Biolek öffnet Kohl

Helmut Kohl wurde von bornierten Journalisten verlacht und meisterte dennoch vier Legislaturperioden. Auch wenn ihm die Einheit die zweite Hälfte der Kanzlerschaft nach allgemeiner Auffassung erst möglich machte, ist ihm seine Beständigkeit anzurechnen. Kohl wusste immer genau wie er medial wirken wollte. Bewiesen wird diese Fähigkeit, wenn man es eben nicht merkt. Durch seinen Sohn weiß man inzwischen belegt, dass alles nicht so eitel Sonnenschein war; oder an Hannelore Kohl in 1998 im Interview mit Joachim Lamby zumindest erahnen kann. Die „Innereien“ von Heribert Schwan mal ganz außer Acht gelassen. 

Wie Kohl scharf sein Wirken überwachte, sieht man an einem Video kurz vor einer Pressekonferenz. Ganz klar macht Kohl in fast ungehaltener Weise, auf welchem Stuhle er und auch Genscher sitzen müssten, um im Fernsehen richtig zu wirken („der entsetzliche Stuhl“, „was das für Bilder gibt“). 

Am Stuhl erkennt man bei Alfred Biolek, Kohl hat auch hier klare Anforderungen an sein Sitzmöbel gehabt. Er selber wirkt passend, Biolek etwas verloren; ganz ohne Räusperknopf. 

Man warf dem eigentlichen promovierten Rechtsanwalt Biolek oft vor, im seichten Wasser zu paddeln. Er selber hielt immer entgegen, Gespräche zu führen, keine Interviews. Er schafft es, den so kontrollierten Kohl auf ein für keine Seite peinliches Gespräch über eine Stunde zu führen – eine Hochleistung, einen absoluten Medienprofi Seiten zu entlocken, die man nicht kannte.

Sehen Sie hier (erst ab Minute 8:38!) das Gespräch von 1996 in der Sendung „Boulevard Bio“ im Ersten. Produziert für die ARD von Bioleks und Andreas Lichters legendären pro GmbH. 

Screenshot: Youtube/WDR

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Buchsignaturen

…individualisierte Bücher.

Anbei eine Auswahl an signierten Büchern.

Carsten Maschmeyer
Giovanni di Lorenzo
Michel Friedman
Werner Renz
Helmut Schmidt (!!!) & Giovanni di Lorenzo
Roger Willemsen; leider nicht für mich, Zufallskauf
Oliver Sacks, M.D.

Seh-Tipp: Gossen-Goethe?

Franz Josef Wagner sieht aus wie eine gelebte BILD-Zeitung. 
Gegerbt von jahrzehntelangem Genuss von Espressi und Gitanes. In Charlottenburg-Wilmersdorf lebend, bringt Wagner seit 2001 als „Chefkolumnist“ jeden Werktag seine Gedanken in die BILD. Auf die oft fälschlicherweise unterschätzte Seite 2. Er hat die Macht der Reichweite, das Werkzeug der schneidenden Thesen. Mitarbeiter der taz schüttelt es bei Wagners Texten. Die wenigen Zeilen entzürnen, verbinden oder lassen sprachlos zurück. Für Wagner, der Axel Springer noch persönlich kannte, wurde sein Posten nach kurzen, wohl chaotischen Intermezzi als Chefredakteur anderer AS-Blätter eigens geschaffen. Er steht im Rang und Verdienst eines Chefredakteurs. Diekmann hält ihm die Treue; sein Vertrag wird jedes Jahr auf Diekmanns twitter-Account bildreich verlängert. Leben könnte in die Bild’sche Kolumnenlandschaft 2017 kommen, wenn Herr Bosbach sein neues „Amt“ bei BILD nach Ausscheiden als MdB beginnt. 

