Lese-Tipp: Duftblind

…über Taubheit des Riechens.

Andreas Bock kann nicht mehr riechen. Seit einem Flug nach Mumbai im November 2012 ist der Ofen aus. Ohne medizinische Ergründbarkeit hat sich sein Geruchssinn verabschiedet. Die Pathophysiologie ist nicht erforscht, Aristoteles meinte gar, der Geruchssinn sei der unnützeste. Für das ganze gibt es nicht mal ein Adjektiv. Stumm, taub, blind; sogar unmusikalisch heißt im englischen „tone-deaf“ [unmusikalisch oder aber: ohne musikalisches Gehör].

Hilft alles nichts, denn der Autor vermisst einen erheblichen Anteil seiner Lebensqualität. Für Außenstehende nicht verständlich und nicht simulierbar, lässt es ihn immer die selben Fragen beantworten. Nein, seine anderen Sinne sind nicht schärfer geworden, nein er habe deswegen nicht abgenommen. Wahrnehmen tut er durch die Haptik des Kauens, so sind im zu schluckende Lebensmittel wie Joghurt verhasst, salzige Nüsse dagegen gern gesehen. Der sog. „Proust-Effekt“, dass man nur durch einen Geruch Erinnerungen aus ferner Zeit erwecken kann, ist eine für ihn nur noch retrospektiv auf rationaler Ebene verständlicher Effekt.

Andreas Bock schließt den Artikel aus der ZEIT 31/2016 mit dem wichtigsten Thema des Riechens: Dem der Mitmenschen. Denn seinen Partner wählt man wegen der Optik, aber annehmen tut man ihn, weil man ihn riechen kann.

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