Sagen-hafter Claim

…die Schwäbische Zeitung ist eine…“Unabhängige Zeitung für christliche Kultur und Politik“.

Hier hat die Eisenbahn keinen Strom.

Aber welche Werte hier vorne stehen, stehen hier vorne.

Hm.

Advertisements

Lese-Tipp: Paris für Liebhaber

…über Fehlendes.

„Paris für Liebhaber“ von Olivier Magny ist leider auf dem Postwege verschwunden. Daher kann ich es zurzeit leider nicht wirklich besprechen, versuche aber zumindest aus den mir wenigen vorliegenden Infos etwas zu kreieren.

EDIT 02.08.: Die Nachlieferung kam an und wird nun gelesen. Danke an Herrn Rothfuss vom Blanvalet Verlag.

EDIT 16.09.: Das Buch hat sich leider – für mich – als Enttäuschung herausgestellt. Eine Aneinanderreihung völlig belangloser „Geschichten“ ohne erzählerischen Kern, sprachliche Finesse oder Spannungsbogen. Vielleicht waren diese Blogbeiträge in ursprünglicher Form irgendwie kultig, aber in der optisch völlig schreiender Gestaltung mit Farbe und Formen wirken die abgekauten Stories noch blasser, noch langweiliger. Ich weiß, ein Verriss ist immer ein harter Stil, aber dieses Buch fällt bei mir klar durch.

Grundsätzlich halte ich es für wichtig, Paris (wieder) zu besuchen und der Angst vor Terror und Co. die Stirn zu bieten. Angeblich gibt es im Chinesischen einen Begriff für Paris-Besucher, die enttäuscht von der Stadt sind. Allerdings sprechen auch viele Menschen genau gegen diesen Eindruck und dass, was Touristen erwarten und dann enttäuscht sind, ist oft auch von keiner Stadt leistbar.
Michel Friedman lebt die Liebe für Paris vor. So sagte er 1999 in einer Reportage von Felix Schmidt über sie, dass nur Paris so rieche und ihm kommen die Tränen als sie in den Tuilerien drehen. Umgeben von runden Brunnen, Riesenrad und der barocken Optik der Herrenhäuser Gärten, spaziert Friedman noch einige Male durch die grünen Weiten und bekennt, dieser Ort sei für Kinder das Paradies. Im Gegensatz zu seinen Tapezierkünsten, die seien surreal. Wobei er mit dieser künstlerischen Art nicht ganz falsch in der Stadt der optischen und gesellschaftlichen Brüche wäre. Noch heute besteht sein Büro aus vielen Bildern in Schwarz-Weiß eben dieser Tuilerien.
Erreichbar ist Paris für Deutsche allemal. Sowohl via Flugzeug als auch mittels der Deutschen Bahn bzw. SCNF. Ob ICE oder TGV, die Reise vergeht wie im Fluge bei 320km/h. In Paris Est angekommen, kurzer Halt im Salons Grand Voyageur (Lounge), geht es weiter mit der Metro in die Stadt der Liebe, deren Klischeedichte fast zum Lachen erregt.
Und dennoch, Klischees entstehen nicht von ungefähr und so sind die hohen, klassischen mit senkrechten Metalldächern beschlagenen Wohnhäuser mit den Cafés und ihren nach vorne ausgerichteten Stühlen, eine Einladung zum sehen und gesehen werden. Spricht es für eine Stadt, die Stühle nur nach vorne raus zu positionieren? Ist man so narzisstisch, nicht primär seinem Gegenüber, sondern der Straße zugewandt sein zu müssen? Ist der Blick nach außen das Wichtigste? Eine Stadt der liebenden Vergleiche und der gegenseitigen Abgewandtheit?

All das wird das Buch sicher zu klären wissen, sollte es noch bei mir ankommen. Aufgefallen ist mir vorab die optische Gestaltung der Seiten in der Leseprobe. Diese finde ich etwas sehr gewollt motivlastig und ablenkend vom Text. Schön scheint zu sein, dass die Quintessenz immer zusammengefasst wird pro Kapitel. Außen überzeugt es im cremefarbenen Umschlag mit Eiffelturm (what else!) und Silhouette der Stadt in Tuscheoptik. Die cremefarbene Gestaltung erinnert mich an die Bücher von Stefan Ulrich bei Ullstein, der auch über Rom und dann Paris schrieb. Hier allerdings als zugezogener Korrespondent der SZ.