Wagner, inzwischen über 70, wird 2006 von einem Reporter des NDR begleitet. Über die Art des Reporters kann man kritisch sein, dennoch wird der kamerascheue Wagner in seiner gänzlichen Scheu gezeigt. Hinter den markigen, auch mal verletztenden Zeilen, steht ein Mensch, der spät aufsteht, einsam lebt, und nur in der Paris Bar auf der Kantstraße in Kontakt zu Bekannten tritt. Es zeigt einen Mann, den durchaus quält, was er „verzapft“. Der sich ärgert und leidet und damit authentisch wirkt. Sein Büro ist gar nicht sein Ort, die Szene spricht Bände. Parties meidet er, in Talkshows fand er nicht statt (war inzwischen doch bei Lanz); mit dem Kamerateam tut er den tapsenden Partywalk. Und Otto Schily verweist auf „so“ einen Stapel Zeitung, den er täglich läse, uns so kein Konsument Wagners sei; er, Wagner, hätte aber ja genug Leser. 

Wagner proviziert, er ist hart im Feld der Buchstaben und weich im Miteinander. 

Da ist mehr als Gosse. Ein Mensch.

Franz Josef Wagner. Der Gossen-Goethe der BILD? Sehen Sie hier.

Screenshot: Youtube/NDR

Wiederempfehlung: Das Leben nach der Kanzlerschaft

Schon letztes Jahr publiziert, möchte ich Ihnen die Beschreibungen von Hajo Schumacher in der SZ ans Herz legen. 

2006, Schröder ist seit einem Jahr nicht mehr im Amt, zeichnet Schumacher die ernüchternde Situation des Lebens plötzlich ohne Macht Unter den Linden. Ein Tag kann weniger als 16 Stunden haben, und die Nachfolgerin regiert auch ohne Rat des Bundeskanzlers a.D.

Schumacher schreibt tendenziös. Schnoddrig, an der Grenze zur Distanzlosigkeit und trifft doch den Ton der Stimmung auf den Fluren der Ehemaligen. Auch sie knapp an der Kante des Vergessens. Und die Wandel der Allüre ohne Amt und damit auch knapp an der Würdendemission. Fischer soll erst nach dem Amt wieder „bitte“ und „danke“ benützt haben.

Bei manchen Anekdoten hofft man doch insgeheim, der langhaarige Reporter der SZ würde nur Geschichten machen wie sein optisches alter altes ego: Franz Josef Wagner.

Lesen Sie gerne hier.

Screenshot: SZ

Rezension: Bobby

Es ist eine weiße, nach unten abgerundete Uhr mit roten Ziffern. Sie hängt unter dem hellem Buchenholz unseres Küchenschrankes. Sie zeigt 15:01. Im selbigen Apparat tchibo-deskem Designs der Spätneunziger ist auch ein Radio eingebaut. Beworben wird dies als praktisches Küchenradio zur Untermontage. Die Schule ist seit einer Stunde und einundvierzig Minuten aus, der entspannte Teil des Tages könnte beginnen. Und doch wird sich alles ändern, als im Radio am Ende der Nachrichten zur vollen Stunde der Sprecher über Flugzeuge, Hochhaus, New York und World Trade Center spricht. Mit unwissender Haltung nur zur Kenntnis genommen, wird dies ein einschneidender Moment im Leben der allermeisten Menschen. Es wird der Endtag der goldenen Neunziger unter Bill Clinton. Es wird der Beginn von weiterem Krieg, unendlichen Misstrauen und großem Leid. Über Jahre hinweg, Jahrzehnte.

