Eine Hommage: Roger Willemsen – Wir verdichten für Sie weiter! {Nachruf}

…über eine Liebe.

Eine Hommage voller inbrünstiger Zuneigung in sieben Akten

{Meine persönliche Empfehlung – Musik für das Lesen: Karl Jenkins´ „Palladio“}

AKTUELL: Radiofeature des Deutschlandfunks über Roger Willemsen

Akt 1: Das Kennenlernen

Ein Mann mit wirren Locken und einer Intro-Musik, die mir aus dem Formatradio der 90er nicht bekannt war. So lernte ich Roger Willemsen Mitte des endenden letzten Jahrhunderts kennen. Als Zehnjähriger konnte ich den Gesprächen zwar keinen Deut Inhalt abgewinnen, dennoch bemerkte ich eine sehr liebevolle Person in den zuweilen bunten Westen und Hemden verquickt mit einem langen Bein umhüllt von Cordstoffen, welche den Gästen am eckigen Tisch keck vorlehnend Fragen stellte; und dabei nie um ein verschmitztes Lächeln verlegen war. Willemsens Leuchtschriftzug in marinem Blau wurde für mich der erste Inbegriff einer Gesprächssendung verbunden mit den kosmopolitisch wirkenden Trompeten jazziger Natur im Vorspann.

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Udo Jürgens zu Gast in Willemsens Woche 1995; Quelle: Screenshot Youtube

Er sollte mir danach Jahre aus meinem pubertärem Fokus scheiden, um dann umso mehr zum Beginn des dritten Lebensjahrzehnts wiederzukehren.
Als Inbegriff der Intellektualität.
Dieses mag vielen Intellektuellen nicht gerecht werden, doch er verband ohne aggressives Zutun den wissenschaftlich-eloquent denkenden Menschen mit boulevardeskem Lebensinteresse. Und das sicherte ihm mehr als die gern umschriebenen und gefeierten „Happy Few“. Das Erreichen derer war ihm qua Ausbildung gewiss, doch wie in seinem ganzen Lebenswerk, interessierte er sich immer bis an die Grenze. Sei es in „Die Enden der Welt“ oder „Der Knacks“ – mithin erschien er mir als Balancier der Abgründe, immer hinüberlukend in das, vor dem die meisten Menschen die grundlegende Existenz verleugnen zu versuchen. Als Gesprächspartner konnte er in seinen Sendungen unglaublich einfühlsame Werke der Kommunikation herbeiführen. Und Menschen grillen. So sind die Interviews mit dem ehemaligen FOCUS-Chefredakteur Helmut Markwort oder dem Konsul Weyer heute Lehrstücke für junge Journalisten. Unvergessen auch sein (vielzitiertes) Interview mit Madonna. „Kalt wie ein Eisschrank“ sei sie gewesen und als sie mit seinen „europäischen“ Fragen argwöhnte, kommentierte sie, ihre Therapeutin käme auch aus Argentinien – welches sie in Europa verortete. Er „floh“ danach mit dem Filmmaterial, weil er Sorge hatte, sie merke ihren Fauxpas und würde das gesamte Material kassieren.

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Das legendäre Interview mit Helmut Markwort 1995, damalig Chefredakteur des FOCUS, der zweijähriges Jubiläum feierte

Es ist der 18. August, wenige Tage nach seinem 60., als ich von der Krebserkrankung Willemsens erfahre. Es klingt strukturiert und privat wie ich es vermutet hätte. Kein Wort über die genaue Art der Erkrankung, keine Bilder, keine Statements. Nichts. Es scheint also doch noch möglich zu sein. Oder ist es vielleicht doch die Herangehensweise des Promis gegenüber der Medien, wie Aussagen von Medienanwalt Christian Schertz (Schertz Bergmann, Berlin) erahnen lassen? Und was ohne Aufheben begann, bleibt auch von weiteren Meldungen frei. Kein Wort mehr, keine Wasserstandsmeldung. Ich greife nach dem Newsticker sofort zu meinem Briefpapier und schreibe Genesungswünsche.