Bei Amazon sind leider noch keine Rezensionen erschienen. Das Buch wurde 2010 erstverlegt in Frankreich und liegt nun in gebundener Ausgabe bei Blanvalet (Random House) vor. Die Grundlage für das Buch bildet der Blog „Stuff Parisians Like„. Magny betreibt heute eine Weinbar in Paris, die über den gleichen Link erreichbar ist. Sollte ich vielleicht, statt auf das Buch zu warten, nicht lieber den ICE/TGV ab Frankfurt nehmen und Magny in seiner Weinbar besuchen? Finden tut man Magny und seinen Laden hier:
68, rue Jean-Jacques Rousseau, 75001 Paris – dieser ist im 1. Arrondissement. 

Weitere Infos zum Buch und ein Interview mit dem Auto finden Sie beim Verlag.

Das Buch wird mir hoffentlich noch kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ich erhalte kein Honorar. Der Link zur Bahn erscheint aus Liebe zu selbiger.

Magny_OParis_fuer_Liebhaber_v2_167015.jpg
Quelle: Blanvalet/ Random House via Blogger Portal

 

Lese-Tipp: Slow und jetzt mal ganz langsam!

..über Auslassendes.

Winfried Hille legt mit „Slow“ einen Leitfaden für ein bewussteres Leben vor. Das Thema ist immer etwas tendenziös, da es schnell zu einer „Klangschalen“-Ebene kommen kann. Bei Robert Betz zum Beispiel, der aber auch viel Richtiges sagt. Ich beurteile nun nur das mir vorliegende Buch und nicht die sonstige Tätigkeit oder Publikation von Winfried Hille.

Das im Gütersloher Verlagshaus (Random House) erschienene 190 Seiten starke gebundene Buch beleuchtet in 10 Hauptkapiteln die verschiedenen Wirkbereiche des Slow-Lebensstiles. Sei es beim Reisen, dem Essen, der Liebe, dem Arbeiten oder den zwischenmenschlichen Beziehungen.
Hille skizziert nicht übertrieben eine Gesellschaft in der Hast, immer in der Angst, nicht mehr mitzukommen, etwas zu verpassen, eine bessere Option nicht wahrzunehmen. In seiner so zur Anklage werdenden Position, hat er recht.

Die meisten Menschen sind immer im Stress, am Limit und tun alles, um „richtig“ zu sein. Performance und Vergleichbarkeit sind alles. Konsum und dessen Finanzierung sind die Motoren für jedwedes Tun und Taktieren. Der Partner, die Freunde, die Karriere – alles könnte besser sein. Online zu sein ist obligat und jeder Moment wird auf die Darstellbarkeit vor anderen abgeklopft. Likes sind die Schulterklopfer des digitalen Lebens, offline ist quasi ein menschliches Vorsiechtum. Die Menschen verlieren sich, sind nicht abgelöst vom Elternhaus oder Wechseln direkt von der Anbindung an die Eltern an die Technik. Fluch und Segen zugleich.

Wo werden die selbständigen, kritischen Menschen bleiben? Menschen, die keinen Stundenplan zum Studieren brauchen, die nicht eine App als Stylingeberater hinzuziehen und auf die Frage, warum sie etwas bestimmtes kaufen, mit wahnhaften Konsumblick antworten: Ich brauche das jetzt einfach. Der Dispo ist mehr am Anschlag als die Ratio es jemals sein könnte, doch das Netzwerk drängt. Der Partner auch. Tinder bietet unendliche Optionen. Die Welt liegt zu Füßen, wer will sich da noch entscheiden.

Die Frage aber ist, was erleben die Menschen wirklich noch? Wer hört noch aktiv zu? Auch ohne auf das Smartphone zu blicken, schaffen die Menschen immer kürzere Aufmerksamkeitsspannen. So rät Rolf Dobelli zur strikten News-Diät und mehr dem Konsum langer Textstücke.

Und wo liegt der Kern bei der jungen Generation? Es fängt lange vor der Schule an. Heute bei meinem französischen Café, setzten Eltern ihr eineinhalb jähriges Mädchen vors Smartphone auf dem eine beliebige Comic-Serie lief. Die Eltern hielten es nicht aus, sich um das Kind zu kümmern, oder auch nur zu ertragen, dass das Kind einfach mal nichts zur „Bespaßung“ vor sich hatte. Eine furchtbare Szene! Was soll aus diesem Kind werden? Wie soll es sich zurechtfinden, wenn es von Grund auf erzogen bekommt, auf ein Display mit Internet angewiesen zu sein?

