Hat das System oder kann das weg?

…über Geregeltes.

Ich werde manchmal gefragt, wie man beim Zeitunglesen vorgeht, vor allem, wenn man so viel lese.

Ganz einfach: a) nach dem Lust-Prinzip (frei nach Giovanni di Lorenzo) und b) mit System. Ich kenne den Aufbau ‚meiner‘ Zeitungen fast auswendig und habe ein fixes System zur Ordnung der zu lesenden Beiträge. Bei der ZEIT klappe ich den gesamten Corpus auf und finde das Inhaltsverzeichnis (ist dort neuerdings praktisch positioniert, war vorher letzte Seite 1. Buch) und markiere dann, was ich lesen will. Entweder lese ich dann spontan los oder gehe die einzelnen Ressorts/Druckbücher durch und markiere und wähle ggf. genauer aus, priorisiere. Beim Anlesen entscheidet sich dann, ob nur lesen, markieren oder gar archivieren angesagt ist, oder sogar ein Leserbrief/ Autorenkontakt sinnvoll wäre. Auch checke ich alle Artikel auf die Verwendbarkeit/Anregung für meine Autorenarbeit. Soweit erstmal…


So sieht das ZEIT-Inhaktsverzeichnis aus, roter Gelstift der gut gleitet zum markieren. 27/2016

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Lese-Tipp: Rom an 66 Orten

…über Rom.

Stefan Ulrich hat schon mit seinen Romanen über die Auswanderung seines Alter Egos nach Rom als SZ-Korrespondent überzeugt. Nun kommt in der INSEL sein neues Buch als alternativer Reiseführer. Lese-Tipp von mir, er schreibt sehr angenehm.

Die FAZ im Magazinflow

…nach der Wochenausgabe nun also auch noch eine vierteljährliche Variante. Ich bin gespannt. Die Wochenausgabe ist so trocken und langweilig wie das Blatt in den Zeiten der S/W-Ära…


SZ, 24.06.2016

Dreharbeiten: checked!

…über Fortbildung.

Dreharbeiten abgeschlossen mit minus 1:15h der angesetzten Drehzeit. War ein sehr schöner Drehtag in Bayern mit Michaela, Frau N., Olli und Lukas und Lukas.

Harald Schmidt in der Gallerie

…über es dauerte.

Sky lieferte freundlicherweise das Bild und die BONITO-GF Sigrid Korbmacher war wirklich sehr nett und zugewandt bei der Kommunikation.

Und natürlich großer Dank an Harald Schmidt!

Felix und ich freuen uns sehr!

Mein Standardwerk Erste Hilfe

…über eines der wenigen.

2013 habe ich es geschafft, mein Erste-Hilfe-Lehrbuch nach langer Anerkennungsphase von der DGUV zugelassen zu bekommen. Damit habe ich eins von nur elf durch die DGUV zugelassenen Standardwerken für Erste Hilfe in Deutschland.

Auf 81 Millionen Einwohner.

Lese-Tipp: Ist da oben jemand?

…über die Enden der Welt.