Akt 2: Der Werdegang

Willemsen studierte Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte zuerst in seiner Heimat Bonn, dann in Florenz und anderen europäischen Städten. Er promovierte zur Dichtungsthorie Robert Musils, der ihn zeitlebens beschäftigten sollte. Auf seine akademischen Titel oder gar einen solchen Habitus legte er keinen Wert. Nur die Menschen bei der Bank, so Willemsen in der Sendung „THADEUSZ“, müssen ihn mit „Doktor“ anreden.
Während seines Studiums arbeitete er als Reiseleiter und Pförtner. Hierbei ließ er gern verschmitzt lächelnd fallen, unter anderem für die FDP tätig gewesen zu sein. In seinem Pförtnerleben erlebte er auch die Untiefen des Lebens. In einer Nacht fand einer tote Person – und zweifelte bis in die Jetztzeit an den wirklichen Umständen des Todes. Quasi im Nebensatz einer lustigen Geschichte, die er wie kaum ein anderer parlierend und wachhaltend präsentierte, ließ er solche Untiefen des Lebens einrotieren.
Nicht ohne tiefer werdende Falten um seinen Mund.
Zwischen jovial und bitterem Ernst war bei ihm wenig Wegstrecke der Überbrückung notwendig. So klagte er Heidi Klums Vater mit Nachdruck an, seiner „Rede“ intellektuell nicht gewachsen gewesen zu sein und dass es besser wäre wenn er „aus dieser Form des Mädchenhandels entfernt würde“ (vgl. SWR Uni-Talk, ab ca. Minute 34:05). Günther Klum ist nicht für seine Ruhe auf solche Aussagen bekannt, dennoch bestand Willemsen vehement auf seiner Feststellung, „allein schon, um meinen Lebensbereich zu schützen“.
Dieser Ausspruch war mir ein sehr lieber geworden.
Denn auch so sehe ich häufig die Aufgabe derer, die nicht dem Mainstream entsprechen und nicht entsprechen wollen. Der Lebensraum des emotional agilen, feinfühligen, und herzlichen Menschen muss mit Rücksicht auf ihre sie selbst auch beherrschenden Eigenschaften mit Nachdruck gesichert und versichert werden.

Es ist der 08. Februar 2016 um genau 15:16, als mein lieber Freund SFA mir die kurze aber alles sagende SMS „roger willemsen verstorben“ simst.


Ich sitze an meinem Schreibtisch und komme grade von der Beisetzung des Sohnes eines Unternehmerfreundes. Dunkler hätte dieser Tag nicht werden können. Eine kurze Gegenrecherche bringt jeden Zweifel zum erliegen. Er ist tot. Unwiderruflich wie sein Werk. Unwiederbringlich wie seine Art. Gegen 15:40 Uhr renne ich zum Briefkasten gegenüber meinem Büro in strömenden Regen mit dem Kondolenzbrief.

Akt 3: Die Brüche

Nicht ohne Schrecken für mich, sagte er in der durch eine Indiskretion veröffentlichen Testsendung von Charlotte Roche „Wahrheit oder Pflicht“ im Jahr 2007 „…heute würde ich sagen, meine Mutter liebt mich nicht…“. Es ist die Mutter, die in der ersten Reihe der großen Trauerhalle des Ohlsdorfer Friedhofs sitzt; nur wenige Meter von mir entfernt. Sein Vater war bereits an Krebs gestorben als er 15 Jahre war. Dessen Tod verarbeitete in literarischer Form in „Der Knacks“.

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Charlotte Roche: Wahrheit oder Pflicht Teil 1; Quelle: Screenshot Youtube

Ist ein Besuch bei der Trauerfeier statthaft? Durch die Anzeige der Familie in der Hamburger Morgenpost wusste ich die Daten. Seine Assistentin J.W. antwortet doch aber tatsächlich rasch auf meine Email und ermutigt mich zu kommen. Dafür bin ich ihr wirklich dankbar.

Foto: JCB
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Selbst bei der Wahl der Bestattungsfirma blieb er er. Ich sah das Auto und musste schmunzeln. Das trostwerk – andere bestattungen aus Hamburg ist wirklich eine hervorstechende Einrichtung im sonstig trüben Teich der Bestatter. Foto: JCB

Die Trauerfeier beginnt. Es spielt die Musik von Bill Evans. Das Stück „Peace Piece„. Es wird für mich immer und unweigerlich mit dem Beginn seiner Trauerfeier verbunden sein. Es setzt den Markstein für den Abschied dieses immersprudelnden Menschen, der wider Erwarten so schnell verstummte.

