Rezension: Nordsee [Bildband]

In der dritten Strophe ihres Hits „Westerland“ singen die Ärzte:

Ohhh ich hab‘ solche Sehnsucht,
Ich verliere den Verstand!
Ich will wieder an die Nordsee, ohoho
Ich will zurück nach Westerland!

Jedes Jahr im November ziehe ich mich für ein paar Tage nach Sylt zurück. Es ist dann Touristen feindliches Gebiet. Die Gelenkbusse sind leer, die Parkplätze auch. Nur ein paar wackere, aber doch sehr vereinzelte Touristen bahnen sich den Weg in Wathosen und mit verkniffenem Gesicht dem Regen trotzend durch die lebensfeindliche Szenerie. Dazu sagte einmal Prof. Menninghaus, Forscher für empirische Ästhetik in Frankfurt/M., die Menschen würde die Landschaften optisch am ehesten als schön definieren, die am lebensfeindlichsten sind. Welche Paradoxie, die uns ob unserer technischen Eigenschaften leitet.

Und doch, wie die Ärzte, liebe ich die Nordsee und kenne nicht die Ostsee und erlebe großes Glück in den schier endlosen Sanddünen der vollkommenen Vereinzelung entgegen zu waten. So lag es nahe, das Buch „Nordsee“ bedingungslos zu bestellen, doch leider hat es mich enttäuscht. Ich hatte schöne, freie Aufnahmen erwartet. Die Freiheit wiederspiegelnd die ich am rauschenden Meer immer wieder erlebe und genieße. Aber das Buch ist m.E. eher ein Sammelsurium an alten Bildern, neuen Bildern, erklärenden Texten und keiner einheitlichen Gestaltungssprache. Final: es ist mir zu wenig künstlerisch, zu wenig freidenkerisch, es atmet keine Gischt.

Das Hardcover ist in Ordnung in der Produktion, die Farben sind gut, das Papier in Ordnung. Lediglich das gewählte Obermaterial des Hardcovers zerkratzt schnell, was ich persönlich vermeidbar finde.

James Attlee: Nordsee erschienen bei Prestel/Random House

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

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