Alleinsein und Aushalten von Situationen sind auch Hilles Themen. So beleuchtet der Autor im Reisekapitel die Erfahrungen des Allein-Reisens. Wer hält das noch aus? Da wird lieber mit Freunden in den Urlaub gefahren, die man eigentlich gar nicht kennt und noch viel weniger mag. Doch bloß nicht alleine ist die Losung. Was du machst am Wochenende nichts? Was ist los mit dir, schallt es einem unentwegt entgegen. Die Unterstellung seelischen Leidens ist nur einen Haarspalt entfernt. Beziehungen werden eingegangen, um der Einsamkeit zu entgehen, Partner werden zum auswechselbaren Lebensvehikel.

Hille spart nicht mit Zitaten. Quasi an jeder Ecke wartet er mit guten und sinnpassenden Worten weiser Menschen. Doch es erscheint gesamt etwas gedrungen, was Hille da aneinanderreiht.
Es wirkt trotz aller inhaltlichen Richtigkeit nicht „Slow“, das „Slow-Buch“.
So ist hier weniger am Inhalt, als an der optischen Aufbereitung zu kritisieren. Das Buch atmet hektisch, die Einleitung beginnt auf einer Rückseite und halbe Leerseiten sind praktisch nicht vorhanden.
Das nervt.
Es ist eng gedrungen, es stresst mich beim Lesen. Das zieht sich durch das ganze Buch. Dafür bin ich dem Verlag etwas gram.
Dennoch sollte man Hille die Lesechance geben. Er seziert das Thema „Leben“ und dessen Geschwindigkeit auf guten 190 Seiten in überzeugender Detailgenauigkeit.

Ich hingegen werde nun den Laptop schließen und mich auf mein Bett legen und gar nichts tun. Warum? Weil das Leben ist.

Alles weitere finden Sie beim Verlag hier.

Was sollten Sie auch lesen?
– „Muße“ von Ulrich Schnabel
– „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky
– „Slow Travel“ von Dan Kieran
– „Wofür es sich zu leben lohnt“ von Robert Pfaller (Achtung, schwere Lektüre!)
Das Buch wurde mir kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ein Honorar erhalte ich nicht.

Hille_W_Slow_165017.jpg
Quelle: Gütersloher Verlagshaus/ Random House via BloggerPortal

 

 

Lese-Tipp: di Lorenzo hat versagt und Lubbadeh ist unsterblich

…über Klonbares.

ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hat versagt! Denn, so di Lorenzo bei einer Rede an der Katholischen Journalistenschule ifp in München, zu seinen anstrengendsten Aufgaben bei der ZEIT gehöre, den Redakteuren das Gefühl wegzunehmen, sie seien Schriftsteller.*
Im Fall des freien Autors im Ressort Wissen, Jens Lubbadeh, hat das nun nicht ganz funktioniert. Mit dem Wegnehmen. Dafür gibt der Hamburger mit „Unsterblich“ seinen Debüt-Roman bei Heyne der Öffentlichkeit her. Und als Wissenschaftsjournalist ist sein Blick nach vorne gerichtet. Eine „Dystopie“, wie ich lernen durfte.

