Rezension: Faber

Nein, kein Homo Faber, aber so ähnlich. Jakob Wassermanns Roman aus dem Jahre 1924 wurde in der vom Namen her freischwingenden Edition „Bibliothek der Weltliteratur“ im Manesse Verlag erneut publiziert. Manesse ist ein Imprint von Random House und dennoch es sich um ein riesiges Verlagskonglomerat handelt, ist hier ein handwerklich fantastisches Werk herausgekommen.

Ich möchte hier heute nicht so sehr auf den Inhalt eingehen, so mir doch auffält, dass viele Rezensionen von Bloggern mehr Inhaltszusammenfassung als teaserartige Rezension sind. In meinen Texten möchte ich physische und psychische Lust auf ein Buch wecken und nicht den Plot erzählen – wozu auch?

Der Inhalt beschäftigt sich mit der Figur des jungen Architekt des Eugen Faber, der nach dem Ersten Weltkrieg nach Hause zurückkehrt. Doch dieser Rückkehr steht ein innerlich abgestorbener Mensch gegenüber, gebrochen vom Soldatensein, vom Kriegtun. Es ist eine Situation, die ich die Kriegsgeneration als Kind noch fragen konnte, doch zumindest mir keiner so recht beantworten wollte: Wie war das damals, als „es“ vorbei war? Tagesordnung, alles wieder tutti? Kann ja eigentlich nicht sein, denkt der geneigte junge Menschen später Geburt. Der Film Der Staat gegen Fritz Bauer mit dem herausragend spielendem Burkhart Klaussner (der btw auch super Chansons singen kann) erklärte mir eindrücklich, dass nichts wieder gut und schon gar nicht konsequent bestraft war und teilweise nie wurde. Wie konnten also Heimkehrer, egal aus welchem Kriege, wieder zum Alltag übergehen? Faber kann es nicht, im Gegensatz zu seinen Mitreisenden, die nur Freude empfinden, zu ihren Familien zurückzukehren. Bauer soll -sinngemäß- gesagt haben, die Deutschen wollten eben doch wieder die heile Welt mit Eigenheim und Auto. Die Aufklärung schien da eher lästiges Mahnwerk.

Wassermann zeichnet in sehr genauer Betrachtung der Figuren die Verstocktheit, die emotionale Verkapptheit der Nachkriegszeit, die doch eigentlich unweigerliche Entfremdung. Menschengruppen, die sich auf das Nicht-Sein des anderen mit Schmerz aber doch eingestellt haben. Im Nachwort der Frankfurter Literaturkritikerin Insa Wilke (btw: Nachlassverwalterin Roger Willemsens), meint selbige, dass es sich um ein politisches Buch handele.

Ich möchte nun, wie eingangs schon erwähnt, auf die Austattung eingehen. Das Buch in der Größe eines kleinen Moleskine-Notizbuches, wirkt mit seinen 26,95€ doch arg teuer – aber wehe dem, der das glaubt. Es ist in Leinen gebunden, mit der Prägung des Manesse-Verlags, wunderbar dünnes, bananengelbes, glattes Papier mit einer herrlich zu lesenden Schriftart und einem satten und dennoch scharf abgegrenzten Druckbildes. Auch der Schutzumschlag überzeugt mit seiner Glattheit und optischen Passgenauigkeit. Der Preis ist nicht nur für das Werk an sich gerechtfertigt, nein, auch für diese bravouröse Ausstattung ist dem Verlag zu akklamieren! Ich habe zig mal das Buch angefasst, die Seiten unter meinen Fingern entlang rasen lassen, die Blätter über gestreichelt und den den Leinenwand mit den Fingerspitzen erkundet. Für Haptiker ist dieses Buch auch ohne Text ein Quell der Freude!

Jakob Wassermann: Faber oder Die verlorenen Jahre, weitere Infos bei Random House

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar; ich erhalte kein Honorar.

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Cover: Random House

 

 

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