Akt 4: Nach dem Fernsehen

Willemsen brillierte nach seinem Ausstieg aus dem Fernsehen weiter als Buchautor ganz besonderer Klasse. Er wolle Genauigkeit herstellen, so erklärt er es Katrin Bauerfeind. Sei es mit seiner sehr warmbildlichen Reiseliteratur (z.B. Bangkok Noir, Deutschlandreise) oder seinen Interviews mit Entlassenen aus Guantanamo. Letzteres ließ ihn Reisen in die USA unterlassen – es bestand scheinbar reale Sorge für die im dem Buch offenbarten Zustände nicht minder Problemen ausgesetzt zu sein. Wer „Hier spricht Guantanamo“ angelesen hat, weiß wovon ich schreibe. Oder auch seine Kolumnen, hier insbesondere „Unverkäufliche Muster“.

Nach dem Stück von Bill Evans beginnen die Ansprachen. Zuerst spricht sein väterlicher Siez-Freund Manfred Bissinger mit gefasster Stimme. Zusammen hätten sie auf dem Ohlsdorfer Friedhof sich eine Lichtung teilen wollen, auf der sich das Licht der Sonne durch die Zweige der Bäume bricht. Doch wäre er als Älterer an der Reihe zuerst gewesen, so Bissinger.

Nadia Nashir, Freundin und Vertreterin für den Afghanischen Frauenverein, beschreibt Willemsens Arbeit für Afghanistan, seine nicht immer ungefährlichen Exkursionen mit ihr. Seine ehrliche Aufopferung für die Menschen dieses Landes.

Es folgt ihr sein (wahrscheinlich) bester Freund Werner K., der am Rande seiner Fassung ist. Er fliegt durch private Erlebnisse mit W. und schließt mit dem letzten Satz des letztens Briefes von W. an ihn unter lauten Tränen: „Dein immer währender Freund, Roger“.

Der emotionale Hochtiefpunkt. Es wird der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Trauerfeier.

Für mich in dieser Sekunde beruhigend: Er konnte denken, er konnte lesen, er konnte schreiben bis kurz vor seinem Tod. Und er konnte damit (vermutlich) seine eigens geäußerten Wünsche in Erfüllung gehen lassen: Lieben, sehen und lesen äußerte er als essentielle Fähigkeiten in einem Interview von vor 2011, die er bis zum Schluss nicht verlieren will.

Es schließt an als Live-Darbietung Isabelle Faust mit „Chaconne“ aus der Partita Nr. 2 d-moll von J.S. Bach. Faust selber weint vor dem Auftritt, das Taschentuch fest im Griff. Sie hat mit Willemsen das Programm „In aller Stille“ aufgeführt. Stolz wie Oskar präsentierte Willemsen in der Sendung „Bauerfeind assistiert…“ das Tourplaklat von Faust und ihm bei seiner Floristin Frau Lichtenknecker.

Akt 5: Für die Fremde

Sein Engagement in Afghanistan war ihm ein Herzensanliegen. Er ließ Kinder in Afghanistan ihre Erlebnisse zeichnen und brachte sie unter dem Titel „Es war einmal oder nicht“ (so beginnen Märchen in A.) heraus. Einen Großteil seines Vermögens widmete er seiner interkulturellen Arbeit. Fernab von Kameras und großem Auftritt. So wie er für seine Bücher reiste, in sich allein und mit möglichst geringer Entourage. Authentisch, so wollte er sein und so wollte er vor allem auch reisen, sich bewegen, sich den Menschen nähern, nähern können überhaupt. Seine Überzeugungen warf er auch dann nicht über Bord und seine grundlegende Contenance ebenso nicht, wenn Til Schweiger bei 3nach9 auf seine Thesen zu Afghanistan und den dortigen Einsatz der Bundeswehr torpedierte. Seine Überlegenheit zeigte sich dabei durch Nichttun aus (vgl. dazu dieses Video ab Minute 11:10).

Akt 6: Der Autor

Nach Fausts langer und gefühlvoller Darbietung auf der Geige, ergreift das Wort der sichtlich aufgeräumte und dennoch nahestehende Oliver Vogel. Vogel ist bei Willemsens lieb gewonnen Verlag S. Fischer Programmleiter für deutschsprachige Literatur. Er spricht bewusst vom „Autor Roger Willemsen“ nur um gleich anzuschließen, dass dies untrennbar vom Menschen sei. Und jede Charkterisierung als Autor sei auch eine des Menschen. Er berichtet vom Erfolg des letzten Buches.