Im Jahr 2044 ist der Tod, scheinbar, überwunden. Die Menschen leben fortan als eine Art Klone, ja quasi als Hologramm. Genannt „Ewige“, fristen sie ihr bewusstseinsloses und unsterbliches Dasein für die wahrhafte Ewigkeit.
Nicht berührbar und dennoch fort ist der Klon von Marlene Dietrich. Benjamin Kari, Mitarbeiter der Versicherungsfirma Fidelity, wird nun mit der Suche von ihr beauftragt. Fidelity ist für die Zertifizierung der Ewigen verantwortlich, die seitens der Firma Immortal erschaffen werden. Quasi der Auditor der Zukunft.
Auf verworrenen Wegen und zusammen mit Journalistin Eva (welch´passend-schöpferischer Name…) begibt sich Kari auf die Suche nach der Dietrich.
Die Suche an sich dient immer wieder als Projektionsfläche für die Betrachtung von ethischen Gesellschaftsfragen: Welche Grenzen gebietet die technische Grenzenlosigkeit? Gibt sie wirklich Ersatz oder ist der Betrug ein viel größerer Verlust? Dietrichs digitaler Klon ist fix 36 Jahre alt. So etwas würden sich viele Freundinnen von Leonardo di Caprio wünschen – es würde sie vor dem Austausch vielleicht retten. Und vielleicht würde der Herr gar keinen Unterschied feststellen.
Die Suche verändert Kari und lässt ihn die großen, fundamentalen Sinnfragen zu sich und seiner Tätigkeit und dem System ansich stellen.
Lubbadeh greift die Urangst des Menschen auf. Die Angst vor dem Tod, dem Sterben und vor allem der Endlichkeit. Welchen Preis wollen wir bezahlen, um diesem zu entgehen? Der Preis in „Unsterblich“ scheint ein hoher zu sein. Die vollständige Unterwerfung des Menschen unter die Technik, die Unkontrollierbarkeit und der fahle Beigeschmack, mit den Ewigen doch nur eine sehr dürftige Variante einer ewigen Fortführung eines jeweils einzigartigen Wesens geschaffen zu haben.
Wahrhaft unsterblich ist nur einer geworden: Jens Lubbadeh hat sich mit seinem Werk den unsterblichen Platz in den Reihen der Romanautoren gesichert.

Das Buch an sich ist ein sehr wertiges Paperback mit exakt 445 Seiten. Die stilisierte Silhouette der Dietrich erscheint sowohl auf dem Cover als auch durchweg im Buch, die goldene Titelschrift ist geprägt.

Mein Fazit: Gut geschrieben und dennoch können mich visionäre Plots im Sinne der Zukunftsgestaltung menschlicher Endlichkeit nicht wirklich vom Hocker hauen. Das liegt aber an mir und nicht an dem gut geschriebenen Buch mit spannendem Plot. Für alle harten Realisten wie mich, ist es aber zumindest eine neckische Erfahrung. Und wer weiß, bei der Angst, die die meisten Menschen vor ihrer Endlichkeit haben, werden einige bereit sein, diesen hohen Preis zu zahlen. Dazu kann man sich gerne bei Friedman die Folge „TOD!“ mit Wolfgang Huber vom 26.04.2016 anhören.

Mehr Informationen zum Buch erhalten Sie beim Verlag (Heyne gehört zu Random House).
Und lesen Sie auch von Lubbadeh: „Virtuell in alle Ewigkeit“ in: ZEIT 31/2016
* = in den ersten dreißig Sekunden des Videos
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Heyne Verlag als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ich erhalte kein Honorar.

9783453317314_Cover
Quelle: Heyne/ Random House via BloggerPortal

 

 

Lieb sein…

…hilft wirklich.

Mein Dreisatz aus meiner Initiative Lieb-sein-hilft:

a) Herzlichkeit und damit Humor

b) Ebenengleichheit und damit Augenhöhe physisch und menschlich

c) aktives Hören, Sehen, Fühlen und damit auf Empfang für alle unmittelbaren und mittelbaren Signale des Patienten

Gestern war in der SZ ein Kurzbericht zu c:

Ein Krisenhelfer für Menschen, die von einer großen amerikanischen Brücke springen wollen. Fazit: Er hörte ihnen zu und ließ sie selber zurückkommen auf die Seite des Lebens (Vermischtes oben links, leider kein Screenshot).

Heute in der SZ am WE etwas zu a:

Humor hilft. Leider nicht evidenzbasiert bisher, aber eigentlich logisch. Auch um kritische Situtionen zu entschärfen.

ARD-aktuell — ähhhh

…lesen und staunen. Ich fasse es nicht. Und Rentner Uli Deppendorf raffts als Einziger.

Bericht Meedia.de

Debatte nach Nizza und Türkei: Warum es keinen öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender geben wird

Inbox Zero

…über Leeres.

Lange habe ich mich gewunden, dann mit einem Ruck die Inbox auf Zero gezogen und muss sagen: happy. Und, Nebeneffekt: Die Abarbeitung neuer Emails fällt damit knackiger aus. Anfangs fühlt man sich aber etwas ungebraucht, das legt sich aber.

Das Urheberrecht – aus der Sicht der Dinge

…über Verwirrendes.