Prolog

Blut rinnt durch das blaue, wellige Haar. Es verteilt sich, perlt, rinnt und bleibt schließlich stehen. Es färbt die vollen Haare in den purpurroten Saft des Lebens. Ich kann den Fluss des selbigen befeuern oder stoppen, die Richtung beeinflussen. Und wische es spontan mit dem aus Latex bestehenden Handschuh ab. Die Haare sind die von Johann Wolfgang von Goethe. Das Blut nicht. Es rinnt durch seine Haare, weil es nicht seines ist. Es ist das Blut von Katja. Es ist ihr laminierter Studentenausweis. Im Scheckkartenformat. Es regnet, der Wind zerrt an mir und meiner Kleidung. Das Gel in meinen Haaren wird erst dicklich, dann zerläuft es. Beständige Nieseltropfen treffen auf meine Gesichtshaut und malträtieren sie wie kleine Nadeln unablässig. Das Blut auf dem Ausweis verdünnt sich, gibt mehr Blau von Goethes Haar frei.
Ich starre in die ungemütliche Nacht.
Der Frühling ehrt seinen Charakter mit Wechselwetter. Meine Knie brennen, meine Hose ist nass. Ich schaue auf die Umrisse der Frankfurter Skyline, der Wind weht und pfeift. Atme ein, starre, wische über den Ausweis. Zeit spielt keine Rolle mehr. Denn Katja wird ihren Studentenausweis nie wieder benutzen. Benutzen können. Sie liegt neben mir, hat die Augen geschlossen und auch an ihr zerrt der Wind, lässt ihre Haare tanzen. Katja ist tot. Unwiederbringlich. Im Fachjargon wird es heißen: Verletzungen die mit dem Leben nicht vereinbar sind. Wir sind zusammen auf der Bundesautobahn A5, Fahrtrichtung Frankfurt. Vor zehn Minuten kannte ich sie nicht. Und sie konnte mich gar nicht mehr kennenlernen. In diesem Leben. Als ich mich auf die Couch fallen ließ und das Fernsehen abfällig kommentierte, erlebte sie ihre letzten Minuten; ohne dieses zu wissen. Was sie wohl dachte, erlebte, wahrnahm? Katja wurde nur wenige Minuten nach meinem Dienstbeginn getötet. Bei einem Verkehrsunfall.
Von ihrem Kleinwagen ist nichts mehr wie es einmal war. Die Marke nicht zu erkennen, das Lenkrad ein einziger Klumpen. Der Motor auch. Durch eine unglückliche Verkettung von Umständen kam sie ums Leben. Sie war allem Anschein unterwegs von zuhause, südliche Provinz und wollte wieder in die Studenten-Wohnung in Frankfurt. Sie hatte es fast geschafft, als sie durch jemanden anderen ins Schleudern gebracht wird und eine Oberklasselimousine nicht mehr ausweichen kann. Mit hoher Geschwindigkeit wird ihr Kleinwagen zur allumfassenden Knautschzone. Und sie ebenso.
Ihr Genick ist entzwei. Die kinetische Energie hat es zerrissen, es liegt zerborsten in ihrem Hals, der Intubationsversuch von uns kann abgebrochen werden. Sinnlos, noch Maßnahmen ergreifen zu wollen. Infaust wie Mediziner sagen, hoffnungslos.
Während das wildgewordene Wetter sich an mir austobt, liegt sie auf dem kalten Boden der A5. Wo eben noch der Feierabendverkehr rauschte und raste, herrscht nun Stille. In der Ferne sehe ich die Feuerwehrkollegen beginnen zu kehren. Alles wieder auf Nullstellung. Mein Kollege wühlt im Fahrzeug nach einer Decke. Der Gegenverkehr glotzt auf Katja. Er bedeckt sie, doch die Decke reißt sich immer wieder los.
Störrische Decke!
Ich starre in den Nachthimmel und halte versteinert das Portemonnaie in der Hand. Und den Ausweis. Alles ist blutgetränkt. Ich warte auf den Notarzt, der in seinem Fahrzeug den Leichenschein sucht. Personalienfeststellung, vorläufiger Leichenschein. Auf den Bestatter warten. Routine. Der Unfall wird einen Zehnzeiler in der Regionalpresse auslösen. Damit ist die öffentliche Anteilnahme abgegolten.

Ich schaue auf meine Uhr, es ist Tagesthemen-Zeit. Irgendwo in Süddeutschland sitzt ein Menschenpaar auf der Couch. Gutbürgerlich, Carport, soweit alles sicher geregelt im Leben.
So meine freimütige Vermutung.
Sie sind Eheleute, und Eltern. Und haben ihr vielleicht einziges Kind verloren. Katja, neben mir liegend. Die Katastrophe des Geschehens ist einsatztaktisch vorüber, gesichert, trainiert. Und doch sitzen zur Sekunde zwei Menschen irgendwo unbedarft und unwissend vor dem Fernseher. Sie mögen sich vielleicht über das gemeinsame Wochenende mit der Tochter unterhalten.
Für diese zwei Menschen wird diese Nacht der Auftakt in ein neues Leben. Es wird die wohl schlimmste Zeit ihres Lebens kommen. Ahnen sie, welche einschneidende Dramatik auf sie zurollt? Hatten sie wohl ein ungutes Gefühl? Wie werden sie reagieren, wenn es spätnachts an ihrer Tür klingeln wird? Wie wird ihr Umfeld reagieren? Und: ob sie diese Lebenskrise wohl gemeinsam überstehen?
Die Fragen schießen durch meinen Kopf an dem der Regen in Strömen ein Wettrennen herab vollführt. Sie werden mehr und mehr und verschränken sich, blockieren sich und zerfallen in die Vorstellung der Couchsituation. Noch sind sie unberührt in einer Parallelwelt der Nicht-Information. Diese Parallelwelt ist die rigoroseste Einbahnstrasse der Welt. Sie werden sich wünschen, noch wenigstens ein einziges Mal zurückzudürfen, doch unmöglich. Kein Zurück mehr. Nie mehr. Die Zeit der Unbedarftheit tickt unablässig. Ich blicke an mir herab, die weiße Einsatzhose ist getränkt von Öl, Schmutz, Wasser und Katjas Blut, die Reflexstreifen blind. Mir spritzt der Regen an die Beine. Der Notarzt fasst mir auf die Schulter. Er braucht die Papiere. Mit oder ohne Blut.

