Rezension: Was ich liebe – und was nicht

Einen ordentlichen Schinken hat Hanns-Joseph Ortheil hier hingelegt. Und ich kann nach kurzer Lektüre sagen: Kaufen lohnt sich. Alltagsbeobachtungen können in die profane Einfachheit schlagen und so einschläfernd sein, dass man sich mit dem Buch ins Gesicht schlagend auch noch verletzt. Ortheil nimmt den Leser oder die Leserin anhand von ganz plakativen Stichtworten wie Bahnfahren mit in sein Leben, seine Sicht der Dinge und seinem Gespür für Momente. Das ist nicht vielen Menschen zuteil, die meisten toben durchs Leben, immer gehetzt zu etwas Wichtigem; vermeintlich Wichtigem. Und so braucht man dieses Buch nicht en bloc lesen, sondern liest hinten im Inhaltsverzeichnis, welches Schlagwort man vom Autor beurteilt haben will und schon wird einem in schnörkellosen und dennoch windigen Sätzen die Untiefen des deutschen Bahnfahrens, des dem Autor abstoßenden Autofahren gewahr und freut sich dabei, da viele Erlebnisse deckungsgleich mit dem eigenen Leben sind, aber man sie eben nicht so in passende Worte verfassen kann. Gespickt ist das Buch neben den Texten mit Gedichten aus der Kindheit (ganz ok und eher spannend, dass er die noch hat!) und fiktiven Gesprächen kontextuell bezogen; z.B. eine Email seiner Assistentin an einen beliebigen Lesungsveranstalter. Als Redner musste ich so lachen, da das bei allen Reise-Vortragenden dieselben Probleme sind (Wir gehen dann noch zum Griechen! Wir buchen Ihnen das Hotel! Gerne holen wir Sie im Hotel ab!). Herrlich!

Ich kann Was ich liebe – und was nicht empfehlen. Ab unter den eigenen bibliophilen Baum damit. Die Verarbeitung ist tadellos, der längs geriffelte Schutzumschlag mit dem schönen Bild eine Augenweide.

Hanns-Joseph Ortehil: Was ich liebe – und was nicht ist erschienen im Luchterhand Literaturverlag bei Random House.

Ich danke dem Verlag für das RezEm; ich erhalte kein Honorar.

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