Mit „Das hohe Haus“ schuf er ein besonderes Genre der Beobachtung. Willemsen wollte wieder „raus“ und „reisen“ und so zog es ihn in das deutsche Parlament. Mit allerlei spannenden Erlebnissen, die er auf gut 400 Seiten presste – oder als szenische Lesung den Menschen dieses Landes näherbrachte. Er verband dabei seine analytische Gabe mit der generellen Einordnung unserer Demokratie und deren Verortung in der Landschaft der Regierungen. Willemsen war nämlich durchaus politisch und nahm Stellung, z.B. 2013 zur Schweiz und deren (Abstimmungs-)verhalten zu Grenzen und Einwanderern. Dies untermauerte Willemsen mit der ihm passenden jovialen Eloquenz, „es könne nicht immer alles lustig sein“. Es gelte Verantwortung zu übernehmen.

Dann kommt Vogel zum wirklich emotionalen Teil seiner Rede. Willemsen wurde am 15.08. sechzig Jahre. Es war nach einer kleinen Feier am Geburtstag selber ein rauschendes Fest im S. Fischer Verlag geplant. So hatte es Willemsen auch bei der Aufzeichnung von THADEUSZ geäußert. Doch war er kurz nach seinem Geburtstag nicht mehr erreichbar gewesen – nach der Diagnose. Wie ich heute weiß, war diese von Anfang an wohl infaust – hoffnunslos. Vogel sollte auf dem Fest eine Rede halten. Und wurde ausgeladen. Stattdessen sollte er auf der Trauerfeier sprechen. So habe es sich Willemsen gewünscht. Und so wurde aus dem Geburtstagsbuch seines Verlages „Der leidenschaftliche Zeitgenosse – Zum Werk von Roger Willemsen“ ein Buch zum Abschluss des Lebens von Roger Willemsens. Als Mensch, als Publizist, als Fernsehmacher. Es ist eine Bibel für alle die Willemsen mögen, verehren, lieben, bewundern. Oder verachten. Auf über 500 Seiten wird seinem Lebenswerk gedacht. Als wenn er lebte. Denn im Cover tut er das noch. Und so wirkt es wir ein überholter Abschied mit der kleinen Hoffnung, die Szene auf dem Ohlsdorfer Friedhof sei nur NDR-Fiktionsprogramm. Extra3 oder so. Der Kern allen seins war für Willemsen bei aller gewollten Vereinzelung dass Gespräch. Und so führt durch das gesamte Buch ein Dialog von Herausgeberin Insa Wilke mit W. In vier Hauptkapiteln wird seine Vita und sein damit verbundenes Oeuvre strukturiert, verortet und beleuchtet. So ist im Kapitel „Anfänge“ seine Abiturrede vom 25. Juni 1976 zu lesen, oder ein Fragment seines Romans, den er sich selber nicht mehr imstande sah zu vollenden. Und auch die bereits bestehenden Fragmente nicht mehr in gleicher Qualität erstellen zu vermochte (vgl. „Bauerfeind assistiert…„).  Im Kapitel „Schreiben und Reisen“ wird Willemsens Fernweh und Entdeckungswille erarbeitet. So sind es, wie in allen Kapiteln, Arbeitsfragmente, Interviews oder Fremdbetrachtungen die eine Perspektivvielfalt gewähren. In „Teilnehmen“ geben Mitreisende, Weggefährten und Komplizen Einblick in seine Art der Teilnahme an Projekten, die er gerne als „Komplizenschaft“ bezeichnete. Der abschließende Teil „Schauen, Sprechen, Zuhören“ sind sowohl Fragmente seiner Fernsehzeit als auch die Trauerrede für Dieter Hildebrandt vereint. Die Buchteile sind so frei gestaltet wie Willemsen es immer auch als Mensche war. Eine Fundgrube in der man wild hin- und herblättern kann und soll. Mit Bildern und Abbildungen, z.B. aus dem Gästebuch von „Willemsens Woche“. Und auch der Anhang sei nicht zu verachten: Er gibt einen vollständigen Überblick über Willemsens Werke jeglicher Art (Buchangaben am Ende des Textes).