Es ist der 11. September 2001, als Terrorristen vier amerikanische Flugzeuge entführen und sie zu mit Menschen besetzten Raketen umfunktionieren. Der Rest ist Geschichte und eben nicht. Jeder weiß, wo er zu diesem Tage, zu dieser Stunde war, was er dachte und fühlte. Und eben doch keine Ahnung hatte, was uns da allen widerfahren war. Bobby wird dieses alles nicht mehr betreffen, er ist direktes Opfer von 9/11. Einer der 343 Feuerwehrmänner des FDNY, die am Anschlagstag starben. Wie viele Helfer sind und werden noch an den Folgen der Exposition sterben, wie oft sich Schicksale wiederholen? Welche Folgen das für Familien hatte, hat und haben wird. Denn nicht nur der Verlust ist es an sich, es sind die zwischenmenschlichen Folgen, die Familien an dem Tod eines geliebten Menschen zermürbend zerbrechen lässt.

Eddie Joyce Debütroman beschäftigt sich nicht mit weniger als der großen, amerikanischen Neuzeitnarbe. Narben sind ein nachhaltiges Stück vorangegangener Verwundungen. Sie schmerzen und erinnern als Ruf aus der Vergangenheit, die es dadurch zu überwinden schwerer macht. Joyce ist selbst in Staten Island geboren und aufgewachsen; die Sätze atmen Heimat und lokale Kenntnis. Er nutzt die Chance, ein unprätentiöses Bild einer irisch-italienischen Einwandererfamilie zu erschaffen.

Er zeichnet mit passender Sprache die Nachphase einer familiären Tragödie. Der vorher definierte Halt eines Mosaiks, bricht in sich zusammen. Wie lebt und liebt eine Familie weiter? Darf die Witwe wieder einen neuen Mann und somit Liebe finden? Wie können in Rückblick auf den Verlust, zukünftige Ereignisse als positiv wahrgenommen werden? Wie entwickeln sich die Brüder des toten Feuerwehrmannes, des Sohnes – einen stärkt die Krise zu beruflichen Höchstleistungen, den anderen zerstört es am Boden. Die Eltern im Alltagstrott zwischen stoischem Leben und dauerhaften Erinnern.
Joyce bildet eine Familiengeschichte nach 9/11 ab und nutzt die Chance, seinen Figuren eine Tiefe zu geben, indem er sie in einem passenden Milieu stattfinden und agieren lässt.

Was mich persönlich störte an dem Buch, war das Druckbild. Ich finde die Schrift zu klein, die Serifen zu ausgeprägt und die Farbintensität zu schwach. Das Lesen des Buches fiel daher eher schwer aus und fand nur etappenweise statt.

Weitere Informationen finden Sie hier beim Verlag. Ich danke DVA für das kostenfreie Rezensionsexemplar. Ich erhalte kein Honorar.

Bobby von Eddie Joyce
Bobby von Eddie Joyce

Rezension: Amerikanisches Tagebuch 1962

„Den las mir mein Vater immer zum Einschlafen vor“, sagte mir ein lieber Bekannter und überzeugter Buchleser. Doch dies war, wie ich dann erfuhr, nicht die wohlige Erinnerung an kindliche Zeiten, sondern an einen einschläfernden Schreibduktus.

Die Rede ist von Siegfried Lenz, guter Freund des Ehepaares Schmidt, Neuberger Weg 80-82 in Hamburg-Langenhorn. Seit November 2015 sind alle drei wieder vereint.
Das amerikanische Tagebuch führt Lenz, als übrigens einziges seines Lebens, während seines Aufenthalts in den USA von Mitte Oktober bis Ende November 1962. Nun waren damals die USA weiter entfernt als sie es heute sind, die Lebensart weltgewandter als im Nachkriegsdeutschland der beginnenden Sechzigerjahre. Lenz wird seitens der USA eingeladen, ein junger aufstrebender Schriftsteller, solle ohne große Erwartungen Land und Leute kennenlernen.

Im Mai 2012 sind es fast fünfzig Jahre, die seine Erinnerungen vom Heute trennen. Für den Verlag Hoffmann & Campe (HoCa) Anlass genug, das Reisetagebuch als Hardcover aufzulegen. In maritimen Blau gebunden, ist es mit angenehm cremefarbenen Papier ausgestattet. Die Einbände kleidet, eine Mode die mir sehr genehm ist, ein Ausschnitt der handschriftlichen Notizen Lenz´. Der Satz kann ordentlich atmen, zu allen Seiten gibt es genügend Platz, den Erlebnissen Raum zu geben.

