Rezension: Schreiben Sie mir, oder ich sterbe

Liebe, dieses Phänomen zwischenmenschlicher Unergründbarkeit, diese Definitionsschwere, dieses nicht endende wollende menschliche Bedürfnis. Ich sitze in München in einer Hotelbar und bin ziemlich angeschickert. Beste Grundlage, eine Rezension zu schreiben. Wo doch heutzutage die Tradition der Liebesbriefe atomisiert ist. Ich will gar nicht auf Whatsapp wettern – was hätte ich kurz nach dem Millenium dafür gegeben, solch ein Werkzeug gehabt zu haben – was wären das wilde Zeiten gewesen! Aber so ein wenig mehr Stil und Geduld! Mehr Muße und Hingabe, mehr scheinbare Sinnlosigkeit!

Nun lesen uns bekannte Sprecher Liebeskorrespondenzen berühmter Menschen vor. So wie von Heinricht von Kleist, der sich erst mit seiner Angebeteten Schwüre schreibt und dann am Strand gegenseitig erschießt. Sie unheilbar krank, er dem Titel des Buches handelnd. Es ist ein Etappenhörstück – man kann es nicht durchhören, aber die jeweiligen Happen sind wundervoll und sollten unseren Schreiballtag doch bitte wieder beeinflussen!

Ideal ist das Arrangement: Erst der Brief -unkommentiert- dann die editorischen Notizen durch den herausragenden Sprecher Christian Baumann.

Schreiben Sie mir, oder ich sterbe – eine eindeutige Hörempfehlung bei Random House Audio!

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