Die andere Seite

Regen spritzt auch Bärbel Schäfer an die Beine. Es ist die A9 bei Pegnitz. Einem beschaulichen und langweiligen Ort in Bayern. Nach einem Lehrgang unter hohem Fieber und Halsschmerzen wird mir dieser Ort immer als schaurig in Erinnerung bleiben. Schaurig ist hingegen eine leichte Untertreibung für die Emotionen, die Bärbel Schäfer durch den Kopf zucken, wenn sie von Pegnitz hört. In der Berliner Kurve, einem Unfallschwerpunkt, stirbt im Oktober 2013 ihr Bruder Martin.
Ihr einziger Bruder.
Bärbel Schäfer kennt der geneigte Fernsehzuschauer aus der gleichnamigen RTL-Talkshow. Neben Hans Meiser und Ilona Christen, war Schäfer die Koryphäe der 90er Jahre. Mit blondem kurzen Lockenkopf und (wie man damals sagte) frechem Auftreten fragte sie sich durch die Untiefen des menschlichen Seins. Sie war die 14:00 Uhr. Das erste, was man nach der Schule auf RTL sehen konnte, wenn man denn den Fernseher einschaltete. Neben ihrer Bekanntheit als TV-Talkerin der ersten Stunden, ist sie in der öffentlichen Wahrnehmung die Ehefrau des von mir sehr verehrten Michel Friedman. Friedman atomisierte sein bürgerliches Leben 2003, als er mit Koks und Zwangsprostituierten erwischt wurde. Das vorläufige Ende seiner öffentlichen Tätigkeit, auch und gerade als Moralist. Schäfer hielt zu ihm, weil sie, wie sie 2009 in der hr-Sendung „höchstpersönlich“ anmerkte, auf alle ihre Fragen Antworten bekommen habe. Sie gab ihm eine zweite Chance – wie die Medienwelt dann auch. Lokaler wird die Gruppe der Menschen, die sie heute als langjährige Moderatorin ihrer eigenen sonntäglichen Gesprächsreihe auf hr 3 kennen.