Leider kommen wir nun wieder auf meinen oben erwähnten Bekannten. Ich habe mich mehrfach an das Buch gewagt und mit Verve mich an verschiedenen Stellen reingelesen; und war doch nicht entflammt. Lenz schreibt eingängig, dennoch flüssig und hat einen dezenten Wechsel von kurzen und mittellangen Sätzen. Dennoch kann sich bei mir kein inhaltlich orientierter Erregungsbogen aufbauen. Mein Interesse versandet nach wenigen Absätzen. Liegt es an der Profanität der Erlebnisse? Am strikt berichtenden, wenig wertenden und immer stets wohlwollendem Inhalt? In mir erklimmt das Gefühl empor, hier eher glattgestrichene Reiseprosa zu lesen, als spannende Erlebnisse in den USA. Nun kann natürlich angeführt werden, in einem Reisetagebuch muss kein spannendes Erlebnis vorgehalten werden. Das ist sicher richtig, doch ist es mir dann einfach zu dürftig.

Handwerklich im schriftstellerischen und verlegerischen Sinne stimmen die Koordinaten, dennoch bin ich nicht die passende Zielgruppe. Wer Lenz gerne liest und seine Eindrücke aus Amerika im Jahre 1962 aber erkunden mag, dem sei dieser Band ans Herz gelegt.

Weitere Informationen finden Sie bei HoCa hier.

Lese-Tipp: Rolf Dobellis Newsdiät

Rolf Dobelli vertritt die Meinung, es brauche längere Texte und genauere inhaltliche Abwägung, als es der heutige Newsflow möglich macht. Auf dieser Flur steht er nicht allein. Auch der Bernhard Heinzlmaier tritt energisch hierfür ein.

Lesen Sie hier das Essay von Rolf Dobelli oder lesen das Buch „Verleitung zur Unruhe“ von Bernhard Heinzlmaier.

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Rezension: Ein bisschen Glauben gibt es nicht

Es ist 1996,
meine Freundin ist weg und bräunt sich
in der Südsee. Allein?

Fettes Brot leiten so ihren Hit „Jein“ ein. Daniel Böckings Freundin respektive Frau ist zwar nicht weg und dennoch stellt sich für ihn retrospektiv die Frage, ob es dazu nicht oft genug Anlass gegeben habe; auch schon vor ihrer Beziehung. Böcking berichtet von maßlosen Saufereien, Abstürzen und ordentlichen Schlägen gegen ihn im Abiturjahr 1996 und lange danach. Die Frage ist: Wer ist hier allein?

So neonfarben und sporty die Pullovermode in den Mittneunzigern auch gewesen sein mag, so getuned die Haare in Anlehnung der 80er im Wind wehten, so unromantisch-real scheint sein Leben gewesen zu sein. Ohne Richtschnur, ohne Dämpfer, ohne Spur. Alles gelang und war damit die Rechtfertigung für den Weg der Erreichung des Gelungenen.

Neben seiner Frau Sophie und Familie, gelingt es auch im Büro. Er wird bei BILD als Reporter groß und ist Stellvertreter von BILD-Online-Chefredakteur Julian Reichelt.

Mit Mitte dreißig scheint Böcking trotz gesichertem, zu hohem Einkommen – wie er findet – und seiner funktionierenden Familie etwas zu fehlen. Das Moment der Maßlosigkeit durchzieht viele Erzählungen des Buches. Und so findet er zu ihm.
Zum Glauben, zu Gott und vor allem: zu Jesus.

Es ist schwierig.

