Rezension: Nahaufnahmen [Interviewband]

Gero von Boehm ist ein Meister des gediegenen Bewegtbild-Interviews. Keine Angriffkämpfe, keine Exemplare für peinliche Suggestivübergrifflichkeiten, sondern ein Mensch mit großem Fingerspitzengefühl, enormer Bildung und sonorer Stimme, versucht ein „Türchen zu öffnen“ aus dem etwas entspringt, welches die meisten Gesprächspartner bewusst wissen geschlossen zu halten. So spravh von Boehm mit anspruchsvollen Gesprächspartnern wie Loriot, Peter Handke, Hans Magnus Enzensberger oder Paul Auster.
Und immer schafft er es, das Interview in einen bestimmten Kontext zu setzen. So spaziert er mit Peter Handke stundenlang durch dessen geliebte Wälder bei Chaville. Oder mit Ryuichi Sakamoto spaziert er durch dessen winterliches New York. So ist von Boehm immer eine Komposition aus Bild, Sprache und einer besonderen Art Zwischenmenschlichkeit. Er scheint diese Außeninterviews zu perfektionieren, doch auch frühere Werke, wie das letzte (oder zumindest das letzte große Interview) des wenige Tage später ermordeten Deutsche Bank-Chef Alfred Herrhausen im Studio sind Zeitdokumente geworden. 2012 schon eine Vielzahl seiner Gespräche verschriftlicht und als Buch herausgegeben.
Nun folgt 2016 eine erweiterte Ausgabe, u.a. mit Hape Kerkeling, Paul Auster, Klaus Maria Brandauer oder Georg Stefan Troller – um nur einige Granden zu nennen. Ingesamt sind es fünfzig Gespräche mit dem Leben, wie der Verlag das Buch Nahaufnahmen untertitelt. Für alle die Zeitgeschichte in relevanten Gesprächen erleben möchten, ist dieses Buch eine echte Kür im Regal.

Alle weiteren Informationen zu Gero von Boehm: Nahaufnahmen – Fünfzig Gespräche mit dem Leben bei Ullstein Buchverlage/ Propyläen.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar; ich erhalte kein Honorar.

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