Rezension: Helmut Schmidt – sein Jahrhundert in privaten Bildern

Ein Mensch, der mich wirklich kennt, schenkte mir dieses Exemplar von ZEIT Geschichte. 

Eigentlich mag ich diese Art Sonderhefte nicht, aber bei Schmidt hat es sich wirklich gelohnt. Nun erschien es zum ersten Todestag. Ich beschäftige mich seit zehn Jahren mit Schmidt und kenne quasi alle bekannten Bilder. Dieses Heft bringt wirklich Bilder, die dem Label „privat“ gerecht werden. 


Das Heft ist aus den gescannten Bildbänden des Ehepaars Schmidt gestaltet und beschriftet, verbunden mit Erklärungen und Interviews. So sieht man auf dem ersten Bild Schmidts Notizzettel als BM der Verteidigung mit der er Loki „Nur-mal-so-Blumen“ schenkte.


Schmidt arbeitete, wie auf der Hardthöhe und dem Kanzleramt, mit dem grünen Filzstift bis zu seinem Lebensende zum Redigieren und Antworten. Bis heute wird in Behörden so gearbeitet. Rot sind z.B. Staatssekretären vorbehalten. Als er im Mai 1983 durch den Flur der ZEIT im sechsten Stock nebst Personenschützern und unter Applaus der dortigen Mitarbeitern in sein neues Büro schritt, war er gar nicht so sicher, ob Bucerius‘ Ansinnen so erfolgreich wird (vgl. Karlauf T.: Helmut Schmidt – Die späten Jahre). Schmidt zweifelte viel mehr als man ahnte. Eine über dreißigjährige Karriere startete, stotterte aber, da Schmidt immer mit den Wegelagerern haderte, und sich über die abgefressenen Tabletts nach langen Redaktionsnächten mokierte. Dennoch er selber die Tradition mit Baileys im Kaffee den Alkohol weiter erhielt. So schnitt er sich das erste Impressum mt ihm selber aus – so sehr bewegte es ihn.


Die Enden, die stechen: er vergaß, das di Lorenzo ihn mit Schokolade besucht hatte. Dass er ihn beim Vornamen nannte und dieses beklagte, sagt alles aus. Auch dass di Lorenzo in der aktuellen Schmidt-Reportage sagt, Schmidt habe ihn gefragt, ob er noch klar sei und kein „dummes Zeuch“ rede…er war sich also durchaus des Verfalls mehr als bewusst.

Helmut Schmidt – sein Jahrhundert in privaten Bildern als ZEIT Geschichte-Edition. Ein sehr gut investierter Zehn-Euro-Schein.

Danke.

Kaufen: hier.

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