Bücher über höchstpersönliche (sic!) Findungswege driften gerne ins Kitschige; in den Fremdschämmodus. Und das Thema Glaube hat immer einen hohen Räusperfaktor. Denn Böcking will nicht nur den Glauben leben, er will andere missionieren. Oder versucht es zumindest. Er findet Hilfe zur Findung nicht in den Landeskirchen, sondern in gläubigen Menschen. Ramsy und Co. helfen ihm mit ihren Eingaben.

Der sprachliche Stil eines Buches, so Böcking auch selber im Text, ist schwierig wenn man die markige Sprache der BILD im Blut hat. Daher ist mir die Klangmelodie manchmal etwas zu holprig, zu stakkatohaft. Dennoch wirkt es authentisch, wenngleich man sich manchmal weniger eigenanalytische Abdriftungen und Gedankenkarusselle wünschen würde als ungeduldiger Leser.

Wenn man den Weg gefunden haben mag, ist die Neigung andere, die scheinbar nicht auf dem vollends richtigen Weg zu sein scheinen leicht und umso risikobehafteter. Sind Weihnachtskirchgänger die wirklich nicht so leistungsstarken Christen?
Ich erachte die Unterteilung in Teilzeit- und Vollzeitchristen als schwierig, denn:

Gott widersteht den Hoffertigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. 1. Petrus 5, 5

Ich finde das Buch in Ordnung, kann mich aber aufgrund des Themas und der Aufbereitung nicht in Begeisterung werfen. Die Auspizien nahmen sich hierfür aber auch nicht gut aus; dies liegt in der Natur der Sache: Glaube und der innere Umgang damit sind meines Erachtens kompliziert, schwer nach außen darlegbar und der Umgang mit Glaube in unserer Gesellschaft ist einfach untrainiert.

Soll ich´s wirklich machen oder laß ich´s lieber sein? Jein….

Im Gegensatz zu Fettes Brot, gibt es für Böcking kein Jein. Er hat sich entschieden.

Mehr Informationen gibt es hier bei Random House.

Ich danke Random House für die freundliche Bereitstellung eines kostenfreien Rezensionsexemplars. Für die Besprechung erhalte ich kein Honorar.

Ein bisschen Glauben gibt es nicht von Daniel Boecking
Ein bisschen Glauben gibt es nicht von Daniel Boecking

Lese-Tipp: Peter Breuer und der Penis des Menschen

…Peter Breuer, seines Zeichens bekannter und bekennender Werbetexter aus Hamburg, in seinem privaten Blog über das Stück des Mannes.

Das viel genutzte Wort „beste“ sparen wir uns hier, denn Breuer analysiert die Bewertungen des wenig real gesehenen Körperteils detailreich und kreativ gekonnt. Wer könnte dieses Körperteil schlechter beurteilen als heterosexuelle Männer? Eine gute Frage! Denn besonders die nach außen sehr eingefleischten Heterosexuellen berufen sich umso mehr auf ihre Besitzerqualitäten.

Woher die das wohl so genau wissen? Peter Breuer nimmt uns hier mit durch seine kritischen Gedanken.

Kai Diekmann: Die aktuelle Lage der digitalen Transformation

…eine der wenigen Videos mit Kai Diekmann als Gesprächspartner. Er berichtet über einen Querschnitt seiner Tätigkeit, beginnend mit dem Ausflug ins Silicon Valley 2012. Maßgeblich ist seitdem Diekmanns Lebensthema: Die digitale Transformation. Wie er das startend aus dem Silicon Valley, nun weiterführt in Deutschland, berichtet er in diesem spannenden Gespräch.
Schauen Sie hier auf Youtube. Veranstaltung: SPONSORs SpoBiS 2015

Lese-Tipp: Der große Dulder

 

Raimund Fellinger, Cheflektor des Verlagshauses Suhrkamp ist die zentrale Figur dieses geschichtsträchtigen Hauses. Die SZ nennt ihn die wichtigste Suhrkamp-Figur.

