Rezension: Briefe ohne Unterschrift

Die BBC-Radiosendung war sicherlich einzigartig. Bürger der DDR schickten Briefe nach London und berichteten über Missstände, derlei es genug gab in diesem Unrechtsstaat, den viele Menschen bis heute verklären. Die Autorin Susanne Schädlich hat nun aus verschiedenen Briefen eine fiktive, aber mögliche Handlung gebaut und unter dem Titel „Briefe ohne Unterschrift“ veröffentlicht.

Wie allgemein bekannt, bin ich großer Brieffreund und lese viele Briefwechsel und alles, was mit Briefen und Korrespondenz im weitesten Sinne zu tun hat. Leider konnte mich die Verquickung von Realität und Fiktion nicht mitreißen. Mir wäre als Anhänger der Realität eher eine Briefesammlung und erklärende editorische Notizen lieber gewesen. So ist der Fluss von Brieffragmenten aber einer doch fiktiven Handlung mir zu undurchsichtig, zu wenig strukturiert. Das soll nicht die Schreibqualität schmälern, ist aber einfach nicht mein Geschmack. Hingegen mein Geschmack sind die im vorderen wie hinteren Einband zu Collagen abgedruckten Brieffragmente. DIE hätten mich interessiert in ihrer einzelnen Aufarbeitung und optischen Darbietung.

Leider haben in diesem Fall Handlung und Aufbau nicht zu mir gefunden. Ein Schmönkern dennoch wert.

Susanne Schädlich: Briefe ohne Unterschrift ist erschienen bei Knaus/Random House

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.

 

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