Rezension: Nuba & Latuka

Das mit dem Fremdsein ist dem gut behüteten Deutschen aktuellen Baujahres nicht wirklich bekannt. Er war nie fremd, er war immer da. Irgendwie. Das macht es in der aktuellen Flüchtlingsdebatte auch immer wieder so schwierig, weil Menschen sich vor Fremden fürchten, weil sie nie fremd waren. Sie kennen schlichtweg nicht das Gefühl, ein einziger oder ein weniger unter vielen anderen zu sein. Anders zu sein, fremd zu sein, vielleicht sogar aktiv ausgestoßen zu werden. Die Sprache nicht zu können, die Schriftzeichen nicht zu erkennen, die Rituale nicht wiedererkennend. Das – und vieles andere – fehlt den engstirnigen Menschen, die andere nicht integrieren wollen; oft leider bedingt durch nicht Können.

Wie muss es für George Rodger gewesen sein, ab 1949 Afrika zu bereisen, die Völker der Nuba & Latuka zu besuchen und der einzige Weiße gewesen zu sein. Der Fremde unter ganz optisch anderen Menschen mit ganz eigenen, sehr fremden Ritualen, fehlender Kleidung und einem derben Klima. Wie hat er sich gefühlt, hatte er Angst und das Gefühl des Alleinseins?

Was für uns heute selbstverständlich ist, quasi einen Klick entfernt, war damals ein Abenteuer. Sowohl das Erstellen der Fotos, was viel mehr ist, als zu Fotografieren. Rodgers musste Vertrauen herstellen; das ist die meiste und grundlegende Arbeit bei einem solchen Projekt. Hingelegt hat er einen bahnbrechenden Eindruck zur damaligen Zeit für die hiesigen Menschen, die nie einen Schwarzen gesehen hatten.

Neben einem herrlich verarbeiteten Buch in sehr rustikalem Cover, guten Bilder in Farbe aus der damaligen Zeit, sollte es uns das Fremde wiedererinnern lassen und den Nimbus des immer währenden Heimvorteils mit Demut ziehen lassen.

George Rodger Nuba & Latuka erschienen bei Prestel/Random House

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

Advertisements