Rezension: Auerhaus

Ja, keine Diskussion, ganz tolles Buch. Wenn ich ein Buch an einem Stück mit Nackenschmerzen durchlese und dabei ein Brot esse und in das Buch die Marmelade tropft und ich diese ohne Groll wegwische, um weiterlesen zu können, dann, ja dann ist es ein wirklich tolles Buch.

Bov Bjerg hat so einen Klassiker der Jugendretrospektive geschaffen, ähnlich wie Frank Goosen mit liegen lernen und So viel Zeit. Die Sechsergruppe, die nicht unterschiedlicher sein könnte, nicht aus grundsätzlich anderen Himmelsrichtungen kommen könnte und dennoch sich in diesem baufälligen Haus zusammenfindet, in dessen fensterlosen Lagerraum nicht nur Material gelagert wurde in der Vergangenheit.

Bjerg zeigt uns im großen Erzählbogen nicht nur die Lebenswege am Ende der Schule und kurz danach, die damaligen Unsicherheit der Wehrpflicht, die Planlosigkeit auf das Leben, er übt auch Gesellschaftskritik und beweist, dass ein Happy End doch nicht die reale Lösung für die meisten Leben sind. Er kreist um das Thema Suizid und bleibt doch immer ästhetisch dabei.

Er schafft in wenigen Absätzen meisterliche Pointen, Spannungsaufbau und scharfe Systemkritik und dann wieder großes Lachen der gemeinsamen Erlebnisse. Das Buch ist wie ein schöner Abend mit traurigen Momenten und der realen Erkenntnis, dass Lebenswege eben doch nicht planbar sind, das Zusammenhalten des jungen Teams auch mehr Illusion ist und die Zeit dieser Epoche eben doch begrenzt ist. Hesses Stufen sind hier in Prosa ausgeschrieben.

Ich möchte gar nicht viel mehr erzählen, der Text ist ein Schatz und so schön verdichtet und dennoch leichtgängig, die Personen so scharf gezeichnet, dass sie dem Text entsteigen und einen mitleiden lassen, so real dass man sich mit ihnen freut und doch auf eines hofft: ein Happy End.

Neben der grandiosen Geschichte, ist das Buch in seiner Taschenbuchausstattung außergewöhnlich hochwertig und ein Kauf für sich wert.

Bov Bjerg: Auerhaus, erschienen beim Aufbau Verlag

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