Liebe in Ketten

…über Schönheit.

Bei einem geschäftlichen Essen sitzen wir zu zweit eingekeilt in die Reihe von Zweiersitzkonstellation. Die Reihung ist gut für den Umsatz und oft gut für die Sozialanalyse. Denn: Rechts von uns nimmt die Fensterfront auf die Ausfallstraße nebst Straßenbahn platz und links (Trommelwirbel) platziert der Wirt gekonnt zwei befreundete weibliche Schönheiten. Extrem gepflegt, in der Mitte ihres dritten Lebensjahrzehnts und außerordentlich distinguiert nehmen sie auf den Stühlen platz und haben mehr Form dabei als meine Kuchen in derselbigen. Eine blond eine schwarzhaarig, haben neben ihrer Freundschaft gemeinsam, dass sie Unsicherheit umgibt und dennoch eine gefällige Selbstsicherheit – der genaue Blick nach links erklärt dann auch gleich diesen Eindruck: Beide sind wahrlich bekettet mit Ketten um Hals und Handgelenk. Und diese Ketten, die den optischen und suggerierenden Charme von Fahrradketten haben, werden durch ein Baggage-Tag der Liebe und Versprochenheit besiegelt. Quasi als baumelnde Versicherung der Verankerung und Akzeptanz baumeln an allen (sic!) Ketten Herzen mit Gravur. Silber, aber eigentlich doch gefühlter diamantene Stimmung des Geschaffthabens, umgibt diese mit viel täglicher Selbstaufgabe erhaltenen Stücke. Innere und äußere Bestätigung, Markierung und Selbstlimitierung sprechen die Herzen aus. Denn klar ist: Ich werde geliebt. Ich bin begehrt und zeige es. Hier wird keiner mehr benötigt. Der angeblich einzige fand mich – und eroberte mich entsprechend wie ich es verdiene.

Wenn die Ketten nicht wie Fesseln aussähen, ich hätte dem Schein fast geglaubt.

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