Biolek öffnet Kohl

Helmut Kohl wurde von bornierten Journalisten verlacht und meisterte dennoch vier Legislaturperioden. Auch wenn ihm die Einheit die zweite Hälfte der Kanzlerschaft nach allgemeiner Auffassung erst möglich machte, ist ihm seine Beständigkeit anzurechnen. Kohl wusste immer genau wie er medial wirken wollte. Bewiesen wird diese Fähigkeit, wenn man es eben nicht merkt. Durch seinen Sohn weiß man inzwischen belegt, dass alles nicht so eitel Sonnenschein war; oder an Hannelore Kohl in 1998 im Interview mit Joachim Lamby zumindest erahnen kann. Die „Innereien“ von Heribert Schwan mal ganz außer Acht gelassen. 

Wie Kohl scharf sein Wirken überwachte, sieht man an einem Video kurz vor einer Pressekonferenz. Ganz klar macht Kohl in fast ungehaltener Weise, auf welchem Stuhle er und auch Genscher sitzen müssten, um im Fernsehen richtig zu wirken („der entsetzliche Stuhl“, „was das für Bilder gibt“). 

Am Stuhl erkennt man bei Alfred Biolek, Kohl hat auch hier klare Anforderungen an sein Sitzmöbel gehabt. Er selber wirkt passend, Biolek etwas verloren; ganz ohne Räusperknopf. 

Man warf dem eigentlichen promovierten Rechtsanwalt Biolek oft vor, im seichten Wasser zu paddeln. Er selber hielt immer entgegen, Gespräche zu führen, keine Interviews. Er schafft es, den so kontrollierten Kohl auf ein für keine Seite peinliches Gespräch über eine Stunde zu führen – eine Hochleistung, einen absoluten Medienprofi Seiten zu entlocken, die man nicht kannte.

Sehen Sie hier (erst ab Minute 8:38!) das Gespräch von 1996 in der Sendung „Boulevard Bio“ im Ersten. Produziert für die ARD von Bioleks und Andreas Lichters legendären pro GmbH. 

Screenshot: Youtube/WDR

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