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Quelle: S. Fischer Verlag

Akt 7: Der Mann

Die Reige der Redner/-innen schließen tut die Autorin Katja Scholtz. Hier blieb mir in Erinnerung, dass sie den kecken, schnittigen Mann Roger Willemsen beschrieb. Der der öffentlich bekanntgab, Liebe halte nicht länger als zwei Jahre. Und daher der ewige Junggeselle blieb. Der der sich in der Jugend als „libidinös unerlöst“ bezeichnete und aus einer traurigen Zeit ein eloquentes Schauspiel rückwärtiger Verklärung zauberte. Junggeselle sein zu müssen war auch immer seine Begründung zum Erhalt und Legitimation seines unsteten Lebenswandels und den Gefahren bei seinen Reisen. Er könne sich diesen nicht aussetzen wenn er zuhause Verantwortung für andere trüge, so Willemsen in THADEUSZ.

Es schließt die Trauerfeier mit Keith Jarrett: „Blame It On My Youth, Meditation“.
Jeder bekommt einen Topf Ranunkeln. Der Ohlsdorfer S-Bahnhof ist danach ein sich verstreuendes Meer an Ranunkeln, seinen Lieblingsblumen (vgl. Bauerfeind assistiert).

Er habe in einem persönlichen Gespräch mit einem der Trauerredner geäußert:
„Ich bin mit mir im Reinen. Ich bin mit mir im Reinen.“

Eines hatte uns Willemsen schon immer voraus; schon lange zu Lebzeiten. Es ist der Satz, der seine Traueranzeige zu einer Erweiterung seines literarischen Schaffens macht.

„Das Leben kann man nicht verlängern, aber wir können es verdichten.“

Alles Liebe, lieber Roger Willemsen.

Alle Reden finden Sie im Blog des S. Fischer Verlags hier.


Ich danke dem S. Fischer Verlag herzlich für die kostenfreie Stellung eines Rezensionsexemplars von „Der leidenschaftliche Zeitgenosse – Zum Werk von Roger Willemsen“.

Roger Willemsen…
Bibliographie
Nachruf der ZEIT
Keynote „Die Kunst des Streitens in der Mediengesellschaft“
bei Bauerfeind assistiert
bei Wortwechsel
bei SWR 1 Leute, 1
bei SWR 1 Leute, 2
bei SWR Unitalk

Alle Video-Screenshots: Youtube.com

Quelle: Büro Roger Willemsen
Ein persönlich signiertes Exemplar hat nicht mehr sein sollen. Aber durch Zufall habe ich bei Amazon ein signiertes Exemplar bekommen. Foto: JCB
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Seh-Tipp: Interview mit Wolfgang Lippert

…über Vergangenes.

Im Jahr 2006 interviewte Jörg van Hooven in seiner Reihe „Menschen in München“ auf münchen.tv den bekannten und von mir verehrten Münchner Promi-Friseur Wolfgang Lippert, der im Januar 2016 verstarb.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme ist Wolfgang Lippert 49 Jahre alt und hat bisher „nur“ den einen Salon am Lenbachpalais, einen Steinwurf vom Bayerischen Hof entfernt. Damals schon fast zwei Millionen Umsatz machend (und damit einen Umsatz den, laut eigener Aussage, 37 mittelständische Friseure zusammen erwirtschaften), wird er 2009 das „L2“ in direkter Nachbarschaft eröffnen – auch das nachhaltig erfolgreich. Thematisch war das L1 „Stammhaus“ ein Kind der optischen 90er mit einer Verbindung heller Hölzer mit kühlem Metall und einem Hauch New York.

Das L2 entspricht einem Catwalk mit Bodenbeleuchtung und viel eckigem Weiß. 2012 revitalisiert Lippert dann sein L1 und schafft wieder eine Optik, die einem Stammhaus entspricht. Aus der 90er Optik wird ein zeitloses Mamordesign mit Kamin und goldenem Scherenlogo. Er gibt sein Haus sehr bestellt aber zu früh ab. Sein Stellvertreter und Mitinhaber Markus Ruidl führt die Geschäfte mit dem sog. „Management Circle“ weiter.

Sehen Sie hier das Interview.

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Outtakes DVD-Dreh

…über Lustiges.

