten Lebens zwischen Berlin und New York und London. Die Wahlfreiheit muss man erstmal haben, und dennoch scheint es alles final nicht glücklich zu machen, wenn man mit sich nicht im Reinen ist, einen Trennungen von einer Liebschaft so aus der Bahn werfen und Berliner Radfahrer als so störend empfunden werden, dass man wieder nach New York will.

Diese Erkenntnis hat der Autor auch selber, aber drumherum ist viel Text.

Es ist mir zu akademisch, großbürgerlich verkopft, wobei ich Schreibers Lage dennoch bedauere. Ob das als Essay über "Zuhause" zwischen zwei Buchdeckel gehört, möge der jeweilige Leser entscheiden. Mich hat es final nicht überzeugt.

Daniel Schreiber "Zuhause" ist erschienen bei Hanser Berlin.

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

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