Rezension: Ein bisschen Glauben gibt es nicht

Es ist 1996,
meine Freundin ist weg und bräunt sich
in der Südsee. Allein?

Fettes Brot leiten so ihren Hit „Jein“ ein. Daniel Böckings Freundin respektive Frau ist zwar nicht weg und dennoch stellt sich für ihn retrospektiv die Frage, ob es dazu nicht oft genug Anlass gegeben habe; auch schon vor ihrer Beziehung. Böcking berichtet von maßlosen Saufereien, Abstürzen und ordentlichen Schlägen gegen ihn im Abiturjahr 1996 und lange danach. Die Frage ist: Wer ist hier allein?

So neonfarben und sporty die Pullovermode in den Mittneunzigern auch gewesen sein mag, so getuned die Haare in Anlehnung der 80er im Wind wehten, so unromantisch-real scheint sein Leben gewesen zu sein. Ohne Richtschnur, ohne Dämpfer, ohne Spur. Alles gelang und war damit die Rechtfertigung für den Weg der Erreichung des Gelungenen.

Neben seiner Frau Sophie und Familie, gelingt es auch im Büro. Er wird bei BILD als Reporter groß und ist Stellvertreter von BILD-Online-Chefredakteur Julian Reichelt.

Mit Mitte dreißig scheint Böcking trotz gesichertem, zu hohem Einkommen – wie er findet – und seiner funktionierenden Familie etwas zu fehlen. Das Moment der Maßlosigkeit durchzieht viele Erzählungen des Buches. Und so findet er zu ihm.
Zum Glauben, zu Gott und vor allem: zu Jesus.

Es ist schwierig.

Bücher über höchstpersönliche (sic!) Findungswege driften gerne ins Kitschige; in den Fremdschämmodus. Und das Thema Glaube hat immer einen hohen Räusperfaktor. Denn Böcking will nicht nur den Glauben leben, er will andere missionieren. Oder versucht es zumindest. Er findet Hilfe zur Findung nicht in den Landeskirchen, sondern in gläubigen Menschen. Ramsy und Co. helfen ihm mit ihren Eingaben.

Der sprachliche Stil eines Buches, so Böcking auch selber im Text, ist schwierig wenn man die markige Sprache der BILD im Blut hat. Daher ist mir die Klangmelodie manchmal etwas zu holprig, zu stakkatohaft. Dennoch wirkt es authentisch, wenngleich man sich manchmal weniger eigenanalytische Abdriftungen und Gedankenkarusselle wünschen würde als ungeduldiger Leser.

Wenn man den Weg gefunden haben mag, ist die Neigung andere, die scheinbar nicht auf dem vollends richtigen Weg zu sein scheinen leicht und umso risikobehafteter. Sind Weihnachtskirchgänger die wirklich nicht so leistungsstarken Christen?
Ich erachte die Unterteilung in Teilzeit- und Vollzeitchristen als schwierig, denn:

Gott widersteht den Hoffertigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. 1. Petrus 5, 5

Ich finde das Buch in Ordnung, kann mich aber aufgrund des Themas und der Aufbereitung nicht in Begeisterung werfen. Die Auspizien nahmen sich hierfür aber auch nicht gut aus; dies liegt in der Natur der Sache: Glaube und der innere Umgang damit sind meines Erachtens kompliziert, schwer nach außen darlegbar und der Umgang mit Glaube in unserer Gesellschaft ist einfach untrainiert.

Soll ich´s wirklich machen oder laß ich´s lieber sein? Jein….

Im Gegensatz zu Fettes Brot, gibt es für Böcking kein Jein. Er hat sich entschieden.

Mehr Informationen gibt es hier bei Random House.

Ich danke Random House für die freundliche Bereitstellung eines kostenfreien Rezensionsexemplars. Für die Besprechung erhalte ich kein Honorar.

Ein bisschen Glauben gibt es nicht von Daniel Boecking
Ein bisschen Glauben gibt es nicht von Daniel Boecking
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