Rezension: Fürstinnen

Noch gar nicht so lange her, denkt man spontan, wenn man die behavorialen Sitten, Gebräuche und Standesregeln. Marie, eine von drei aus der Aristokratie stammenden Schwestern von Schloss Birkenstein, drängt es in die weite Welt, fernab von langweiligen, ewig stereotypen Tagesausgestaltungen. Eduard von Keyserling gelingt es mit ironisch-kritischem Unterton die damalige Zeit abzubilden und seine progressiven Gedanken in der Rolle von Marie eine Auslebung aufzubauen. Wie schafft es eine junge Frau, aus diesen uralten Traditionen auszubrechen, einer Zeit in der eine Frau nicht arbeitete und von freiem Willen und Aufklärung auch nicht zu sprechen war. Wie wehleidig wirken dagegen unsere heutigen Forderungen für Probleme in der gesellschaftlichen Entwicklung? Aus welchen starren, eintönigen und ständehaften Regularien haben wir uns in den letzten 130 Jahren herausgeschält wie aus einer korsetthaften Zwiebel. Damals gab es ein klares Oben, ein klares Unten und alles war reine Glückssache der Geburt. Dass aber allein ein definitorisches Oben nicht gleichbedeutend mit Glückseligkeit aller Tage war, beschreibt der Autor eindrücklich, wenn auch gleich etwas dahinplätschernd. Das Buch lebt von starken, wegweisenden Sätzen, die man gar nicht dort jeweils erwartet. Die Handlung könnten ein weniger verdichteter sein, und damit mehr Schwung aufnehmen. Nichtsdestotrotz hat man das Gefühl auf das impressionistische Bild des Covers hineinzufallen und zwischen Schloß und Blumenwiese den Protagonisten hinterher zu wandeln. Abgesehen von der Handlung sei zu beachten, dass dies eher ein gesellschaftskritisches Stück ist, statt mit wilden inneren Rahmenhandlungen aufzutrumpfen.

Besondere Beachtung bedarf der in der Manesse-Reihe erscheinenden Büchern zugrundliegenden Verabreitung. Lavendelfarbener Leinen, Fadenbindung, sanftes, glattes, cremefarbenes Papier, ein gestochen scharfer Druck und eine feingliedrige Serifenschrift runden dieses Büchlein ab.

Fürstinnen von Eduard von Keyserling ist erschienen bei Manesse/Random House

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

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