Frauen, die Männer erträumen, die Türen aufhalten

Über Anforderungen die keine sind.

Ich surfe gerne und bekennenderweise über Datingplattformen und mache da allerhand Erlebnisse und Erfahrungen. Besonders der Spiegel der scheinbar unverzichtbaren Anforderungen sind ein Quell der Freude und Verwunderung. Da fordern Menschen (wenn auch aufgefordert) Checklisten von Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften, die eher auf die 60er Jahre passen. Da spricht man von „Bodenständigkeit“, „mit beiden Beinen fest im Leben“, „ein Gentleman, der mir die Tür aufhält“ und „ein Mann, der weiß was er will“. Nachdem die Klischeelampe mehr als brennt, folgen Anforderungen der plumpen, ja gar materialistisch peinlichen Art: „soll Führerschein haben“, „soll Auto haben“, „soll einen Job haben“. Aha.

Ich mache mir manchmal den Spaß, mich unterschiedlich zu präsentieren. Als Sachbearbeiter, Student oder Arbeitssuchender. Die Reaktionen sind erschreckend, erschreckend ehrlich, denn auch wenn im Internet viele Eigenschaften eines lebenden Menschen nicht transportabel erscheinen, so ist es dennoch m.E. möglich, nicht von den o.g. Kennzahlen eine Sympathie auszumachen. Denn meine Vermutung, dass die Menschen oft gar nicht wissen, was sie mit diesen abgegriffenen (waren die je frisch?) Floskeln erreichen wollen und sich dann wundern ob Ihrer Erfolglosigkeit in der Suche nach etwas was nicht passen kann und nicht passen muss. Denn viele Profile suggerieren in kritischer, analytischer Betrachtung nur eines: Die Angst, nicht alleine zu „enden“. Es ist die Suche nach der Sicherheit, die es nicht gibt. Der absolute Wille nach Treue, Geborgenheit und der unendlichen Garantie von Glück und Gemeinsamkeit werden zu Scheuklappen des außerhalb liegenden aber durchaus machbaren Glücks. So ist die Erfolglosigkeit und der folgende sich abzeichnende Frust in den Profilen erkennbar. Es kommen No-Gos, empfängerlose Anklagen, Limitierungen und Schutzhaltungen, die mehr als Scheuklappen sind. Es werden Augenklappen. Beidseits.

Die Tür, die es aufzuhalten gilt, kann dann gar nicht mehr gesehen werden. Von demjenigen, der sie aufhalten sollte, ganz zu schweigen.

Buchtipp: Die Kunst sich selber auszuhalten, Michael Bordt. Hier bei Amazon

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