Die guten Dinge: Zigarren

Wie allgemein bekannt ist, bin ich seit sieben Jahren unter die Zigarrenraucher gegangen. Was mit  Zigarillos begann ging dann unter Anleitung eines väterlichen Freundes (Danke, Rainer!) weiter in Richtung Zigarren und dem ganzen Drumherum.

Das schlussendliche Rauchen einer Zigarre hat wenig mit dem zu tun, was man dabei erlebt. Es ist nicht zu vergleichen mit dem Rauchen einer Zigarette. Es ist, und das werden in unserer asketischen Periode viele zu bestreiten wagen, eine Lebensart, eine Auszeit und wahre Kontemplation. Ich habe dadurch gute Gesprächspartner gefunden und auch Freunde des gemeinsamen Genusses. Das Rauchen einer Zigarre muss man lernen, trainieren, scheitern. Manchmal verträgt man eine Zigarre, trotz jahrelanger Routine, nicht und einem wird so hundeübel, dass man es verflucht – nur um dann Tage später wieder anzufangen. Es hat etwas von Stil und ruhendem Genuss, sich hinzusetzen, Zeit zu nehmen und das Ritual des Auswählens, Anscheidens, Anzündens und dann kontrolliert-entspannten Rauchens zu genießen.

Daher haben viele Menschen keine guten Antesterinnerungen an Zigarren, weil sie unter falschen Vorzeichen „endlich mal eine dicke Zigarre“ zu irgendeinem scheinbar richtigem Zeitpunkt rauchen wollten. So geht das nicht. Sogleich zieht das Rauchen von Zigarren auch immer noch dämlich Snobs und dumme Menschen an, die das ganze (ernsthaft) als Statussymbol sehen und so deppert sind, dass man sich fremdschämt.

Ich rauche gerne Zigarren mit guten Freunden und dann ohne Zeitlimit, sondern als Auszeit und Genuß für uns. In der Öffentlichkeit wird es zusehends schwieriger, Zigarre zu rauchen. Von Clubs oder Zigarrenlounges mache ich eher Bögen, zu viele komische Kauze (siehe oben) treiben sich da rum. Abstand halten, so rate ich.

Etwas, das mir bis heute Sorge macht: Was soll man rauchen. Die schier endlose Auswahl, die ganzen Länder – sie überfordern mich bis heute. Da kann ich keinerlei Ratschläge geben. Ich mag große Auswahlen nicht – sowohl auf der Restaurantkarte, als auch im Humidor nicht. Außerdem vertrage ich keine starken Zigarren; diese knocken mich aus, und das ist gar nicht lustig. Es ist viel mit Probieren, viel Scheitern bis man seine Nische gefunden hat, was einem schmeckt und was man zu welcher Tageszeit und zu welcher Eigenkondition (die ist relevant zu beurteilen vor jedem Rauchen!) verträgt. Mir hat dabei der oben erwähnte väterliche Freund geholfen, mich durch diesen Dschungel an Marken, Anpreisungen etc. zu finden. Inzwischen rauche ich so 2-3 Formate von zwei Marken – das reicht mir.

Wo kaufen um Himmels willen? Auch das: Eine Pein, die mir durch einen engen Ratschlag erspart blieb. Ich bin „zuhause“ beim Dallmayr Tabacladen, dessen Pächter Marco Schum und sein Team mich gefühlig und unaufdringlich seit sieben Jahren „betreuen“. In anderen Tabakläden hatte ich eher mit arroganten Arschlöchern zu tun, die immer nach Kuba griffen und damit in meine Kasse – etwas, das ich gar nicht leiden kann. Aus Erfahrung nutze ich ein Gas-Sturmfeuerzeug der Marke Dupont (120 Euro), welches sich bis heute gelohnt hat – Streichhölzer sind ein Graus in Cafés wenn es nur ein wenig windet. Als Anschneider hingegen nutze ich nur günstige Geräte – alles andere verliere ich und pimpt auch nicht so, wie ich meinte (mein teurer Dupont-Anschneider gilt als verschollen). Humidore nutze ich nur günstige, kümmere mich aber um eine gute Humidität, anders versaut man sich einen Einkauf und das ist eine Katastrophe. Auch hier ist es Erfahrung, zu sehen, ob Zigarren frisch sind; manchmal hat man eine „schlechte Kiste“ und dann muss man das Rückgrat haben, diese umzutauschen. Wider Erwarten sind korrekte Händler da keinswegs zimperlich. Es gehört zum Business, es ist ein sehr fragiles Naturprodukt.

Achso, warum ich Ihnen eigentlich schreibe: Im Prestel-Verlag (Imprint von Random House für visuelle Bücher) ist in der Reihe „Die guten Dinge“ nun die Ausgabe „Zigarren“ erschienen. Es ist ein schönes, kleines Buch, und wirklich ideal für Grundinteressierte zum Einstieg und vor allem: es ist nicht von oben herab geschrieben, sondern nimmt den Leser an die Hand. Was leider dann doch etwas sehr zu kurz kommt, ist die Beschreibung und Bebilderung von ganz wichtigen Themen wie dem Umgang mit der Zigarre zum Rauchen. Hingegen die Herkunftsgebiete, Größen und so weiter sehr ausgiebig, für mich zu ausgiebig, besprochen werden. Nichtsdestotrotz, ein schönes Buch, was Sie daran sehen, dass ich mit dem Buch zum Humidor bin, und mir eine angesteckt habe. Deshalb kann ich nun nicht weiter schreiben, sonst vergeht meine Glut, und das wollen wir Zigarrenraucher am allerwenigsten.

Die guten Dinge: Zigarren ist erschienen bei Prestel/ Random House

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

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