Martin, ihr Bruder, ist sofort tot. Er kommt auf regenasser Fahrbahn mit seinem Porsche ins Schlingern, überschlägt sich mehrmals. Ihm wird der Kopf abgerissen. Keine Chance, no return. Für Bärbel Schäfer sind es schwarze Zeiten, die für sie und ihr Umfeld anbrechen. Tiefschwarz, pechschwarz. Denn Schäfer verliert nicht den ersten nahestehenden Menschen durch einen Verkehrsunfall. Ihr vorheriger Lebensgefährte, der Fotograf Kay Degenhard verunglückt 1998 tödlich.
In ihrem Buch „Ist da oben jemand?“ offenbart sich Schäfer und auch wieder nicht. Auf 223 Seiten versucht sie sich dem Unfalltod und den unausweichlichen Fragen des Lebens zu stellen. Sie beschreibt in klaren, schroffen, bisweilen schnoddrigen Sätzen ihr Erleben ab dem Unfall. Genauer gesagt ab der Todesmitteilung. Sie umtreibt die Frage, ob es Gott, Religion und Glauben gibt bzw. nutzt. Sie findet die Fotos der Fotografen an der Unfallstelle exhibitionistisch und kann selber der Versuchung kaum widerstehen, selbige immer und immer wieder zu googlen. Ist das Buch exhibitionistisch? Wäre es verlegt worden ohne ihre Bekanntheit? Ist der inhaltliche Verlauf tragend? Schwierig! Grundsätzlich haben Prominente natürlich für Themen Trägerfunktionen. Sonst wären Schirmherrschaften sinn- und zwecklos.
Findet man als Leser eine Analyse, ob Glauben lohnt, was Gott ist oder sein könnte? Nein. Es ist kein analytisches Buch. Zumindest nicht, was die Passagen der Glaubensfindung angeht. Diese sind angenehm zu lesen und der Autorin sicher auch so widerfahren. Dennoch sind sie nicht das Ergreifende an diesem Buch. Vielmehr überzeugt Schäfer als Fürsprecherin von Trauerverarbeitung und nimmt sich höchst selbst als Beispiel.
Sie ist ehrlich, sehr offen, man hat die Sorge, sie könnte das Maß an Offenheit verlieren. Man möchte sie beschützen, im Schreiben bremsen. Sie in den Arm nehmen. Und daher beruhigt einen, dass sie wirklich persönlichste Passagen in geschickter Erzählung nicht öffentlich werden lässt.
Sie umschreibt den Weg zur getrennten Überbringung der Trauernachricht an ihre Eltern sehr wortreich und verständlich, lässt aber die Reaktion der Eltern aus. Zu Recht und ohne dass es auffällt oder der Dynamik Abbruch täte. Sie öffnet in asynchron langen Kapiteln in wechselndem Textaufbau- und Struktur das Jahr nach dem Tod ihres Bruders. Der Bruder mit dem sie, neben der privaten Basis, auch beruflich fest verbunden war.
Mit ihrer Firma Couch Potatoes produzierten sie zeitweise TV zusammen. Es schweißte sie noch mehr zusammen. Sie spart in allem rückwärtigen Pathos aber auch nicht mit Kritik an ihrem Bruder, seinen Fehlern und seinem Fahrverhalten welches ihm zum Verhängnis wurde.
Schäfer schafft es mit ehrlicher Klarheit und Öffnung den Leser durchweg zu binden, mit griffigen Wortschöpfungen („Lebensleitplanke“, „Katholische Showtime“) gelingt es ihr kurze Stimmungsaufheller in den sonst tieftraurigen Verlauf ihrer Gefühle zu bringen. Sie nimmt die Leser mit durch ihren Lebensverlauf in den Monaten nach dem Tod. Dazu nutzt sie auch den Blick in die Kindheit und die familiären Verflechtungen.
Zwischen Gefühlslagen und der technokratischen Abwicklung dessen, was nach dem Tod eines Menschen geregelt werden muss. Sie schreibt, sie habe sich selbst verloren und geht auf die kreative Suche nach sich selbst. Sei es Yoga, Schweigehaus, Kirche oder glaubende Freunde.
Auf die Entgegnung, sowas habe man schon gelesen, kann man mit gütiger Miene entspannt antworten: Ja, aber nicht von ihr. Denn auch das ist klar nach diesem Buch: Trauer ist sehr individuell und eine einsam zu bewältigende Phase. So fragt ihr Mann in seiner Gesprächsreihe im Schauspiel Frankfurt den ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber, warum es neben Elternzeit, Altersteilzeit und Co. denn keine geregelte Trauerzeit gebe. Wer das Buch von Bärbel Schäfer liest, weiß warum er dies so berechtigt fragt.

Epilog

Das Buch von Bärbel Schäfer ist für mich ein Mosaikstück gewesen. Da ist sie, die andere Seite! Das Gegenstück! Dass was mir im Falle von Katja nur in Gedankenkaskaden möglich war, konnte ich nun auf Papier nachlesen – in aller Intensität. Und meine Gedanken haben mich nicht getäuscht. Mit der Überbringung der Todesnachricht fängt das eigentliche Unglück erst an.
Mein Kollege fasst bestimmt meine Schulter. Wir müssen los. Die Nachtschicht ist noch lange nicht vorbei. Ich ziehe entkräftet die Beifahrertür zu. Das Leichentuch weht im verregneten Wind.

Bärbel Schäfer: „Ist da oben jemand?“, erschienen im Gütersloher Verlagshaus, gebunden.

Trailer zum Buch auf Youtube

Weitere Informationen beim Verlag hier.

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ich erhalte kein Honorar.

 

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Kunst im Facilityversum

…über Kunstvolles.

Das Hauptquartier der WISAG in Frankfurt am Main. Ein Haus einer Unternehmung, die seit 1965 einen unglaublichen Erfolg aufweist und doch noch überrascht: Durch unglaubliche Dichte an liebevoll ausgewählter Kunst! Ich war wirklich baff. Das für mich schönste Bild hängt im „Treppenhaus“.

GEWISSEN!

über vor der Sommerpause.

1. Reihe war spannend zu sitzen und noch spannender, genau beobachten zu können. Nachhörbar in der Mediathek des Schauspiels.

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