DVD-Dreh „Notfälle in der Zahnarztpraxis“ für den Forum Verlag Herkert im November 2015 im Landsberg am Lech. Es war ein super Dreh-Team und wir hatten zwei Tage viel Spaß und waren unglaublich produktiv. So konnten in ca. 18 Drehstunden 180 Minuten sendefähiges Material produziert werden. Mitte 2016 startet der nächste Dreh. Nachfolgend nun die offiziellen Outtakes; vielen Dank für Erlaubnis und Bereitstellung an den Forum Verlag Herkert.

 

 

Verdienen ist nicht Vermögen

…über Erfüllung.

Es sollte ein Interview werden, es wurde ein Monolog, der durch Michel Friedman selbst so gestaltet wird, dass es spannend wird. Es geht um die Frage, ob und wie Geld glücklich macht. Das Video entstand auf der Deutschen Anlegermesse 2013 (auf dem auch das Bild von Friedman und mir entstanden ist).

Friedman sagt wichtige Sätze, hier ein paar Auszüge.

„…Geld ist ein Wertschätzungsmittel –  philosophischer Natur…“

„…mit den Menschen hier {er meint die Besucher der o.g. Messe. Anm. d. Autors} Kontakt aufzunehmen, für die das anscheinend ein ganz wichtiger Mittelpunkt ihres Lebens ist…“

„…das Gefühl, ein Leben gelebt zu haben, nicht nur im materiellen…“

„…Menschen, die erfüllt sind in ihrem Beruf, verdienen weniger und können glücklicher sein als die, die den ganzen Tag dem Geld hinterherrennen…“

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Michel Friedman auf der Deutschen Anlegermesse 2013
Behmann Michel Friedman 2013
Nach dem Interview entstand dieses Foto. Danke an Silke Rabung!

Der Schalenmann

…über andere Eindrücke.

In Trauer um Guido Westerwelle. 
1961-2016
Ein Mann, nach außen schrill und mit dem Hang zum Unsympathischen, der sich aber unter einer zwiebelartigen Verschalung verbarg, um nicht seiner Art wegen verletzt zu werden. Schwul gewesen zu Zeiten als in der ‚guten BRD‘ noch nichts gut war bei der Homoakzeptanz. Anders gewesen auch außerhalb der zwischenmenschlichen Anziehungskraft. „Ihr kauft mir den Schneid nicht ab!“, sein legendärer Ausruf als distanzhaltende Kampfansage ans verbeamtete Establishment – und an seine Partei. 

Er war zeitlebens umstritten, sein 18%-Wahlampf 2002 bleibt unvergessen. Das Guidomobil auch.

Nach dem Ausscheiden aus dem BM des Auswärtigen 2013 und der Rückgabe dessen an seinen Vorgänger, FWS, gründete er die Westerwelle Foundation. Die Verständigung, die diese zum Ziele hat, wurde ihm als Fähigkeit im Amt nicht zuerkannt. Kosmopolit war nicht seine galante Kragenweite. Und doch war er voller Verve und Mut. Selten geachtet und daher umso authentischer.

Nach einem Jogging-Ausrutscher im Sommer 2014, wurde seine Krankheit entdeckt; der Kampf begann. Und schien zumindest errungenes Plateau zu sein als er mit Dominik Wichmann im September sein Buch vorstellte.

Es sollte nicht sein; der Wunsch nach einem Leben außerhalb der Politik. Nachdem er Ende November wieder durchgehend in die Klinik musste, verstarb er nun an einer Lungenentzündung (SZ) im Kölner Uniklinikum. 
Sein Patientenname war Paul Frings.
Sein wahres Ich war ebenso getarnt.

Seh-Tipp: Friedman zum 60.

…über Zusammenfassungen.

Michel Friedman ist am 25. Februar 60 Jahre geworden und wurde jüngst zum Professor berufen. Wo und wie genau, bin ich am recherchieren, denn bei N24 ist der Footer bereits geändert und auch seine Firmenschilder sind entsprechend geändert.

Im Interview auf BR-alpha (dem Bildungskanal des BR), resümiert Friedman nun seine Lebensjahre in fast monologer Weise, die Moderatorin ist bestenfalls Stichwortgeberin und hakt nie nach wenn es spannend ist. So bleibt er wieder unbehelligt einer Rückfrage, als er von seinen zwei Schusswaffenattentatsversuchen auf seine Person berichtet (vgl. FAZ-Interview von 2013 und FNP vom 17.01.2015).