Ein Schachspiel von Schwarz und Weiß hat sich in den letzen Jahren im Verlag mit der Rechtsform einer Aktiengesellschaft abgespielt. Die Witwe des einstigen Verlegers Unseld, Ulla Unseld-Berkéwicz, gegen den inzwischen verstorbenen Investor Hans Barlach. Durch geschickte juristische Winkelzüge konnte diese Schlacht geschlagen und der Verlag in beständiger Form erhalten werden.
Unseld übernahm den Verlag 1959 nach dem Tode des Gründers Peter Suhrkamp.
Handke, Hesse, Bernhard sind nur einige Autoren dieses Verlages, der eine feste Institution der Printwelt darstellt. Denn Bücher und Druckerzeugnisse sind im Hause Suhrkamp und Insel Verlag nicht nur eine Art Texte zu transportieren. Es ist Kunst der Herstellung und Darstellung von gebundenem Papier.
Es hat sich ein wahres Universum gebildet, in dem auch Briefwechsel Unselds mit seinen bekannten Autoren oder seine Reiseberichte veröffentlich wurden. Alle eint, dass die Liebe zum Produkt in allen Poren spürbar ist. Die Aufbereitung ist penibel, tendenziell fehlerlos und mit einer Qualität, die nah am Ende des Gewinns stehen dürfte. Es wird hierzu der Briefwechsel Unseld/Handke empfohlen.

Fellinger berichtet aus dem Nähkästchen der aufregenden Jahre im Hause Suhrkamp und gibt Einblick in die Tiefen der Beziehungen. Er betreut seit Jahrzehnten als persönlicher Lektor Peter Handke und Thomas Bernhard. Letzterer ist vor über 25 Jahren verstorben und dennoch bietet sein Nachlass ungeahnte Schätze, die es für Fellinger zu heben gilt. Hinderlich nur, dass Bernhard dies testamentarisch verhindert hat. Und so ist es Fellingers obsessive Aufgabe, dieses Konvolut an schriftstellerischem Können taktil zu erorbern.

Man beachte bitte genau a) das Bild und b) die Bildunterschrift! Aber, was sage ich, lesen Sie selbst.

Zum Tod von Jutta Limbach

Die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, ist am Samstag zweiundachtzigjährig verstorben.

Als Erinnerung sei hier das Gespräch im Schauspiel Frankfurt von Michel Friedman mit ihr zum Thema FREIHEIT! aus dem Jahre 2013 erwähnt. Es gibt keinen direkt Link, daher bitte hier beim Schauspiel Frankfurt runter scrollen bis zum entsprechenden Termin.

Ich wünsche viel Spaß beim Gespräch dieser wirklich weisen Damen mit MF.

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Screenshot: schauspielfrankfurt.de/friedman

Verbindungen

…über Zufälle.

Den grandios produzierten Briefwechsel von Peter Handke mit Verleger Siegfried Unseld habe ich schon länger und lese regelmäßig spontan ein paar Briefe darin. Freitag nun stolperte ich in Bockenheim in einen Uni-Buchladen und erstand für fünfzig Cent Handkes Buch Die Stunde der wahren Empfindung. Und eben schlug ich mal wieder den Briefwechsel auf und blätterte prompt auf folgenden Brief…

Siehe hierzu Anmerkung 2 des Briefes und dazu das Buch an sich.

Den Briefwechsel von Handke mit seinem Verleger Unseld finden Sie hier bei SV.

Begegnungen. Lukas Rüppel.

Schauen Sie mal auf das Bild unten links. Der junge Mann da. Genau der! Darf ich vorstellen: Lukas Rüppel ist Schauspieler. So ein richtiger. Nein, nix bei GZSZ oder Einsatz Schulhof. Ein gelernter Schauspieler, inzwischen am Schauspiel Frankfurt. Eben diesen habe ich in Die Physiker (Dürrenmatt; hier in einer Doppelrolle als Assistent des Kommissars und als Pfleger) und in Schuld und Sühne (Dostoijewski) gesehen.

