Rezension: Ein Haus am Meer

Die Frage ist, was ist hier mehr Kunst: Die Texte oder die Ausstattung des Buches? Fangen wir mit der Ausstattung an: Die Verarbeitung hat schon Steidl-Charakter mit der groben Pappbroschur und dem eingelassenen Bild aus dem Nachlass Karl Bohrmanns. Den Gestaltern Hißmann, Heilmann aus Hamburg ist zu gratulieren für diese simple und dabei die Stimmung eines Hauses in Spanien perfekt aufzugreifen. Es erinnert an eine Hauswand mit davor reifenden Zitronen davor und eine je nach Tageslicht orange und gelb scheinende Sonne, nur bereichert durch einen leichten Luftzug.

Reinhild Böhnke hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Literaturnobelpreisträger von 2003, J. M. Coetzee, ins Deutsche zu übertragen. Wer sich mit Harry Rowohlts Werk befasst hat, weiß, dass Übersetzungen kein Kinderspiel sind, obwohl sich manche Übersetzer es daraus machen. Was man freilich merken kann.

In diesem schmalen Band sind drei kurze Geschichten vereint:

Ein Haus in Spanien aus 2000

Noteverloren von 2002

und

Er und sein Mann von 2003 (Rede zum Nobelpreis)

Alle drei haben wenig Handlung und keine turning point oder auch nur in irgend einer Art und Weise geartete „Action“. Und das macht es eben wieder so spannend, sich nicht in episch langen Episoden zu verlieren (wie so mancher Autor bei uns bekannten Wochenzeitungen), sondern einen Gedankenkomplex ohne viel Sahne und Schmand in einen dreidimensionalen Raum zu stellen und vorsichtig zu beleuchten, dabei Fragen und Antworten weitestgehend offen zu lassen.

So bearbeitet Coetzee in Ein Haus in Spanien die Frage nach der Liebe zu einem Haus, einem physischen Objekt, und fragt damit auch nach Heimat, nach Ankommen im gestiegenen Alter und final der Sinnfrage. Die Geschichte kommt aber wie ein seichter Sommerhauch und verschwindet ebenso wieder; dabei lässt sie aber die Gedanken an den Fragestellungen und verleitet zum Sinnieren.

In Nietverloren greift der Autor kritisch den Tourismus seiner Heimat Südafrika und die damit verbundene Scharade der Einwohner hinsichtlich ihres Verhaltens gegenüber Touristen auf und prangert an, beklagt und führt vor. Bleibt dennoch ruhig und doch wehleidig den sinnlose Riten gegenüber.

Das Buch ist sowohl handwerklich als auch inhaltlich schön und empfehlenswert. Ich habe es genossen, denn: Coetzee hat etwas zu sagen.

J.M. Coetzee, Ein Haus in Spanien, Drei Geschichten, erschienen bei S. Fischer

Ich danke dem Verlag, erhalte kein Honorar.

 

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