Zu Besuch bei Roger Willemsen

…sein leerer Stuhl wird zu einer Bank der Begegnung.

Ich habe länger überlegt und mich entschieden, doch ein Bild vom Grabe Roger Willemsens mit ein paar Zeilen von mir hier zu posten. Nicht weil auf Wikipedia auch ein aktuelles Foto zu sehen ist, sondern weil sein Grab ein Ort der Begegnung und der kultivierten Sitzruhe ist. Zum seinem ersten Todestag hat der Afghanische Frauenverein, dessen Schirmherr Willemsen mit brennender Energie war, eine Sitzbank installiert.

Da ich nicht wusste, was auf der Bank in Dari steht, habe ich Willemsens Vertraute und Freundin, Nadia Nashir, Vorsitzende eben dieses Vereins, angeschrieben. Die Email an sie folgt hier gleich meinen Zeilen nebst der Übersetzung der Bankinschrift.

Sehr geehrte Frau Nashir,

am 08.02. dieses Jahres war ich, durch glückliche Umstände dienstehalber, in Hamburg und habe das Grab von Roger Willemsen besucht, nachdem ich letztes Jahr auch am öffentlichen Teil der Trauerfeier teilnahm. Herr Willemsen war für mich ein elementarer Vertreter und Mutgeber aufgeklärter Denkkultur. 

Obwohl ich ihn nicht persönlich kannte, empfinde ich eine tiefe Zuneigung zum Wesen seiner Arbeit, seines öffentlichen Seins. Ich schreibe dies bewusst so, da alles Nähere seinem direkten Umfeld gehörte und gehört.

Seine Erkrankung und sein für mich plötzlicher Tod haben mich sehr erschüttert – bis heute. Ich habe dieses und auch die Trauerfeier auf meinem Blog in einer langen Hommage verarbeitet (lesen Sie gerne „Wir verdichten für Sie weiter“ hier).

Vorausgeschickt sei, dass ich wenig geographischen Orientierungssinn habe und Zeitmanagement vor 11 Uhr – egal in welcher Zeitzone – nicht zu meinen Stärken gehört. 

Also eilte ich am Morgen des 08.02. mit Rucksack und einem Reisekoffer nach Ohlsdorf, um ihm meine Ehre zu seinem ersten Todestag zu erweisen. Unter Zeitdruck der nahenden Abfahrt meines nach Frankfurt fahrenden ICEs, irrte ich nun mit dem Gepäck über den Friedhof, um dabei erst festzustellen, dass die verwunderten Blicke mir galten, der sich hetzend durch die langen Straßen den Weg bahnte. Und plötzlich, noch gar nicht vorbereitet, stand ich da. Da, bei ihm. Es hat mich sehr ergriffen und doch auch gefreut: Die Bank. Wie sie da frisch platziert steht und so seiner Lebenskultur eine irdische Verlängerung bietet. Ich habe mich wider allen Hetzens hingesetzt und geschwiegen. 

Gerne würde ich über diesen Besuch auf meinem Blog berichten und daher meine Frage an Sie, was denn die Inschrift auf der Bank besagt, denn ich habe keine Übersetzung in arabische Schriftzeichen gefunden.

Liebe Frau Nashir, ich darf Ihnen mein Beileid ausdrücken und Ihnen für Ihre Arbeit weiter viel Kraft und Erfolg wünschen.

Herzliche Grüße

Jan C. Behmann

Ihre (sehr liebevolle) Antwort (auch) hinsichtlich der Inschrift:

Ich möchte Menschen glücklicher zurücklassen als ich Sie
vorgefunden habe. Roger Willemsen

Nadia Nashir hielt auf der Trauerfeier eine bewegende Rede von ihren Erlebnissen mit Roger; der Klassiker ist der, als sie bei einem Talibanführer waren, um für das Buch „Hier spricht Guantanamo“ einen Ex-Häftling zu interviewen. Sie war es, die Roger anhielt, schnell den Ort zu verlassen, als sie hörte, die Taliban beratschlagten sich, ob es wirklich so eine gute Idee war, dem deutschen Journalisten Auskunft gegeben zu haben.

Lesen Sie hier die Trauerrede von Nadia Nashir
Hier geht es zur Website des afghanischen Frauenvereins

Termine für Gedenklesungen

Das Beitragsbild ist am 08.02.2017 um 10:25 Uhr entstanden.

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