Rezension: Ich bin niemand

Tja, was soll ich Ihnen sagen: Es gibt Bücher, die zu einer Qual ihrer Selbst wegen werden. Die Tatsache, dieses so zu behaupten, ist hart. Als Autor weiß ich das allemal. Die fragilste Zeit ist die, nachdem der Autor sein Werk abgegeben hat und darauf wartet, wie es aufgenommen wird, sagte vor kurzem Raimund Fellinger, Chef-Lektor von Suhrkamp. Die Worte seien also immer mit Bedacht gewählt, aber sie müssen auch ehrlich sein. Das Buch konnte mich nicht fesseln. Der sich selbst verlierende Professor, der aus Oxford zurückkehrt nach New York und nun scheinbar grenzdebil wird und nicht mehr weiß, was er getan hat oder auch nicht. In epischen Zügen werden Details beschrieben und doch auch wieder nicht.

Der Querschnitt der Rezensionen bestätigt mich in diesem Gefühl. Wieder frage ich mich, wie es sein kann, dass es Bücher gibt, die fesseln und zwar das Kollektiv und dann wiederum Bücher, die alle für sich ermüden und aufreiben. Ich kann und will mich nicht durch ein Buch quälen, dass meine Gedanken fliegen lässt, aber nicht in der Handlung. Kunst muss überfordern, sagte einst der weise Roger Willemsen, aber die Kunst ist breit gefächert. Ähnlich wie der Roman „München“ hat auch dieses vorliegende Werk nur meine Aufmerksamkeit für 100 Seiten binden können. Die Zeit ist zu schade und zu kurz.

Der Roman versucht eine Verlustgeschichte in sich selbst, mit paranoiden Zügen in Einlang bringend mit dem Weiterwachsen der Überwachung; dabei kann er mich weder von den Personen, noch von der verdichteten Handlung packen.

Ich bin niemand von Patrick Flanery ist erschienen bei Blessing/Random House

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

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