In Gedenken an Oliver Sacks, M.D.

…über Klänge.

Oliver Sacks lernte ich als Autor kurz nach der Jahrtausendwende kennen. Ich sollte einen Vortrag im Bio-LK zum Thema „Epileptische Anfälle“ halten und ein damals befreundeter Notarzt gab mir, neben vielen weiteren Infos, das Buch „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“. Der Weltbestseller von Oliver Sacks aus dem Jahr 1985. Das Buch eröffnete mir die spannende Welt von Sacks sehr menschlichen, populärwissenschaftlichen Beschreibungen auch von sehr komplexen neurologischen Erkrankungsformen. Sein Drang nach neuem Wissen, seine Offenheit gegenüber seltenen Krankheitsformen und seine menschliche Wärme lassen auch die schwierigsten Beschreibungen wie einen angenehmen Fluß plätschern. Seine weiteren Werke zeichneten sich durch hohen Detailreichtum aus. Sacks war ein Autor, der seine Leser, ob seiner Wissenstiefe, überfordern wollte, gar musste. Und so war sein Buch „Der einarmige Pianist“ (im englischen der viel schönere Titel „Musicophilia“) ein Werk dessen Durchdringung bei mir noch Jahre brauchen wird. Mit seiner zuletzt vorgelegten Autobiographie, schloss der Publizist sein umfangreiches Oevre. Kathrin Passig von der ZEIT schrieb in ihrer Besprechung von „On the Move“: „Sacks schreibt darin schon wieder mit solcher Begeisterung über Wissenschaft, dass man umgehend den eigenen Beruf an den Nagel hängen und Forscher werden möchte.“ Dieser sehr selbstoffenbarende Satz der Autorin, die „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ mit 20 las, zeigt welch hingebungsvolles Verhältnis Sacks und seine Leser wechselseitig verbindet.

Er hinterlässt eine beeindruckende Wissensdichte gepaart mit einer Art frischem Entdeckergeist. Während ich dies schreibe, kann ich auf meine Exemplare von ihm im Bücherregal blicken. Seine liebe Assistentin Kate, hat mir im Jahr 2009 ermöglicht zwei handsignierte Exemplare zu bekommen, auf die ich sehr stolz bin. Oliver Sacks ist nun zweiundachtzigjährig in seiner Wahlheimat NYC/ Manhatten an Krebs verstorben. 

Auch hier blieb er so wie er immer war (oder zu sein schien): Gelassen und erwartend und offen für die Nebenerscheinungen einer geänderten Situation. So erfreute er sich beim Erstauftritt der Erkrankung an seinem Auge an den Farbspielen, die dieses verursachten. Ungeachtet des Bewusstseins über die Gefahr und spätere Tödlichkeit der Krankheit (s.u. Aufsatz von OS in der NYT), wusste Sacks immer um die positiven Aspekte einer Erkrankung – so auch bei seinen Patienten, deren Situation oft von Ausweglosigkeit gezeichnet war.

Ich empfehle als Einstieg seinen Klassiker von 1985 und seine Autobiographie. Viel Spaß beim Abtauchen in eine neue Welt.

In stillem Gedenken und aufrichtiger Bewunderung.

Oliver Sacks, M.D.
*09. Juli 1933 – †30. August 2015

Oliver Sacks über seine infauste Diagnose in der NYT
Nachruf der ZEIT
Website von Oliver Sacks

  

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