Für Friedman-Kenner also nichts neues und doch brilliert er formstark mit Meinung und Ruhe; „Friedman 2.0“ wie  zu sagen pflege, da er so ganz anders ist als vor 2003. Dümmer wird man durch das Interview auf keinen Fall und wer ihn nicht gut kennt, dem sei die Ansicht zu raten.

Über das Vorzimmer der Macht

…über Chefsekretärinnen.

Da ich genau heute mit einer der im Artikel erwähnten Damen zu tun hatte (sie war sehr nett zu mir!), bin ich durch Zufall auf diesen Artikel gestoßen. Und im Alltag habe ich oft mit ihnen zu tun, die das Rad am Laufen halten in den Zimmern der Macht.

Und, inzwischen habe ich selber zwei Assistentinnen, die sich als Studentinnen abwechseln, mir die Arbeit zu kanalisieren,zu  organisieren und mich ggf. auch mal zu trösten. Eine gute Assistentin, oder natürlich auch ein Assistent, kann Gold wert sein. Ich spreche hierbei vom „Gipsabdruckprinzip“.

Mein langjährige Assistentin, Frau Leinweber, ist inzwischen nicht mehr wegzudenken. Sie kennt mich ganz genau, weiß wann ich wie meinen Kaffee brauche, wann sie wen durchstellen kann, wo ich gerne im Zug sitze, wie meine Briefe zu schreiben sind, wem ich zum Geburtstag gratulieren muss, welches Hotel ich in welcher Stadt mag und sie sieht, wenn ich durch die Tür komme, in welcher Stimmung ich bin. Und vieles mehr.

Ich bin dafür sehr dankbar, weiß aber auch um die Arbeit. Viele wundern sich, warum das bei uns so gut klappt. Weil ich selber und meine Mitarbeiter sehr viel Arbeit in unsere Zusammenarbeit, in unsere zwischenmenschlichen Beziehungen stecken. Und das kostet viel Mühe, viel Nerv und manchmal geht einem alles auch mal gehörig auf den Geist. Der Preis ist aber in keiner Relation zu dem, was man bekommt. Und das möchte ich nicht mehr missen.

Sie ist/ sie sind mein zweites, dienstliches Ich.

Viel Spaß beim Lesen des Artikels aus dem Manager Magazin, 2006.

Da klemmt nicht nur der Brandschutz

…über Höflichkeiten.

Es ist schon so einen dummdreiste, dickfällige, gar freche Eigenart, keine Form der Entschuldigung zu zeigen. 

Da wollte der CEO qua Amt sich nebst Gattin und wohlinstruiertem Pressesprecher ein PR-Denkmal setzen, indem sie Zuckerberg unausweichlich an seiner B737-VIP abpassen wollten. Nur ist das Ganze ziemlich aus dem Ruder gelaufen. Denn Zuckerberg ließ sich nicht medial vereinnahmen und ausnutzen, er blieb einfach im A/C sitzen, bis der scheinbar bornierte BER-CEO samt Entourage abzog.

  
Quelle: BamS vom 06.03.2016/ @tomdrechsler

Lese-Tipp: Streitinterview Niggemeier mit di Lorenzo

…über Rivalitäten.

Medienblogger Stefan Niggemeier und ZEIT-CR Giovanni di Lorenzo treffen sich in Berlin zum streitbaren Interview über Medienjournalismus. Di Lorenzo ist kein Freund von Niggemeiers Arbeit; der ‚Nabelschau‘ der eigenen Arbeit.

Zu lesen auf Niggermeiers neuem Portal „Übermedien“. Lesen Sie hier.

Und: Wie der SPIEGEL die Trennung von di Lorenzo nebenbei veröffentlichte

 

Quelle

Zeig‘ mir deinen Homescreen…

über die Eigenschaft.

Früher waren es physische Dinge und deren Verwendung, Anwendung und damit einhergehend der Ordnung. Nun, es ist das Smartphone, welches ungewollten Einblick in die Denk- und Handlungsstruktur gibt. Das Medienportal turi2 (gerne mal über deren Gründer, Herrn Turi, googlen – spannender Lebensweg) gibt in loser Reihenfolge Einblicke in diese Welt bei denen, die diese Technik nicht originärer nutzen könnten: Medienmenschen. Sie geben selbst erklärenden Einblick in den Werdegang ihres zentralen Arbeitsmittels. Mit spannenden Marotten, Ordnungen, Ansichten.

Viel Spaß beim Stöbern hier.

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