Kaum als gesehen wollte ich glauben, als an einem heißen Juni-Nachmittag ich an die ESSO-Tankstelle der Hanauer Landstraße rollte. Just hatte ich den Tankschlauch plaziert, begann ich Löcher in die flirrende Benzinluft zu starren. Gleich darauf fiel mein Blick auf einen an die direkte Nachbarsäule einlenkenden Opel Meriva in Orange-metallic. Umso mehr schaute ich, da das auch schon mal drei Jahre mein kreativer Weggefährte auf vier Rädern war. Doch noch mehr schaute ich, wer da vom Beifahrersitz in kurzer Hose ausstieg: Lukas Rüppel. Erst hin und hergerissen, ging ich auf ihn zu und sagte: Ich kenne Sie! Mehr als erstaunt weiteten sich seine Augen, er überlegte. Sie sind Schauspieler hier in Frankfurt! Nun konnte er mich zuordnen, weil er mich der anonymen Gruppe der im dunkel sitzenden Menschen hinzuaddieren konnte. Nun lockerte er sich sichtlich. Sein Lachen war herrlich, er reichte mir die Hand und fragte in welchem Stück ich ihn den gesehen hätte. Schön war, wie sehr er sich freute und das zurecht: Statt GZSZ-„Stars“ zuzujubeln, sollten die (jungen) Menschen lieber diesen begabten und mutigen jungen und vor allem wahrhaften Schauspielern zujubeln!

Ich konnte erkennen, dass er nach unserer kurzen Begegnung gleich am Handy wild tippte. Und ich zog lächelnd die EC-Karte durch.

U-Bahn-Station Willy-Brandt-Platz (früher: Theaterplatz)

Wiedergefunden

Das Paket war voll mit Schulungsmaterial und sollte mir per Post von Hamburg nach München folgen. Dort kam es nie an. So ähnlich lebt seit über 30 Jahren der Sprech von Aktenzeichen XY. Im Gegensatz zu den dort behandelten Fällen kam es nun bei uns zu einem Happy End. Das Paket erreichte uns nach mehr als drei Monaten in Frankfurt. Warum und wieso ist unklar, das Tracking fiel einfach aus. So oder so, wir freuen uns. Das teure Material ist endlich wieder bei uns.

Rede: Giovanni di Lorenzo

Im Rückblick auf die Wahlergebnisse in „Schreck-Pomm“ [BILD], hier nochmal die Dresdner Rede von Giovanni di Lorenzo. 

Gerne anhören, raunen, stöhnen, kopschütteln, wüten und lauschen. Und: Achtsam bleiben gegen Rechts! 

Eine Veranstaltungsreihe des Staatsschauspiel Dresden und der Sächsischen Zeitung.

Als .pdf oder anhören.


Screenshot: Website Staatsschauspiel Dresden

Friedman in der Türkei

Akif Cagatay Kilic, seines Zeichens türkischer Minister für Jugend und Sport, war mit dem Verlauf des kritischen Interviews mit Michel Friedman im Auftrag der Deutschen Welle nicht begeistert. Er hätte es wissen können, denn das Format „Conflict Zone“ verdient seinen Titel zurecht. Stattdessen kassierte der Pressereferent nach dem Dreh umgehend das Videomaterial.

Lesen Sie hierzu mehr und sehen sich die Schalte mit Michel Friedman an.


Screenshot: Deutsche Welle

Edit: 07.09.2016, hr-online.de

Kennst du den Autor, liest du.

Zurzeit lese ich von Kai Oppel „Die Knigge-Kur“. 

Wer mich kennt, weiß, dass ich solche Art dererlei Bücher nicht lese. Doch bei Herrn Oppel mache ich eine Ausnahme: Er ist eine Zugbekanntschaft von mir und wenn man den Autor kennt, liest man auch sein Buch.

Ich berichte weiter.

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