Peter Breuer, bekannter Werbetexter und twitter-Ikone aus Hamburg, brachte es 2012 sehr auf den Punkt der 140 limitierten Zeichen:

„Da hast Du 1 Terabyte geklaute Musik auf der Platte, jammerst aber, wenn Dein billiges Witzchen unter anderem Namen auftaucht. Schon klar.“ – Peter Breuer auf twitter.com

Oder wie Harald Schmidt mal sagte, dass die Leute sich über „die da oben, die sich die Taschen vollstecken“ echauffierten und selber schwarz führen. Ihnen fehle einfach nur die Gelegenheit selbiges zu tun, wie die vermeintlich oben stehenden, so resümiert Schmidt.

So ist die gefühlige Auslegung von Recht auch sehr irritierend. Der Bürger definiert vieles als sein verbrieftes Recht, und vergisst die wahren Grundwerte. Von der -notwendigen- kühlen Struktur der Juristerei ganz zu schweigen. Da werden Urteile aufgrund von Ansichten begründet, die die Grundlage der Definition von Eindimensionalität im Physik-Grundkurs sein könnten. Wenn es anderen schadet ist es wurscht, aber besteht nur die geringste Wahrscheinlichkeit, dass es einem selber schaden könnte, wird eine Staatsaffäre daraus.

Wenn Uli Hoeneß in die Haft muss wegen Steuerhinterziehung, schreit die Menge nach harten Strafen, um gleichzeitig der illegal beschäftigten Putzfrau in völligem Selbstverständnis unauffällig das Geld in die Hand zu drücken. Das, so der einhellig im Treppenhaus skandierte Selbstgerechtigkeitsmodus, sei „ja wohl was ganz anderes“.

Doch wo fängt grundlegend gelebte Moral an, wenn nicht bei einem selber? Was, wenn alle immer auf die anderen zeigten, alles zentral an sich relativierten, um dafür umso mehr die dezentrale Keule der Verurteilung bei den anderen schwingend zur Geltung zu bringen?

Moral, Werte und faires Miteinander können nur aus einem selbst kommen, aus einer intrinsischen Motivation. Woher denn auch sonst? Wenn alles nur der gefürchteten Strafe wegen eingehalten wird, spricht dieses nicht für eine weiterentwickelte Spezies. Es spricht für das, was der gute Bürger am meisten fürchtet und verurteilt: freche Beliebigkeit.

Das Video über den Tweet von Peter Breuer sehen Sie hier.
Folgen Sie Peter Breuer auf twitter @peterbreuer oder besuchen ihn online: peterbreuer.de

 

Einwurf zum Anstoß

…über alles und nichts.

Sie wollen alle individuell sein, etwas besonderes. Was ganz eigenes.

Sei allen gegönnt.

Und sitzen nun doch alle beim Fußball. Neben dem Carport. Am Webergrill. Mit Aldi-Fleisch. Mit Tröte.

Mit ner‘ Frau, die sie täglich auf Youporn betrügen, mit nem‘ Mann, dessen Atmung allein sie in stillem Hass erstarren lässt.

Mit Kindern, die begründender Kit und Leidensableiter geworden sind. 

Ihre Maßeinheiten sind nicht Momente des Glücks, sondern katalogisierte Checklisten westlicher Konsumorientierung. Das Begehren gilt Aquarien, Gartengeräten, Einbauküchen, Effizienzbauweisen. 

Das Eigenheim wird zum Drehpunkt absoluter Erreichungsdefinition. Ankommen tut hier nur materielles.

Es geht nicht darum, den Weg zum Schaffen zu gestalten, zu genießen. Es geht nur um Effizienzmaximierung des monetären Ergebnisses. Das Ergebnis des Schaffens ist hintertrefflich.

Auf alternative Arten der Lebensführung, reagieren sie mit abschätziger Angriffslust. Sie argumentieren. Um ihr Leben. Um das Konstrukt. Eingestehen heißt für sie Untergang. 

Sie agieren mit einer kritischen Reflektionsfähigkeit, die kein Schurkenstaat dieser Welt auf sich anwenden täte.

Ein Hoch auf das Reihenhaus, die Doppelhaushälfte, in der mehr Einsamkeit herrscht als am menschenleeren Nordpol.

Es sollte sicher sein. Und wurde zum sicheren Ableben vor dem Tod.

Ach, Leute. Der Lack der Zivilisation ist dünn. Dünner als Flugzeuglack*.

* und der ist so dick bzw. dünn wie drei gedrehte Menschenhaare

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