B737 bei DLH ausgeflottet

Ich wusste, dass der Zeitpunkt kommen muss und nun war es soweit: Lufthansa hat nach Jahrzehnten ihre letzten Boeing 737 ausgeflottet.

Am 29.10. landeten die letzten vier Maschinen auf FRA; CEO Carsten Spohr begrüßte die letzte inbound kommende D-ABEF („Weiden in der Oberpfalz“) persönlich an der Vorfeldposition (vor T2, eine sog. Viktor-Position, V 16x wird es irgendwo gewesen sein…hach).

Auf selbigem Flugzeug war ich selber während meiner Rettungsdienst-Zeit am Flughafen tätig. Die 737 war das kleinste Flugzeug, an welches man mit dem Rettungs-Hubwagen andocken konnte. Die Türkante war so tief, dass man quasi die Rampe nur noch ranfahren musste.

Dieser Maschinentyp war ob seines Alters noch „näher dran“ am realen Fliegen; Lufthansa hatte sogar viele Modelle mit dem Triebwerksanzeigen in analoger Bauweise.

Die laut ratternden Trimmräder, die langen Stellhebel für Flaps, Speed Brake und Triebwerke.

Die fast schon wieder antik wirkenden Flüssigkristalldisplays, die neben einem iPhone schwach aussehen, Mitte der 80er aber der letzte Schrei waren.

Die Triebwerke, die so metallern röhrten im Startlauf, dass ich sie mit geschlossenen Augen erkenne. Die nicht rund sind, da sie sich sonst zu sehr dem Boden nähern würden.

Und wussten Sie, dass der 737-Kabinendurchmesser dem Durchmesser eines Triebwerks der 777 („Tripple Seven“) entspricht?

Und die 1R, die deutlich niedriger ausgelegt war als ihr Gegenüber, die 1L. Die Haupteingangstür. Wie oft habe ich mir an der 1R so derbe den Kopf eingeschlagen und wusste jedes mal, dass die als erwachsene Tür daherkommende 1R doch nur eine Belade- und Fluchtöffnung war. Aua. Denn der Stahl gab keinen Millimeter nach. Ich spüre immer noch diese vom Flug eiskalte Kante genieteten Stahls. Und man konnte sich mit dem Patienten auf der Schaufeltrage nichtmal an den Kopf fassen.

Und diese Türen an sich. Im Gegensatz zum Airbus mit seiner zur Seite aufgehenden Tür, waren die Hebel bei der 737 riesig und die Türen sprangen ins Flugzeuginnere auf, die Ober- und Unterkante an der Außenseite klappte ein, damit die von innen in den Rahmen schließende Tür überhaupt durch den Türrahmen passte. Und dann der Schwenk um 180 Grad – immer in Flugrichtung wohlgemerkt. Nur die 747 toppte mit ihren Riesentüren das Gepresse wie bei einer Geburt bis man dieses metallische Monstrum offen hatte. Wundern tut mich bis heute, dass dabei nie einer aus der Kabine fiel.

In der LH-Ausführung gab es eine schon vor zehn Jahren nostalgisch wirkende Garderobe mit Rolladen; für die flexibel abtrennbare BusinessClass.

Lufthansa wird diese letzten 737 durch die A320-Familie ersetzen, damit endet die Kurzstreckenflotte aus dem Hause Boeing beim Kranich.

Die vier Exemplare sind verkauft, sie gehen auf einen Flugzeugfriedhof in die USA.

Alles Gute, Boeing 737, die mich tausende Kilometer geflogen haben.

Edit/ Videotipp: Farewell Film Lufthansa oder dieser hier.

Artikel in der Flugrevue

Screenshot: Youtube/LH

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